Schach Magazin
Schachschule 64 ::

Über den Rappen auf e4

Mal als eine wertvolle Verstärkung, mal ein Spiel mit dem Feuer (Teil 4)




In den vorangegangenen Folgen wurde diese Thematik erörtert. Dabei erhielten Beispiele, wo der Rösselsprung in die Mitte der gegnerischen Reihen erfolgreich war, einen größeren Raum. Heute beschäftigen wir uns mit einer Serie von praxisnahen Beispielen, in denen der schwarze Springerzug nach e4 nicht die gewünschte Wirkung zeigte oder sogar ganz scheiterte.

Sizilianisch B 50
R. Mainka - B. Willin
Bad Wörishofen 2009


1. e4 c5 2. Sf3 d6 3. c3 Dies ist ein giftiger Zug gegen Sizilianisch mit …d6, hauptsächlich wegen dieser kleine Falle: 3. …Lg4 Besser ist sofort 3. …Sf6, dann ist nach 4. d4 schon 4. …Sxe4 möglich. 4. d4 Sf6 4. …cxd4 überlässt Weiß das Zentrum. 5. dxc5 und Weiß hat einen Bauern gewonnen, oder eben im Falle des Missgriffs



5. …Sxe4?? 6. Da4+ den Springer – 1:0

Königsgambit C 32
R. Przedmojski - L. Wojcicki
Warschau 2004


1. e4 e5 2. f4 d5 3. exd5 e4 4. d3 Sf6 5. dxe4 Sxe4 6. Le3 Lb4+ 7. c3 Ld6 8. Da4+ – 1:0

Dies ist eine andere Version des vorher gezeigten Reinfalls:

Damenbauerspiel A 43
R. Altshul - I. Kudinov
St. Petersburg 1997


1. d4 c5 2. d5 e6 3. e4 Sf6 4. Sc3 Gesund ist nun …d6. 4. …exd5? überlässt Weiß das aktive Spiel. 5. e5 De7 6. De2! Se4 7. Sxd5 Dxe5 8. c4! droht Lf4 mit Springergewinn. Auf 8. …g5 gewinnt 9. f3 den Rappen. – 1:0

Spanisch C 65
B. Rogulj - H. Singer
Sibenik 2014


1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 Lc5 4. 0-0 Sf6



Eigentümlicherweise wissen viele Schachfreunde nicht, dass in dieser Stellung der verrückt anmutende Zug 6. Sxe5 spielbar ist. Nach 5. …Sxe5 6. d4 holt sich Weiß die Figur zurück. Schwarz sollte jedoch 6. …c6! antworten, mit der Folge 7. dxe5 Sxe4 8. Ld3 d5 und verteilten Chancen. 6. …Lb6? ist schlecht wegen 7. dxe5 mit klarem Vorteil für Weiß nach 7. …Sg8 oder einem Verlust nach 7. …Sxe4? 8. Dg4 wegen 8. …Sc5 9. Dxg7 (oder Dg4) …Tf8 10. Lh6 +- – 1:0

Königsgambit C 32
G. Kosztolanczi - A. Bogar
Ungarische Liga 1991


1. e4 e5 2. f4 d5 3. exd5 e4 4. d3 Sf6 5. dxe4 Sxe4 6. Sf3 Lc5 7. De2 Dxd5 8. Sfd2 f5 9. Sc3



Auf e4 steht der Rappe gar nicht gut, aber mit 9. …Df7 hätte sich Schwarz nach 10. Sdxe4 fxe4 11. Dxe4+ De7 mit einer schlechteren Stellung abfinden müssen. 9. …De6? verliert nach 10. Sdxe4 fxe4 11. Dh5+ nebst Dxc5 eine Figur. – 1:0

Damenbauerspiel D 02
S. Skembris - M. Makropoulou
Griechenland 1994


1. Sf3 Sf6 2. d4 g6 3. Sbd2 d5 4. c4 Lg7 5. cxd5



Diese Variante ist bekannt, und Schwarz tut gut daran, jetzt auf d5 mit dem Springer zurückzuschlagen. 5. …Dxd5 wird nämlich stark mit 6. e4 und Raumvorteil beantwortet. Doch die aus Rumänien stammende griechische Großmeisterin kannte offenbar diese Eröffnung nicht so gut und schlug den Bauern 6. …Sxe4?! 7. Lc4 Nun hätte sich die Dame nach c6 zurückziehen müssen: 7. Lc4 Dc6 8. d5 Dc5, das ist noch nicht ganz so schlimm. 7. …Da5? ist schlechter, jetzt bekommt der Rappe auf e4 Probleme. 8. b4! Dxb4 9. Tb1 Dc3 10. Tb3



