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Schachschule 64 ::

Interessante taktische Motive


Ein bunter Strauß zum Nachspielen und Schmunzeln



Diese Serie erscheint seit mehr als sechs Jahren, da hat sich einiges an Wissen angesammelt. Ein guter Zeitpunkt, um einmal eine Reihe von Momentaufnahmen Revue passieren zu lassen. Sie entscheiden über die Verwendung: diese Folge eignet sich sowohl zum Testen eigener taktischer Fähigkeiten, oder aber auch zur Entspannung bei einem vergnüglichen Spaziergang durch die unerschöpfliche Welt des Schachspiels.

Auf die Gefahren, denen ein König im Zentrum ausgesetzt sein kann, kann man nicht oft genug hinweisen. Hier ein originelles Beispiel.



M. Heidrich - F. Jenni
Bundesliga 2002
Schwarz am Zug



Weiß hatte zuvor mit Lc1-g5 den Turm d8 angegriffen und rechnete nun mit 15. …Le7, 15. …Td7 oder auch 15. …f6 16. Ld2 mit einem noch ungeklärten Spiel. Doch sein unrochierter König wurde ihm zum Verhängnis. 15. …Lb7! und Aufgabe 0:1, denn 16. Dxb7 scheitert an …Sc2+ 17. Ke2 Dxc4 matt und 16. De2 Lxf3 verliert Haus und Hof.

Im nächsten Beispiel steht der bedrohte König zwar nicht direkt im Zentrum aber (zu) nahe dran.



Berning – T. Batet
Open Andorra 2003
Weiß am Zug



Zieht man noch einen anderen Faktor hinzu, den weißen Entwicklungsvorsprung, so ist ein Gewinn des Anziehenden - wenn er es richtig anpackt - eine ausgemachte Sache:

14. Db3+ Kg6 15. Se5+! und 1:0 wegen des Damengewinns nach dem erzwungenen …Dxe5 16. Lxe5. Andere Züge führen zum Matt: 15. …Kh5 16. Dh3; 15. …Kf5 16. Dh3+ Kxf4 17. Dg4 und 15. …fxe5 16. De6+ Kh5 17. Df5+ nebst Dg5 matt.

Einem König kann man nicht nur im Zentrum leicht beikommen, sondern überall, wo sich eine Linie, Reihe oder Diagonale öffnet.



T. Grabuzova – O. Stjaschkina
Russ. Frauenmeisterschaft 2002
Weiß am Zug



Schwarz versammelte einige Getreue um seinen König, wähnte sich deshalb in Sicherheit, spielte …Dd7-e7 und wollte damit endlich auch einmal aktiv werden. Doch es folgte eine kalte Dusche: 32. Sb5+! mit dem taktischen Motiv der Linienöffnung, für die Weiß gerne einen Springer gibt. 32. …cxb5 Wahlweise 32. …Kb7 33. dxc6+ Kxc6 34. Dxa6+ Tb6 35. Sa7+ Kxc5 36. Dc4 matt. 33. axb5 Dxe3+ 34. Tf2 und wegen des kommenden Dxa6+ 1:0

In den nächsten Beispielen wird der König auf einer Randlinie Matt gesetzt.



J. Zawadzka - A. Kowalew
Litomysl 2004
Weiß am Zug



Schwarz hatte soeben mit …Sc4xBb2 einen Springer geopfert und erhoffte sich ein Gegenspiel. Zwar ist die Sache auch nach dem Schlagen des Springers nicht klar, dies bleibt jedoch eine akademische Frage, 43. Dxh7+! 1:0
Elegant Matt setzt Weiß nach 43. …Kxh7 44. g8D+ Txg8 45. Th1 matt. Genau dieses Mattbild hatte ein - inzwischen zu einem Weltklassespieler herangewachsener - französischer Schüler vor Augen, als er in der folgenden Stellung diese Kombination vom Stapel ließ:



M. Vachier Lagrave - A. David
Paris 2004
Weiß am Zug



27. Dg7+! Lxg7 28. hxg7+ Kxh7 29. g8D+ und wegen …Txg8 30. Txh4 matt - 1:0.

Manchmal kämpft man nicht nur gegen den Gegner, sondern mit sich selbst. Im folgenden Beispiel sinnierte Weiß über ein spektakuläres Damenopfer, musste dann aber schweren Herzens umschwenken und auf profanere Weise den Punkt einfahren.



