Schach Magazin
Ausgabe 9 mit diesen zentralen Themen ::

Riga: Die Rammstein-Variante




Foto: rtuopen.lv/Vitalijs Vinogradovs

Drei Großmeister auf den ersten drei Plätzen: Igor Kovalenko (M.) und – nach Wertung Zweiter – Sarunas Sulskis (r.), einen halben Punkt dahinter Arman Mikaeljan.



Turnierdirektor Egons Lavendelis war bestens gelaunt: „Wir hätten in diesem Jahr eigentlich noch gut 200 Teilnehmer mehr haben können,“ wusste er mit einigem Stolz zu berichten, „aber es gab keine freien Hotels mehr, wegen des Rammstein-Konzerts.“ Ja, die Kulturhauptstadt Europas von 2014 lockte Anfang August 2019 nicht nur Schachspieler an: Bereits im Flugzeug von München nach Riga hatten Fans der Band hörbar die Mehrheit, was sich u.a. darin ausdrückte, dass der Bordvorrat an Bier bei der Landung so gut wie erschöpft war. Viele Rammstein-Anhänger, die in Deutschland offenbar keine Karten mehr bekommen hatten, verbanden die „European Stadium Tour“ gleich mal mit einem mehrtägigen Städte-Trip – und um die Hälfte günstiger waren die Tickets offenbar auch noch.

[…]

Wenn man Gukesh nach seiner größten Stärke fragt, dann verweist der Junge auf seinen Trainer. „Der sagt, ich hätte einen besonderen Sinn für Strategie.“ So stand es am 24.April 2019 in einem Artikel im SPIEGEL online. Die beiden nachstehend aufgeführten Partien aus Riga bestätigen diese Einschätzung. Gegen den Letten Stepins spulte Gukesh seine positionell stark angelegte Partie abgeklärt zum siegreichen Ende. Auch den Russen Galchenko überspielte der Inder strategisch, in der Schlussphase jedoch war er in dem taktischen Zeitnotgemetzel nicht immer auf der Höhe und hätte durchaus verlieren können, doch setzte er sich schließlich doch durch. Ganz gemäß dem alten Bonmot: Man muss nicht bessere Züge, sondern weniger Fehler machen.

Königsindisch E 90
D.Gukesh (IND, 2528)
E.Stepins (LAT, 2320)


1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 d6 5.h3 0–0 6.Le3 Sbd7 7.Sf3 c5 8.d5 a6 9.a4 Se8 10.Le2 Da5 11.0-0 Gukesh kümmert sich nicht um den Punkt c3. 11.…Lxc3 gibt einfach nur den wertvollen Läufer her, ohne sich am Materialgewinn zu erfreuen, denn nach 12.bxc3 Dxc3 13.Lg5 knallt es entweder auf e7, oder aber Schwarz verliert die Dame: 13.…f6 14.Ld2 Db2 15.Tb1 Da2 16.Lc3 nebst Ta1. 11.…Se5 12.Sd2 f5 13.f4 Sf7 Jetzt aber, wo dem Weißen der vorher erwähnte Zug Lg5 nicht zur Verfügung steht, wäre …Lxc3 gut möglich, weswegen 14.Ta3 geschah. 14.…Sf6 15.exf5 gxf5 16.g4 e5 17.dxe6 Lxe6 18.g5 Se8 19.Sd5 Lxd5 20.cxd5 20.…Lxb2? kostet nach 21.Sc4 Db4 22.Tb3 den Läufer. 20.…Dd8 21.Ld3 Ein schlechtes Geschäft für Schwarz wäre der Bauernabtausch 21.…Lxb2 22.Tb3 Lg7 23.Lxf5 nebst Dh5. 21.…Sh8 22.Dc2 Dd7 23.Sf3 Sg6 24.Tb3 Es wird ungemütlich für Schwarz, es droht ja Tb6 nebst Db3. 24.…Tb8 25.Lxa6 Dxa4 26.Lb5 De4 27.Dxe4 fxe4 28.Sd2



Gukesh steht deutlich besser, aber nach 28.…Se7 29.Sxe4 Sf5 wäre Schwarz mit einem blauen Auge (sprich Bauernverlust) davongekommen. Der Zeitnotzug 28.…Sc7? kostet mehr: 29.f5! Sxb5 30.Txb5 Se7 Nach 30.…Se5 31.f6 Lh8 32.Sxe4 spielt Schwarz faktisch mit einer Figur weniger, der Läufer h8 kommt nicht ins Spiel. 31.f6 Sxd5 32.fxg7 Txf1+ 33.Sxf1 und wegen z.B. 33.…Kxg7 34.Lf2 Kg6 35.Se3 Sf4 36.Kh2 d5 37.Lg3! – 1:0

Weiter geht es im Septemberheft.

 
 
Auszug aus
"Die Rammstein-Variante | Das immer beliebter werdende Open Riga spürt erstmals Kapazitätsgrenzen"
erschienen in


SCHACH MAGAZIN 64, September 2019

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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