Schach Magazin
Ausgabe 1 mit diesen zentralen Themen ::

Bukarest: Senioren-WM




Foto: Hartmut Metz

Die WM-Preisträger (v. l.) Anatoly Vaisser (Frankreich, Platz 2), der Sieger Rafael Waganjan (Armenien) und Bronze für Juri Balaschow (Russland). Einst spielten sie alle für die Sowjetunion …



Ivan Morovic Fernandez brüllte wie am Spieß. Mit den Fäusten hämmerte der Chilene immer wieder "wie ein Verrückter" gegen die Badtür und die Kacheln. Die Knöchel waren blutunterlaufen. Auch die Schreie durch den kleinen, offenen Schlitz unten an der Badtür verhallten ungehört. "Ich glaubte schon, ich komme nie mehr heraus und verpasse meinen Flug zwei Tage später heim nach Santiago de Chile", berichtete der Großmeister von seinen zunehmend wirreren Gedanken. "Eigentlich schließe ich die Badtür nie ab. Diesmal ergab es sich automatisch - und ich hatte die Klinke in der Hand!", erzählt Morovic von seinem Missgeschick zwei Stunden vor der zehnten Runde bei der Senioren-WM in Bukarest. 60 Minuten lang malträtierte der ehemalige Sekundant von Anatoli Karpow vergeblich seine Stimmbänder und Knöchel. Er drang an kein menschliches Ohr. Gegen 14 Uhr wurde im Flur endlich ein anderer Südamerikaner auf den Lärm aufmerksam. Cassio Sopko hörte die verzweifelten Laute, "ich sah aber niemanden", erzählt der Brasilianer nach der Siegerehrung. Trotzdem verständigte er das Sicherheitspersonal des Hotels - und das machte den Gefangenen ausfindig und befreite ihn aus seiner unfreiwilligen Haft.

[…]

Nach der eintägigen Halbzeit-Pause wurde es draußen kühler - und das Niveau stieg beträchtlich! Plumpe Einsteller verschwanden von der Tagesordnung der Großmeister. So schien bis zur achten Runde Nevednichy auf dem Weg zum Titel. In den ersten sieben Begegnungen konnte ihm nur der ehemalige Top-Ten-Spieler Kiril Georgiev ein Remis abluchsen. Der Lokalmatador sah sich nach einem Qualitätsopfer von Vadim Shishkin auf der Siegerstraße. "Ich hatte die bessere Stellung und Zeit - aber spielte zu voreilig", tadelte sich Nevednichy am Ende der WM selbst, "mit einem Sieg wäre ich durch gewesen." Mit zwei sehenswerten taktischen Schlägen sicherte sich so der Ukrainer den vollen Punkt.

Sizilianisch B 31
V. Nevednichy (ROU, 2518)
V. Shishkin (UKR, 2428)


1. e4 c5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 g6 4. 0-0 Lg7 5. Te1 Sf6 6. Sc3 0-0 7. d3 d6 8. h3 e5 9. a3 Sd4 10. Lc4 b6 11. Sxd4 cxd4 12. Sd5 Lb7 13. Lg5 Tc8 14. c3 Lxd5 15. Lxd5 dxc3 16. bxc3 h6 17. Lxf6 Lxf6 18. c4 Kg7 19. a4 Dc7 20. g3 Dd7 21. Kg2 h5 22. h4 Ld8 23. Ta2 Tc5 24. Tf1 Lf6 25. f4 exf4 26. d4 Txd5 27. cxd5 fxg3 28. Kxg3 Tc8 29. Ta3



29. …Lxh4+! 30. Kxh4 Tc1! 31. Dxc1 Idee 31. …Dg4 matt. 31. Txf7+ Kxf7 32. Df3+ Kg7 33. Kg3 De7 34. Kh3 Tg1 35. e5 Tg4 36. Df2 dxe5 37. Td3 Tf4 38. De1 e4 39. Tg3 Dh4+ 40. Kg2 Tg4 – 0:1

Weiter geht es im Januarheft.

 
 
Auszug aus
"Senioren-WM: Schreienden Morovic rechtzeitig aus Bad befreit | Schischkin will in 15 Jahren wieder Senioren-Weltmeister werden"
erschienen in


SCHACH MAGAZIN 64, Januar 2020

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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