J. Lechtynsky – T. Likavsky
Tschechische Liga 2002
Weiß am Zug



Der schwarze König ist ungenügend geschützt, da ist bestimmt etwas zu machen. Weiß grübelte und fand ein Damenopfer 26. Dxf8+ Kxf8 27. Th8+ Kg7 28. Th7



Analysediagramm

und hakte es doch ab, weil dies anscheinend nur zum Remis per Th8+/Th7+ führt. 28. Tg8+ erschien ihm bedenklich, da der schwarze König via h6 hinausläuft. Doch auf dieser Route wartet ebenfalls das Verderben, wenn Weiß das Fangnetz noch fester zuzieht: 28. …Kf8 29. g4 mit der Idee 29. …Td7 30. Th8+ Kg7 31. Tg8+ Kh6 32. h4 Dd2 (sonst setzt ein Bauernzug nach g5 matt) 33. g5+ Dxg5+ 34. hxg5+, und Weiß gewinnt.

Eine phantasievolle Variante, die letzten Endes zum Gewinn führt. Doch der Anziehende schaute sich die Ausgangsstellung nochmals an und entdeckte eine weniger schöne Variante (kein Damen-, sondern "nur" ein Qualitätsopfer), die jedoch glasklar zum Matt führt. 26. Th7+! und Aufgabe 1:0, denn jetzt hat es Schwarz auch gesehen: 26. …Sxh7 27. Dg8+ Kh6 28. Dxh7+ Kg5 29. f4+ Kf5 und nun wahlweise 30. g4 matt oder 30. Dh3 matt. Am Ende war es doch ein sehr schöner Gewinn, auch ohne ein Damenopfer.

Jetzt haben wir die Könige genug gequält, wie wäre es einmal mit ein paar schönen Beispielen zum Thema "Freibauer"? Auf geht's:



P. Harikrishna - P. Swidler
Internetpartie auf schach.de, 2004
Schwarz am Zug



Mit viel Geduld gelangt man an einen guten Bissen, fragen Sie mal die Spinnen oder Herrn Swidler, der in dieser Partie eine Zeitlang nur herumzog, weil er auf f2-f3 wartete. Schließlich geschah dieser Bauernzug tatsächlich und Swidler schlug zu: 31. …Dxc4!! 0:1. Der d-Bauer ist nach 32. dxc4 d3 nicht zu stoppen. Nun wird klar, warum Schwarz auf den Zug f2-f3 wartete; solange der f-Bauer noch auf f2 stand, hätte Weiß mit Df3-d1 den Bauern stoppen können, so dass das Damenopfer inkorrekt wäre. Bei der vorliegenden Konstellation ist das Opfer entscheidend.

Im nächsten Beispiel verschaffte Weiß dem Bauern d5 eine herrliche Zukunft auf c8:



D. Jakowenko - D. Svetuschkin
Französische Liga 2008
Weiß am Zug



35. Lxc6+!! und 1:0 wegen der schönen Schlusspointe 35. …Txc6 (…Sxc6 36. Dxf7 mit Turmgewinn) 36. dxc6! Txf3 37. c7! Die Bauernumwandlung in eine Dame, gefolgt vom Matt, ist nicht mehr zu verhindern.

Ein anderer scheinbar unaufhaltsamer Freibauer wurde in der folgenden Begegnung genial ausgebremst, wie der Schweizer Historiker Richard Forster seinerzeit berichtete.



F. L. Janda - P. Lob
Genf 1951
Weiß am Zug



Mit normalen Mitteln ist der a-Bauer nicht zu stoppen. Aber auf Umwegen geht es. Entscheidend sind dabei die Motive Ablenkung und Hinlenkung. Was soll abgelenkt werden? - Der Springer d5. - Warum? - Damit das Feld f6 frei wird für den Springer h5, wonach Txh7 droht. Also: 41. Se3!! Freut sich auf …Sxe3 42. Sf6! 41. …a2 42. Sc2 Kg8 Wahlweise 42. …a1D+ 43. Sxa1 Txa1+ 44. Kf2 Ta2+ 45. Ke1 Ta1+ 46. Kd2 Ta2+ 47. Kc1 Ta1+ 48. Kb2 Ta8 (sonst Tb8 matt) 49. exd5 mit Gewinn. 43. exd5 Weiß behält nun mindestens einen Springer mehr. Es folgte noch 43. …Tc8 44. Sf6+ Kf8 45. Tb8! Txb8 46. Sd7+ Kf7 47. Sxb8 und bald 1:0

 


Schachschule 64 als PDF

Teil 78 der Schachschule 64 kann hier als PDF-Datei heruntergeladen werden. Die Printausgabe unterscheidet sich etwas von der Online-Version, bei der das eine oder andere Diagramm und hin und wieder weiterer erklärender Text die jeweilige Folge ergänzen.

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Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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