Schach Magazin
Ausgabe 4 mit diesen zentralen Themen ::

Berlin:Leistungsdichte nimmt zu


Das Meisterteam: (v.l.) Anna Gvanceladze, Maria Schöne, Tatjana Melamed, Irina Zakurdjaeva, Alexandra Obolentsewa, Jana Schneider, Julia Gromowa, Anastasia Sawina, Dina Belenkaja, Mannschaftsführer Maximilian Müller.

Foto: Harald Fietz




„Berührend und erhebend“ titelt die Main Post ihren Bericht vom 10.März: „Große Freude bei den Frauen des SC Bad Königshofen. Nach drei Siegen in den letzten drei Spielrunden in Berlin ist das Team neuer deutscher Meister.“

Nicht zum ersten Mal. Bereits in der Saison 2013-2014 gewann das Team aus der oberfränkischen Stadt die erste Schachbundesliga der Frauen, die zu den stärksten Ligen dieser Art weltweit zählt, jedenfalls wenn man die Vereinsteams in der oberen Tabellenhälfte betrachtet, wo die Sponsoren den „Grundstock“ (beste deutsche Spielerinnen) noch mit rund zwanzig ausländischen Topspielerinnen erheblich verstärkt haben. In einem Fall (SK Schwäbisch Hall) wurde an keinem einzigen Brett eine Deutsche aufgestellt. Dies ist mit dem Reglement vereinbar und wird nicht kritisiert, überrascht aber doch etwas. Die Mitbewerber setzten dagegen auf einen Mix aus in- und ausländischen Spielerinnen, wobei es bei Letztgenannten vor namhaften Spielerinnen nur so wimmelt: vier frühere Weltmeisterinnen und acht frühere Europameisterinnen kamen zum Einsatz, jedoch keine von ihnen für den späteren Sieger SC Bad Königshofen.

[…]

Bei der Siegerehrung erhielt Dina Belenkaja als Mitglied des Siegerteams eine Medaille und zusätzlich noch einen Pokal für die beste Punktsammlerin, denn sie verbuchte 8,5 Punkte aus 9 Partien. Den wichtigsten Punkt verbuchte Belenkaja gleich in der ersten Runde der Liga in dem wichtigen Match gegen den Titelverteidiger Baden-Baden.

Damengambit D 29
K.Kachiani-G. (Baden-Baden, 2321)
D.Belenkaja (Königshofen, 2329)


1.d4 d5 2.c4 dxc4 3.Sf3 Sf6 4.e3 e6 5.Lxc4 c5 6.0–0 a6 7.De2 b5 8.Lb3 Lb7 9.a4 Sbd7 10.axb5 axb5 11.Txa8 Dxa8 12.Sc3 b4 13.Sb5 Db8 14.e4 Lc6 15.Lc4 Sb6 16.d5 Ld7 17.b3 Sxc4 18.bxc4 Lxb5 19.cxb5 e5



Die langjährige Spitzenspielerin des Deutschen Schachbundes Ketino Kachiani-Gersinska hat aus der Eröffnung eine gute Stellung erreicht und hätte diese mit 20.Sd2! nebst Sc4 noch ausbauen können. Um den Bauern b5 muss sie sich keine Sorgen mache, nach 20.…Le7 21.Sc4 scheitert das sofortige …Dxb5 an Sd6+ mit Damengewinn.

a) Falls dann 21.…0-0, so 22.Sa5! wonach der Springer den wunderbaren Vorposten c6 erreicht.
b) Der Läuferzug 21.…Ld8 verhindert zwar Sa5, lässt dafür 22.Lb2 Sd7 23.f4 0–0 24.fxe5 Dxb5 25.e6 fxe6 26.dxe6 zu, was bereits eine Figur gewinnt, da der angegriffene Springer d7 nicht weichen darf: 26.…Sf6 27.e5 oder 26.…Sb8 27.Txf8+ Kxf8 28.Df3+ Lf6 29.Lxf6 Dxc4 30.Lh4+, gefolgt von einer Mattsetzung.

Falls sich Schwarz in der Diagrammstellung nach 20.Sd2 mit …Sd7 21.Sc4 Ld6 aufbaut, bleibt das Feld e5 unter Kontrolle, aber 22.Dg4 stört sehr, z.B. 22.…g6 23.Lh6.

Kurzum, nach 19 Zügen war an diesem Brett ein deutlicher weißer Vorteil erkennbar und ein Sieg der Anziehenden gut möglich. Doch die Partie verlief anders: 20.b6?! mit der Idee 20.…Dxb6 21.Sxe5 +–, aber 20.…Sd7 sichert das Feld e5 und nimmt den b-Bauern ins Visier. Möglich war 21.Da6 Dxb6 22.Dc8+ Dd8 23.Dc6 Db6 (23.…Df6 24.Td1) 24.Dc8+ Dd8 25.Dc6 mit Zugwiederholung. Der Partiezug 21.Db5?! war weniger gelungen. Nach 21.…Dxb6 war der schöne Bauer weg.



Notwendig war nun 22.Da4! Ld6 23.Sd2 nebst Sc4 und einiger Kompensation. Es geschah jedoch 22.Dxb6? Sxb6 23.Sxe5 Ld6 24.Sc6 Kd7 25.f4 Ta8 und es stellte sich heraus, dass die schwarzen Damenflügelbauern stärker sind als die weißen in der Brettmitte, die nicht ins Rollen kommen, auf 26.e5 geschieht 26.…Sxd5! 27.Sxb4 (27.exd6 Kxc6 –+) 27.…cxb4 28.exd6 Ta2 nebst …b3-b2. Weiß kämpft für eine verlorene Sache. 26.Se5+ Lxe5 27.fxe5 Ke8 28.Le3 Ta5 29.e6 fxe6 30.dxe6 Sc4 31.Lg5 h6 32.Lh4 g5 33.Lf2 b3 34.Le1 Ta1 – 0:1

Weiter geht’s in der Aprilausgabe 2019.

 
Auszug aus
"Leistungsdichte nimmt zu | Zentrale Veranstaltung in Berlin mit facettenreichem Programm | Spannendes Finale in der Frauenbundesliga"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, April 2019

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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