Schach Magazin
Ausgabe 2 mit diesen zentralen Themen ::

Weltmeisterschaften der Schnelldenker






Als Austragungsort diente einer der St. Petersburger Prachtbauten aus der Zarenzeit, die Saint Petersburger Manege. Die ehemalige Reithalle der Zarengarde wurde Anfang des 19. Jahrhunderts von dem italienischen Meisterarchitekten Giacomo Quarenghi zu einer repräsentativen Ausstellungshalle umgebaut. Viel Platz wurde nicht nur für die Spieler und Zuschauer gebraucht, sondern auch für das umfangreiche Begleitprogramm mit unzähligen Blitz- und Rapidturnieren für Amateure, Ausstellungen, preisdotierte Quizveranstaltungen u. v. m. Dies alles wurde in der spielfreien Zeit gut genutzt, während die Runden der WM liefen, richteten sich alle Augen auf die herausragenden Protagonisten und ihre Partien.

Foto: Lennart Ootes



Ende 2017 fanden die Schachweltmeisterschaften im Blitz und Schnellschach (international Rapid genannt) in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad statt. Es gab großes Geld (Preisfonds insgesamt über zwei Millionen US-Dollar), kleine Freiheiten (die Spielerinnen mussten nicht die Kleiderregeln beachten) und viele Proteste, weil israelische Denksportler keine Visa bekamen und deshalb nicht teilnehmen konnten. Als Begründung wurden die fehlenden diplomatischen Beziehungen zwischen den Ländern angegeben. Doch laut Statuten des Weltschachbundes dürfen Weltmeisterschaften nur "von Verbänden ausgetragen werden, bei denen freier Zugang für Repräsentanten aller Verbände grundsätzlich sichergestellt ist." Da dies nicht erfüllt wurde, hätten Sanktionen bis hin zur Absage der WM folgen müssen, doch der Weltschachbund FIDE unter der damaligen Führung von Kirsan Iljumschinow konnte oder wollte sich zu dieser Reaktion nicht durchringen.

Ein Jahr später wurde Iljumschinow von Arkadi Dworkowitsch abgelöst. Der russische Politiker und Hauptorganisator der letzten Fußball-WM wurde dem ihm vorauseilenden Ruf gerecht. Als für die Ende 2018 wieder in Riad angesetzte Blitz- und Rapid-WM den qualifizierten Teilnehmern aus Israel erneut Visa verweigert wurden, reagierte die FIDE nicht wie früher "da kann man halt nichts machen", sondern mit "da müssen wir halt woanders spielen". Die WM wurde kurzfristig nach St.Petersburg verlegt, firmierte jedoch unverändert unter dem Label "The King Salman World Rapid and Blitz Championship", einer Referenz an den saudi-arabischen Herrscher. Geschickt war auch die Einladung an fünf saudi-arabische Amateure - die bei einer WM-Austragung in Riad einen Freiplatz gehabt hätten - in St. Petersburg mitzuspielen, wovon sie Gebrauch gemacht haben. Kurzum: Ziel erreicht, niemanden brüskiert, Politik ist die Kunst des Machbaren. Dworkowitsch hat die erste größere Herausforderung seiner noch jungen Amtszeit gut gemeistert.

[…]

Dubows beste Partie aus der Anfangsphase, sie wurde in der dritten Runde gespielt, belegt die Einschätzung seines Trainers GM Sergej Schipow. Dubow sei zwar mehrmals mit tollen Kombinationen aufgefallen, sein Spiel erinnere aber an das des früheren Weltmeisters Tigran Petrosjan, der ein brillanter Stratege und ein Endspielkünstler war. Wie Dubow den israelischen GM Evgeny Postny (Elo über 2600) "zusammengeschoben" hat, war einfach erste Sahne.

Damengambit D 15
D. Dubow (RUS)
E. Postny (ISR)


1. d4 d5 2. c4 c6 3. Sf3 Sf6 4. Sc3 a6 5. c5 Lf5 6. Db3 Ta7 7. Sh4 Lg6 8. e3 Sbd7 9. Le2 e5 10. Sxg6 hxg6 Das Thema der Partie ist vorgegeben: das weiße Läuferpaar soll (und wird) zur Geltung kommen. Also muss Weiß irgendwann einmal die Stellung öffnen, doch bis es soweit ist, vergeht einige Zeit. Vorerst gilt es eine prinzipielle Entscheidung zu fällen: wohin rochieren? Dubow entscheidet sich für die lange Rochade, denn nach der kurzen zielt der Turm h8 auf den Punkt h2. 11. Ld2 Le7 12. Dc2 exd4 13. exd4 Sf8 14. 0-0-0 Se6 15. Le3 b6 16. cxb6 Dxb6 17. h4 Tb7 18. g4 Ld6 19. Kb1 Da5 20. g5 Sd7 21. Lg4 Wie langfristig geplant, wurde der weißfeldrige Läufer aktiviert und die Stellung geöffnet. 21. …Sb6



Schwarz setzt natürlich auf die b-Linie und die Angriffsmöglichkeit …Sc4, die nicht auf die leichte Schulter genommen werden darf, denn nach …Sc4 droht nicht nur ein Einschlag auf b2, sondern auch …Sa3+. Was nun, den König nach a1 ziehen, um …Sc4 mit Lc1 zu beantworten, ein bekanntes Motiv in solchen Stellungen? Keine schlechte, aber nur die zweitbeste Lösung:

Weiter geht es im Februarheft.

Auszug aus
"Weltmeisterschaften der Schnelldenker | Dubow gewinnt den Rapid-Wettbewerb, Carlsen siegt im Blitz"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, Februar 2019

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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