Schach Magazin
Ausgabe 3 mit diesen zentralen Themen ::

Carlsen zurück auf der Erfolgswelle






Für den Küstenort Wijk aan Zee, zur Gemeinde Beverwijk rund 20 Kilometer westlich von Amsterdam gehörend, dürfte das Tata Steel Festival zumindest der Höhepunkt des kälteren Halbjahres sein, für den sich das „Dorf“ regelrecht herausputzt: Auffällig für ein Turnier dieser Größenordung (inklusive Masters, Challenger, Amateur, Weekend und Spezialkonkurrenzen kamen zwischen 11. und 27.Januar heuer rund 2 000 Spieler zusammen) ist der relativ niedrige Anteil ausländischer Teilnehmer – Wijk aan Zee ist quasi das Hochamt des niederländischen Schachgeschehens, ein Familientreffen, zu dem man als Holländer eben hin „muss“ wie zur Kaffeetafel bei Omas „Achtzigstem“. (Aus "Beobachtungen aus Amateursicht beim 81. Tata Steel Festival Wijk aan Zee", von Thomas Lochte, SM64, 03/19, S.14)

Foto: Cathy Rogers





Im Januar gewann Magnus Carlsen die 81. Ausgabe des Traditionsturniers in Wijk aan Zee. Mittlerweile ist es schon eine Tradition, und auch dieses Jahr feierten die Einheimischen den Weltmeister nach seinem Sieg auf dem Marktplatz der Stadt, und das war der Höhepunkt eines Straßenfestes mit Erbsensuppe, Poffertjes und viel Musik.

Der Bürgermeister überreichte Carlsen und Wladislaw Kowalew, dem Sieger des Challengers Turniers, die Medaillen und die Weiße Dame brachte ihnen ein Ständchen, wobei sie ein Kleid trug, das die meisten Kinder in den Niederlanden kennen, denn dieses Kleid trägt sie auch in dem beliebten Film "Lang lebe die Königin", in dem Schach ein zentrales Motiv ist.

Wenn man den verlegenen Gesichtsausdruck des Weltmeisters sah, dann konnte man glauben, sein schwerster Moment in Wijk aan Zee sei der gewesen, als die Weiße Dame ‚You Make Me Feel Like a Natural Woman' für den 28-Jährigen sang und ihr Lied mit einem Kuss auf die Wange des Weltmeisters beendete.

[…]

Bei der abschließenden Pressekonferenz benannte Carlsen einige Partien, die er als seine besten in diesem Turnier ansieht. Eine davon (Carlsen-Mamedyarov) kennen Sie bereits, sie wurde in der letzten Ausgabe auf Seite 7 vorgestellt und besprochen. Eine andere, Carlsen gegen Anand, wurde in der zehnten Runde gespielt, als Anand, Carlsen und Nepomniachtchi noch punktgleich vorn lagen. Danach gab es bis zum Schluss nur noch den einen Leader.



M. Carlsen - V. Anand
10. Runde
Schwarz am Zug


Endspiele dieser Art sind in der Regel remis, weil der Verteidiger oft zwei Bauernpaare abtauscht und dann mit einem Figurenopfer den restlichen Bauern liquidiert. In diesem Sinne war hier 62. …b5! angebracht, z. B. 63. a5 Kc7! (droht …Sc6) 64. Ke4 Sc6 65. Kd5 c4 66. bxc4 bxc4 67. Kxc4 Sxa5+. Doch Anand spielte 62. …Kc7?! und Carlsen, der eigener Aussage zufolge bis dahin nicht ernsthaft an einen möglichen Sieg gedacht hatte, witterte Morgenluft und nutzte seine Chancen: 63. Ke4 Sc6 64. Se3 Kd6 65. Sc4+ Kc7 66. c3 Se7 67. Ke5 Sg6+ 68. Kf5 Se7+ 69. Ke6 Sg6 70. a5!



Im Sinne des einleitenden Kommentars war hier ein Abtausch richtig: 70. …bxa5!, z. B. 71. Kd5 Sf4+ 72. Kxc5 Se2 73. Sd6 (Judit Polgars Vorschlag 73. Sa3 führt nach 73. …Sc1! zu einer ähnlichen Stellung.) 73. …Sc1! (Ja nicht 73. …Sxc3?? 74. Sb5+ mit Übergang in ein gewonnenes Bauernendspiel.) 74. Sb5+ Kb7 75. Sd4 Ka6 mit Remischancen. Es geschah jedoch 70. …b5? Der entscheidende Fehler. 71. Se3! Sf4+ 72. Ke5 Se2 73. Sd5+ Nun offenbart sich, warum 70.…b5? falsch war - Weiß erhielt einen schnellen Freibauern: 73. …Kd7 74. a6 Kc6 75. Ke6 Sc1 76. Ke7! Sxb3 (76. …Kxd5 77. a7 +-) 77. Kd8! Der weiße König dringt nach c8 ein, dann entscheidet a6-a7. 73. …Kc6 74. b4! Weiß gewinnt nun nach 74. …cxb4 75. cxb4 Kd7 (75. …Sc1 76. Se7+ nebst Kd5 oder Kd4) 76. Sf4 Sc3 77. Kd4 Sa4 78. Kd5 Kc7 79. Se6+ Kb8 (79. …Kb7 80. Sc5+ mit Gewinn) 80. Kc6. Anand versuchte noch 74. …Sxc3!? 75. Sxc3 cxb4 doch nach 76. Se2! wurde klar, dass Schwarz den letzten weißen Bauern nicht beseitigen kann: 76. …Kb7 77. Sd4 Ka6 78. Sb3. Deshalb 1:0

Weiter geht es im Märzheft.

Auszug aus
"Carlsen zurück auf der Erfolgswelle | Vierter Tata Steel-Titel in fünf Jahren"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, März 2019

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Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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