Schach Magazin
Ausgabe 3 mit diesen zentralen Themen ::

Gibraltar: Mit Vollgas in die 20er




Foto: Niki Riga

Tan Zhongyi, die im Mai 2018 ihren Weltmeisterinnentitel an ihre Landsfrau Ju Wenjun abtreten musste, erreichte sieben Punkte und holte den ersten Preis der Frauenwertung. Der 21-jährige Russe David Parawjan konnte sich aus der Gruppe der Spieler mit 7,5 Punkten im Stichkampf durchsetzen.

Die 18. Auflage des mittlerweile weltbekannten offenen Turniers in Gibraltar endete mit einer Überraschung. Weniger bei der Sonderwertung für Frauen, denn dort gehörte die Exweltmeisterin Tan Zhongyi ohnehin zum engeren Kreis der Favoritinnen, aber in der Gesamtwertung, denn dort setzte sich der 21-jährige Russe David Parawjan überraschend durch. Gewöhnlich gehören die Sieger des Open am südlichsten Zipfel Europas der erweiterten Weltklasse an, Parawjan steht jedoch derzeit nicht in der Top 100 der Weltrangliste. Doch dies wird nicht von Dauer sein, meinen Beobachter und auch so mancher seiner Wettbewerber.

Unter den sieben Punktgleichen auf Platz eins nimmt Parawjan nach Wertung (RP = Turnierleistung) den vierten Rang ein. Die besonderen Regeln dieses Turniers schreiben aber vor: es darf nur einen Sieger geben und die endgültigen Platzierungen sowie die Geldpreise werden bei Punkgleichheit in Stichkämpfen mit maximal vier Beteiligten ermittelt. Pech für den französischen Weltklassespieler Vachier-Lagrave, der mit einer RP von 2759 einen Punkt hinter Parawjan lag. Seinem Kommentar "im Sport entscheiden manchmal auch Hundertstel von Sekunden" ist nichts hinzuzufügen.

[…]

Im Finale hatte der Chinese Wang Hao mit 0,5:1,5 Punkten das Nachsehen. Damit gewann der junge Russe auch den ungeteilten ersten Preis in Höhe von 30 000 britischen Pfund und konnte sich in die Siegerliste dieses Turniers eintragen.

Spanisch C 65
Wang Hao - D. Parawjan
1. Stichkampfpartie


1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 Sf6 4. d3 Lc5 5. Lxc6 dxc6 6. 0-0 Sd7 7. c3 0-0 8. d4 Ld6 9. Lg5 f6 10. Lh4 c5 11. Lg3 De7 12. dxe5 fxe5 13. Sbd2 Sb6 14. De2 Lg4 15. h3 Lh5 16. Tfe1 Kh8 17. De3 h6 18. Sh4 Df6 19. Sf5 Lg6 20. Lh4 De6 21. g4 a5 22. Sf3 a4 Weiß hat am Königsflügel etwas Raumvorteil erlangt. Das war ihm aber nicht genug Vorteil, und so bot er noch ein Bauernopfer an, nach dem sich die Ereignisse aber nicht ganz so entwickelten, wie er sich das vorgestellt hatte. 23. Tad1 Dxa2 24. Sxh6 Txf3 25. Dxf3 gxh6 26. Df6+ Kh7 27. Txd6 Sonst hat Weiß gar nichts. 27. …cxd6 28. Dxd6 Mit der Idee 28. …Dxb2 29. De7+ Kg8 30. De6+ Lf7 31. Dxh6 Sd7 32. Dg5+ und Dauerschach. Aber Schwarz will mehr und wird damit Erfolg haben 28. …Ta6! 29. Dxe5 Sd7 30. Dc7 Df7



Ins Auge fällt nun 31. f4, um auf breiter Front mit den Bauern vorzurücken. Dieser Zug erscheint so selbstverständlich, dass man sich unwillkürlich fragt, warum ein starker Spieler wie Wang Hao den Zug nicht wählte. Schaut man hinter die Kulis-sen, sieht man die bemerkenswerte Variante 31. …Sb6! 32. Dxc5 (nicht 32. Dxf7+? Lxf7 33. e5 Sc4! 34. f5 Sxb2 35. e6 Le8 36. f6 Kg6 37. f7 Lxf7 38. exf7 Kxf7-+) 32. …Dxf4, und plötzlich erscheint die Bauernfront gar nicht mehr so erstrebenswert, handelt es sich doch eher um "ein Gebiss mit einer Zahnlücke auf f4". In der Partie folgte 31. Td1 Sf8 32. Dxf7+ Lxf7 33. f4 a3 34. bxa3 Txa3 35. Lf6 Ta4



Bei beidseitig korrektem Spiel hätte nun die Partie remis enden können: 36. Td8 Se6 37. Th8+ Kg6 38. Le5 Txe4 39. f5+ Kg5 40. fxe6 Lxe6 mit gleichstehendem Endspiel. Doch unter Zeitdruck geschah 36. Te1? Sd7 37. Le7 Tc4 und nachdem Weiß seine letzte Chance verpasst hatte (38. e5 Txc3 39. f5 Ld5 40. e6 Sb6 41. Te5), ging es mit ihm nur noch bergab. 38. Te3? b5 39. Kf2 b4 40. cxb4 cxb4 41. Kf3 Sc5 42. e5 Ld5+ 43. Kg3 b3 44. Te2 Tc2 45. Te1 b2 46. Lxc5 Txc5 47. Tb1 Tb5 0:1

Weiter geht es im Märzheft.

 
 
Auszug aus
"Ein Newcomer und eine Wiederholungstäterin | David Parawjan und Tan Zhongyi gewinnen die höchsten Preise im Masters"
erschienen in


SCHACH MAGAZIN 64, März 2020

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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