Schach Magazin
Ausgabe 11 mit diesen zentralen Themen ::

Moskau: Eine Vizeweltmeisterin meldet sich zurück




Foto: fide.com / David Llada

FIDE-Präsident Arkadij Dworkowitsch überreicht der Siegerin Humpy Koneru die Goldmedaille.





Lange Zeit galt sie als künftige Weltmeisterin. Im Jugendbereich gewann Humpy Koneru (Jahrgang 1987) die WM-Titel rei-henweise: 1997 in der Altersklasse U10, 1998 bei den U12 Mädchen, 2000 in der U14-Klasse und 2001 in der "Königsklasse" U20. Und 2002 brach sie einen Weltrekord: Sie wurde im Alter von 15 Jahren, einem Monat und 27 Tagen die jüngste Frau, die den Großmeistertitel erreichte. Die bisherige Rekordhalterin Judit Polgar war drei Monate älter, als sie den GM-Titel unter Dach und Fach brachte. In den nächsten Jahren überholte Koneru in der Weltrangliste der Frauen nach und nach alle Spitzenspiele-rinnen der Welt. Bis auf eine: Die sieben Jahre jüngere Chinesin Hou Yifan zog an Koneru vorbei und gewann 2008 und 2011 beide Titelkämpfe.

Es schien, als habe sich Koneru mit der Rolle der Vizekönigin abgefunden und ihren Lebensentwurf geändert. Sie spielte weniger als zuvor, heiratete und bekam 2014 ein Kind. Manche Beobachter erinnerten sich an die Chinesin Xi Jun: die Weltmeisterin der Jahre 1991-1996 und 1999-2001 bemühte sich nach dem Titelverlust an ihre Landsfrau Zhu Chen nicht (oder nicht ausreichend) um ein Comeback. Sie studierte und promovierte in Psychologie, heiratete ihren früheren Trainer Wu Shaobin und gründete eine Familie. Sie blieb als Leiterin einer Trainingseinrichtung dem Schach teilweise verbunden, aber am 9. 8. 2007 spielte sie ihre letzte öffentlich ausgetragene Partie.

[…]

Koneru blieb ungeschlagen und verbuchte bei sechs Remisen fünf Siege. Sie spielte wie schon früher sowohl positionell gesund als auch druckvoll; vielleicht kam noch eine Portion Paprika (oder Curry?) dazu.

Damengambit D 38
H. Koneru - A. Kaschlinskaja
3. Runde


1. d4 Sf6 2. c4 e6 3. Sf3 d5 4. Sc3 Lb4 5. Lg5 h6 6. Lxf6 Dxf6 7. e3 0-0 8. Tc1 dxc4 9. Lxc4 c5 10. 0-0 cxd4 11. Se4 De7 12. exd4 Td8 13. Dc2 Ld7 14. a3 La5 15. b4 Lb6 16. Tfe1 Lc6 17. Tcd1



Der weiße Entwicklungsvorsprung ermöglicht taktische Lösungen, wie z. B. 17. …Sd7 18. d5 exd5 19. Seg5, drohend Txe7 und Dh7 matt, weswegen 19. …Dxe1+ 20. Txe1 hxg5 21. Sxg5 Sf6 erzwungen ist; Schwarz hat dann aber nicht genug für die Dame. In Betracht kam 17. …Lxe4 18. Txe4 Sc6 19. d5 Dd6 20. Tee1 exd5 21. Txd5 Dc7, wo der weiße Vorteil, wenngleich unbe-stritten, nicht so groß ist wie der nach der Partiefortsetzung 17. …Dc7? Koneru entkorkte 18. Seg5! mit Gewinnstellung nach z. B. 18. …hxg5 19. Sxg5 mit vernichtendem Angriff nach
–> a) 19. …Sa6 (oder anderer neutraler Zug) 20. Dh7+ Kf8 21. Txe6 fxe6 22. Dh8+ Ke7 23. Dxg7+ Kd6 24. De5+ Ke7 25. Dxe6+ Kf8 26. Dg8+ Ke7 27. Df7+ Kd6 28. De6 matt.
–> b) 19. …g6 verhindert zwar Dh7, aber Weiß siegt mit 20. Sxf7 Kg7 (20. …Dxf7 21. Lxe6) 21. Sxd8 Dxd8 22. Txe6 Le8 23. De2 Lf7 24. De5+ Kh7 (24. …Kg8 25. Txg6+) 25. Td3! Lxe6 26. Dxe6 nebst Th3.

Die Partie endete so: 18. …Lxf3 19. Dh7+ Kf8 20. Txe6 mit Mattangriff wie bereits skizziert – 1:0

Weiter geht es im Novemberheft.

 
 
Auszug aus
"Eine Vizeweltmeisterin meldet sich zurück | Die Inderin Humpy Koneru siegt überlegen bei der Grand Prix Ouvertüre"
erschienen in


SCHACH MAGAZIN 64, November 2019

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Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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