Schach Magazin
Ausgabe 7 mit diesen zentralen Themen ::

Bremen: Schach macht schlau




Foto: Servet Mutlu

Am 20. Juni fand auf dem Bremer Marktplatz der große Jahresabschluss des Projekts "Schach macht schlau!" statt. Knapp 1 000 Kinder spielten an diesem Tag miteinander Schach und präsentierten so der Öffentlichkeit und den Medien das einzigartige und bundesweit größte Projekt dieser Art live.



Mit Beginn des Schuljahres 2018/19 wurde von dem Verein "Das erste Buch e. V. " in 73 Schulklassen an zahlreichen Grundschulen im Land Bremen das Projekt "Schach macht schlau!" gestartet, bei dem eine Stunde pro Woche Schach ganz verbindlich als Lerntool im Unterricht eingesetzt werden sollte. Das Ziel des Projekts lag in der Stärkung der Bildungschancen aller Kinder und in der Verbesserung schulischer Leistungen durch das Schachspiel. Und es hat funktioniert: Nach einem Jahr ist die Resonanz durchweg positiv, sowohl Schüler als auch Lehrer und Eltern sind von der Idee begeistert und überzeugt. Kein Wunder also, dass "Schach macht schlau!" auf jeden Fall in eine neue Runde gehen soll - die nächsten Schulklassen im kommenden Schuljahr stehen schon in den Startlöchern.

Zunächst fand jedoch am 20. Juni auf dem Bremer Marktplatz der große Jahresabschluss des Projekts "Schach macht schlau!" statt. Knapp 1 000 Kinder spielten an diesem Tag miteinander Schach und präsentierten so der Öffentlichkeit und den Medien das einzigartige und bundesweit größte Projekt dieser Art live. Der Vizepräsident des Deutschen Schachbundes Boris Bruhn (Hamburg) war vor Ort und schilderte auf schachbund.de die umfangreiche Vorarbeit wie folgt: "Für eine Freiluftaktion wie diese ist einige Vorarbeit notwendig gewesen. Man brauchte Glück mit dem Wetter (Petrus hatte ein Einsehen!) und eine Event-Agentur für den Aufbau von Tischen und Technik. Die Straßenbahn 3 fährt direkt über den Marktplatz, dafür gab es ebenfalls eine Lösung: 15 Azubis des Sponsors BLG Logistik sicherten jede Durchfahrt ab; auch das DRK war vor Ort für den Notfall. Acht Mitarbeiter der Firma ChessBase losten alle Paarungen aus und informierten jede Schule, welches Kind an welchem der 500 Bretter spielen wird. Der Landesschachbund Bremen um den 1. Vorsitzenden Dr. Oliver Höpfner brachte knapp doppelt so viele Helfer auf und der Vorsitzende der DSJ Malte Ibs stand um 8 Uhr parat. Alle zusammen bauten zwischen 8 Uhr und 9 Uhr die 500 Bretter auf. Vielen Dank an alle, die das möglich gemacht haben!"



Die Kinder zeigten sich von der Atmosphäre begeistert und ließen sich von dem Moderator immer wieder animieren. Wenn aus Tausend Kinderkehlen auf einmal gemeinsam "Schach macht schlau" kommt, dann hört man das kilometerweit. Ganz bestimmt auch im Weserstadion, der Heimat des Sportvereins Werder Bremen, dessen Aufsichtsratsvorsitzender mit der geschilderten Aktion nicht wenig gemeinsam hat. Der ehemalige Fußballprofi und seit seiner Jugend begeisterte Schachamateur wird nicht müde, Kontakte zu knüpfen und Mitstreiter zu finden, um sein Lieblingsprojekt zu fördern. Dabei aber, so betonte er schon einmal im Interview mit unserer Zeitschrift, hat er dabei Schach als Leistungsdenksport eher nicht im Fokus. Wie er wiederholt zuvor und zuletzt im Interview mit Bremen Eins sagte, sieht er Schachunterricht in den Schulen unter einem anderen Aspekt als nützlichan: "Das Spiel ist motivierend für Kinder, die haben Spaß daran. Und an allen Dingen, an denen wir Spaß haben, lernen wir auch leichter und besser. Darüber hinaus kann man sicher einfach verstehen, dass Schach ein geometrisches Verständnis fördert, planerisch vorzugehen, vorausschauend und ein stückweit logisch zu denken. Auch aufmerksam zu sein, aufzupassen. Und all diese Fähigkeiten, sagen Studien, helfen uns auch dabei, Lesen zu lernen, Rechnen zu lernen und all die Dinge zu lernen, die in der Schule wichtig sind." Man kann es auch so sagen - Schach macht schlau …

