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Schachschule 64 ::

Die Notation




Die meisten unserer Leser sind geübte Spieler, ihnen ist die Schachsprache vertraut (Luftloch, hängende Bauern, Fianchettoläufer u. v. m.), ebenso wie die verwendeten Kürzel (!, !?, ?!, += usw.). Oft werden sie jedoch von ihren Kindern, von ihren Freunden oder Bekannten um eine Auskunft ersucht, was das eigentlich heißen soll, "Qualität"? Oder sie werden gebeten, ihnen das Schachspiel doch mal richtig beizubringen. In der neuen Rubrik finden Sie das dazu benötigte Material.

Eine andere Zielgruppe sind Denksport-interessierte Menschen, die die Grundschachregeln (die Gangart der Figuren und ihre Wirkung, das Schlagen der gegnerischen Steine und die Zielsetzung der Partie - die Mattsetzung des gegnerischen Königs) kennen und hin und wieder eine Partie spielen, jedoch nicht im Verein organisiert sind. Sie möchten mehr über das Schachspiel erfahren, die Grundregeln, Begriffe und Fachausdrücke kennen lernen und eine Orientierungshilfe für alle Phasen der Schachpartie bekommen. Angefangen von der richtigen Eröffnung über die Strategie und Taktik des Mittelspiels bis hin zur Technik des Endspiels wird in der neuen Rubrik dieses Grundwissen in kleinen, leicht verständlichen Teilen serviert. Wissbegierigen werden zudem allgemein interessierende Themen zur Geschichte, Gegenwart und Umfeld des Schachspiels präsentiert.

Das eine oder andere wird dem Leser bekannt vorkommen, er kann es dann überspringen und - je nach Vorkenntnissen - in einer der späteren Folgen einstei-gen. Doch damit den Lehrenden wie den Lernenden gar nichts entgeht, fangen wir ganz von vorn an.

Die gemeinsame Sprache


So, wie der Musiker schon durch die Ansicht der Noten eine Melodie im Ohr hat, oder der Chemiker beim Betrachten einer bestimmten Kombination aus Buchstaben und Zahlen das Element vor sich sieht, so erhält auch der Schachspieler dank der Notation einen Eindruck davon, was sich auf dem Schachbrett zugetragen hat.

Der Raum


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Vor uns sehen wir ein Schachbrett so platziert, wie es die Regeln vorschreiben: Das Feld unten rechts ist weiß. Es spielt keine Rolle, ob das Brett Nummern und Zahlen zeigt oder nicht (auf manchen hochwertigen Holzbrettern fehlt die Bezeichnung für Reihen und Linien), immer wird das Brett so gedreht, dass das Feld vorne rechts weiß ist.



Jedes Feld des Schachbretts ist durch die Kombination eines Buchstabens (a-h) und einer Ziffer (1-8) klar definiert. Das Prinzip ist vertraut, es sind die Koordinaten, wie sie auch als x- und y-Koordinaten in der Mathematik verwendet werden. Für die waagerechten Reihen gelten die Zahlen, für die senkrechten Linien die Buchstaben. Der Teil des Brettes, wo sich in der Grundstellung die Könige befinden, wird Königsflügel, analog der andere Teil, dort wo sich zu Beginn die Damen aufhalten, wird Damenflügel genannt. Wegen der besonderen Bedeutung der mittigen Felder e4, d4, e5 und d5, wird diese Vierergruppe als Zentrum bezeichnet.

Das Material


Bei Spielbeginn besitzt jede Seite jeweils acht Bauern und acht Figuren. Zusammen werden sie als Steine bezeichnet, das ist nicht immer geläufig.

In der Grundstellung stehen die Bauern vor den Figuren. Manchmal erweist es sich als nützlich (darauf kommen wir später noch zurück), einen Zusammenhang herzustellen, also wird der Bauer vor dem König als Königsbauer, der vor der Dame als Damenbauer usw. gekennzeichnet. Den Turmbauern, der sich auf der a- oder der h-Linie, also am Brettrand befindet, nennt man auch Randbauer.

Die Züge


Gemäß den in der Tradition verwurzelten Regeln beginnt stets Weiß die Partie (Weiß wird daher auch gerne als Anziehender bezeichnet). Schwarz (der Nachziehende) antwortet mit seinem ersten Zug, es folgt der zweite Zug von Weiß, dann von Schwarz usw. Die Information Zugnummer + Anfangsbuchstabe der Figur (K für König, D für Dame, L für Läufer, S für Springer und T für Turm; das "B" für die Bauern wird meist weggelassen) + Felderkoordinate (dabei beschränkt man sich meist auf das Zielfeld) macht es möglich, Partien aufzuzeichnen und nachzuspielen.

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Weiß hat seinen ersten Zug gemacht, er hat den e-Bauern (auch Königsbauer genannt) zwei Felder nach vorn gesetzt: 1. e2-e4, oder kurz: 1. e4.

Gerade wurde die Partie eröffnet und Weiß stellte seinen Bauern von e2 zwei Felder vor (Doppelschritt), also nach e4. Es war der erste Zug, also gehört die Ordnungszahl "1." dazu. Den Doppelschritt des Bauern könnte man als "1. e2-e4" oder 1. e2e4" kennzeichnen, und gelegentlich wird auch so geschrieben, z. B. in einigen Schachecken in Tageszeitungen. In der Praxis hat sich jedoch weltweit die platzsparende, kurze Form eingebürgert, also 1. e4. Allein wenn zwei gleiche Steine auf dasselbe Feld ziehen können, gibt man auch das Ausgangsfeld an. Das Schlagen eines Steins wird mit einem "x" gekennzeichnet, für das Schachgebot wird ein "+"-Zeichen und für das Schlagen "im Vorbeigehen" (französisch: en passant) das Kürzel "e. p." verwendet. Mit diesen kombinierten Angaben (Zugzahl, Figurenkürzel, Zielfeld und ggf. Schlagen), der sogenannten Notation, kann man jeden Schachzug zu jedem Zeitpunkt der Partie unmissverständlich kennzeichnen und damit den Verlauf einer Schachpartie zu jedem Zeitpunkt exakt darstellen. Darauf basiert der ganze Informationsfluss in der Schachwelt.

 


Hinterfragt: Notation


Die Geschichte der Notation im Schachspiel ist lang. Unterschiedlich sind natürlich die Formen. Im Mittelalter z. B. und noch lange danach war die beschreibende Notation gebräuchlich. Ein Beispiel dafür wäre "der Damenspringer zieht auf das Feld vor dem Damenläuferbauern". Für das Dokumentieren langer Partien ist diese Methode denkbar umständlich. Eine Kurzform hielt sich dennoch im englischen Sprachraum bis ins 20. Jahrhundert und findet dort z. T. noch heute Verwendung. Allgemein Verwendung findet inzwischen das algebraische System, das der syrische Schachmeister Philipp Stamma im 18. Jahrhundert erfand. 1981 erklärte es der Weltschachbund (FIDE) zum verbindlichen System. Da sich die algebraische Notation als die benutzerfreundlichste und auch kürzeste (Platzersparnis beim Druck!) erwiesen hat, ist sie weltweit mit Abstand am meisten verbreitet.

 


Schachschule 64 als PDF

Teil 1 der Schachschule 64 ist in Ausgabe Schach-Magazin 64, Juni 2010, erschienen und kann hier als PDF-Datei heruntergeladen werden. Die Printausgabe unterscheidet sich etwas von der Online-Version, bei der das eine oder andere Diagramm und hin und wieder weiterer erklärende Text die jeweilige Folge ergänzen.

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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