Jetzt ist der Springer e4 verloren, z. B. 10. …Da5 11. Tb5 Dc3 12. Lb2. In der Partie geschah noch 10. …Sxf2 11. Kxf2 Da5 12. Tb5 Da6 13. Tf5! Db6 14. Lxf7+ Kf8 und ohne 15. Lxg6+ abzuwarten – 1:0

Damenindisch E 15
W. Browne - M. Ashley
Philadelphia 1991


1. d4 Sf6 2. c4 e6 3. Sf3 b6 4. g3 La6 5. Sbd2 Lb7 6. Lg2 c5 7. e4



Alles schon dagewesen. Dieser Zug muss mit …cxd4 beantwortet werden und falls dann 8. e5, geht …Se4 schon gefahrlos. Das alles steht in Eröffnungsbüchern. Der Nachziehende war aber mit der Variante offenbar nicht vertraut und griff auf e4 zu 7. …Sxe4? worauf 8. Se5 folgte. Schwarz hätte sich dann auf 8. …Sd6 9. Lxb7 Sxb7 10. Df3 Dc7 11. Dxf7+ einlassen müssen. Er spielte 8. …Sc3 mit Angriff auf die Dame d1 und nach 9. Dh5 g6 10. Dh3 kapitulierte er, denn nach 10. …Lxg2 11. Dxg2 hängen auf a8 und c3 zwei Figuren – 1:0

Der Nachziehende bezog fürchterliche Prügel, hat aber seitdem viel dazugelernt. Heute ist er Großmeister und einer der beliebtesten Schachmoderatoren weltweit.

Sizilianisch B 57
A. Soltis-N. Vulicevic
New York 1992


1. e4 c5 2. Sf3 d6 3. d4 cxd4 4. Sxd4 Sf6 5. Sc3 Sc6 6. Lc4 Db6 7. Lb5 a6 8. La4 Ld7 9. Le3 Dxb2 10. Sde2 Db4? besser ist 10. …Da3 11. Tb1 Da5 12. Txb7



Weiß steht besser, aber 12. …e6 ging noch halbwegs. Der Springereinschlag 12. …Sxe4? brachte das überladene schwarze Schiff zum Kentern. 13. Dd5! Weiß gewinnt nach 13. …Sxc3 14. Dxa5 Sxa5 15. Lxd7+ Kd8 16. Lb6 matt oder nach 13. …Dxd5 14. Sxd5 – 1:0
Es droht Sc7+, auf 14. …Tb8 folgt 15. Lxc6.

Damengambit D 17
D. Garcia Illundain - S. Niehaus
Groningen 1991


1. d4 d5 2. Sf3 Sf6 3. c4 c6 4. Sc3 dxc4 5. a4 Lf5 6. Se5 c5? Besser ist die Entwicklung mit …Sbd7 oder …e6, und erst dann vielleicht mal …c5. 7. e4! macht von seiner besseren Figurenentwicklung Gebrauch, z. B. 7. …Sxe4 8. Df3! 7. …Lxe4 8. Lxc4 e6 9. Sxe4 Sxe4 10. Df3



Ein Doppelangriff auf f7 und e4. Falls 10. …Sd6, so 11. Lb5+. 10. …Da5+ 11. Ke2! Sd6 12. Lb5+ Kd8 13. Sxf7+ Sxf7 14. Dxf7 und wegen der Doppeldrohung Dxb7 und De8+ – 1:0

Wolga-Gambit A 57
H. Dobosz - W. Massing
Open Goch 1991


1. d4 Sf6 2. c4 c5 3. d5 b5 4. Sd2 Da5 5. e4 Mal eine andere Eröffnung. Für Schwarz haben sich die Antworten …d6 und …bxc4 bewährt. 5. …Sxe4 wurde zwar nie widerlegt, gleicht aber dem Spiel mit dem Feuer. 6. b4! Dxb4 Das ist erzwungen, denn 6. …cxb4 lässt 7. Sxe4 zu. 7. Tb1 Dc3 8. Txb5 Dd4 9. Sxe4 Dxe4+ 10. Le3 g6 11. Sf3



11. …Lg7?? Die letzte Chance ist 11. …d6 12. Ld3 Dg4, gefolgt von der Flucht der Dame nach d7. 12. Ld3 Dg4 13. h3 mit Damenfang. 13. …Dxg2 14. Th2 – 1:0

Hier endet unser Ausflug in die aufregende Welt der Springerzüge nach e4. Wie über so vieles im Schach, kann man über dieses Motiv weder den Stab brechen noch unreflektiert jubeln. Es kommt immer auf die Umstände an und je mehr kommentierte Bei-spiele man gesehen hat, desto leichter kann man richtigen Weg wählen. Viel Erfolg!

 


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Teil 128 der Schachschule 64 kann hier als PDF-Datei heruntergeladen werden. Die Printausgabe unterscheidet sich etwas von der Online-Version, bei der das eine oder andere Diagramm und hin und wieder weiterer erklärender Text die jeweilige Folge ergänzen.

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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