"Vor allem leistungsschwächere Kinder sollen über das Königsspiel ihre sozialen Fähigkeiten schulen, die Konzentration verbessern und so ihre mathematischen Fähigkeiten verbessern. Das war die Hoffnung des Vereins "Das erste Buch", der das Projekt ins Leben rief. Und das steht schon jetzt fest: Diese Hoffnung hat sich erfüllt", schreibt der "Weser Kurier" vom 20. Juni.

"Auch im Hinblick auf Inklusion und Integration könne Schach an den Schulen hilfreich sein", meint der Deutsche Schachbund, der sich daher für die Aufnahme von Schach in die Lehrpläne möglichst vieler Kindergärten und Schulen einsetzt. "Schach macht schlau" ist dabei ein Paradebeispiel für eine gelungene Zusammenarbeit zwischen Ideengebern, Sponsoren und der öffentlichen Hand, unterstützt vom DSB, der DSJ und der Deutschen Schulschachstiftung e. V.



Nach den vielen wohlgemeinten Statements darf der Spaß nicht zu kurz kommen, es muss noch dringend geklärt werden, was es mit den vielen Nüssen und den allgegenwärtigen Bremer Stadtmusikanten auf sich hat. Der bereits erwähnte Augenzeuge und Beobachter Boris Bruhn erklärt es so: "Grundidee des Tages: Die Schülerinnen und Schüler der 43 Schulen wurden aufgeteilt in vier Teams: Esel, Hund, Katze und Hahn - die Bremer Stadtmusikanten. In ihren Partien gegen die anderen 3 Teams spielten sie um Punkte. Wer fertig war, sollte sich melden. Von einem der rund zwei Dutzend Schiedsrichter auf dem Platz wurde ein Ergebnis festgestellt. Die erzielten Punkte wurden gleich eingetauscht gegen zwei Walnüsse für einen Sieg oder eine Haselnuss bei einem Unentschieden. Die Nüsse wurden in Plastikzylinder eingeworfen, die auf einem Tisch vor der Bürgerschaft aufgestellt waren. Und welches Team nach den vier Runden die meisten Nüsse gesammelt hatte, war der Sieger des Tages." Auf dem beigefügten Bild jubelt das Team "Hahn" der Klasse 1c von der Grundschule Lessingstraße, die die Skulptur durch Losentscheid unter allen zum Team Hahn gehörenden Klassen für ein Jahr in ihrer Schule ausstellen dürfen.

Direkt im Anschluss gab es eine Info-Veranstaltung für neue Interessenten am Programm. "Es ist zwar die Abschlussveranstaltung für dieses Jahr, aber mit dem Projekt geht es weiter. Im Gegenteil: Wir wachsen im nächsten Schuljahr höchstwahrscheinlich noch weiter. Dann werden es hoffentlich über 100 Klassen sein, die sich daran beteiligen", blickt Marco Bode nach dem Veranstaltungsende zuversichtlich in die Zukunft. Der Marktplatz würde 2020 dann noch voller werden.



Weitere Infos zum Thema finden Sie im Internet unter www.schachmachtschlau.de

 
 
Auszug aus
"„Schlaues Bremen“ | Eine einmalige Freiluftveranstaltung in der Hansestadt"
erschienen in


SCHACH MAGAZIN 64, Juli 2019

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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