Schach Magazin
Ausgabe 1 mit diesen zentralen Themen ::

Bled: Seniorenweltmeisterschaften




Foto: Hartmut Metz

Siegerehrung der Altersklasse 65+ (v. l.) Nukhim Raschkowski (Platz 3), Juri Balaschow (2) und Sieger Vlastimil Jansa. Im Damenturnier setzten sich Nona Gaprindaschwili (Platz 1), Valentina Kozlowskaja (2.) und Ludmila Tsifanskaja durch. Die Medaillen bei den Frauen Ü50 sicherten sich Elvira Behrend, Galina Strutinskaja und Tatjana Grabuzowa. Bei den Herren 50+ gewann Karen Movsziszian vor Georgi Bagaturov und Zurab Sturua.



Die Nationalhymne Luxemburgs hört man im internationalen Sportgeschehen nicht allzu oft, zumal wenn es um Siegerehrungen geht. Bei der feierlichen Siegerehrung der "World Senior Chess Championship" im slowenischen Bled kam man Dank der jeweiligen Sieger auch noch in den Genuss der Hymnen Armeniens, Tschechiens, Georgiens sowie der Gastgeber-Nation und der FIDE. So eine offizielle Veranstaltung des Weltschachbundes hat natürlich meist etwas Staatstragendes an sich, auch wenn sie organisatorisch von der European Chess Academy (ECA) unter Federführung des slowenischen Schachverbandes gestemmt wurde. Das FIDE-Präsidium wurde zur Abschlusszeremonie immerhin vom Vorstandsmitglied der Women's Chess Commission Anastasia Sorokina vertreten, doch die gesamte Arbeit vor Ort leisteten ECA-Mann und Großmeister Georg Mohr und sein perfekt funktionierendes Team.

Insgesamt 330 Teilnehmer hatten sich zu dieser 28. Auflage einer Senioren-Weltmeisterschaft eingefunden, aufgeteilt in die Kategorien 50+ Open (104 Starter), 50+ Frauen (24), 65+ Open (178) und 65+ Frauen (20). Dass das Feld der Über-65-Jährigen stärker bevölkert war als die "jüngere" Sektion, ist dabei kein Wunder, sind doch insbesondere die Herren dieser Altersgruppe beruflich meist "aus dem Gröbsten" raus und haben nun wirklich Zeit, ihrem Hobby an ausgesuchten Orten zu frönen - schachspielende Damen waren 2018 im Open-Klassement übrigens so gut wie nicht vertreten, sie agierten lieber "unter sich".

[…]

In der Sektion "50+" mischten auch bekannte Größen der deutschen Schachszene mit, allen voran GM Klaus Bischof vom FC Bayern München: Der mit einer Ratingzahl von 2507 an Nr. 3 gesetzte mehrfache Deutsche Meister (nicht bei den Senioren übrigens!) spielte das gesamte Turnier im Vorderfeld, verlor in seinem grundsoliden Stil keine einzige Partie (+5 =6 -0), remisierte aber vermutlich ein bisschen zu häufig, um "ganz oben" zu landen. Androhungen Ihres Berichterstatters, ihn im Falle des Titelgewinns interviewen zu wollen, wies Klaus ebenso vorsorglich wie entrüstet zurück - am Ende wurde es dann Platz 4 für ihn. Den WM-Titel bei den "jüngeren Älteren" sicherte sich wie gesagt der Armenier Karen Movsziszian, während sich in "65+" ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem tschechischen einstigen Weltklassespieler GM Vlastimil Jansa (2437) und dem Russen Juri Balaschow (2445) entwickelte: Nach den elf Runden hatte sich das Duo mit 9,5 Punkten deutlich vom übrigen Feld abgesetzt, was ihre besondere Klasse bei dieser WM unterstreicht. Im Damen-Turnier "65+" war mit der langjährigen Weltmeisterin (1962 - 1978) Nona Gaprindaschwili (Georgien) ein weiteres Kapitel Schachgeschichte verknüpft: Nona, inzwischen 77 Jahre alt, aber nach wie vor putzmunter (Elo 2301), ließ es erst einmal ruhig angehen, sorgte dann aber in den Partien gegen die Hauptrivalinnen dafür, dass es letztlich doch noch klappte mit dem WM-Titel - insbesondere die zeitweilig um 1,5 Punkte enteilte Russin Valentina Koslowskaja (2154) konnte sie in Runde 7 im direkten Aufeinandertreffen rechtzeitig stoppen.

[…]

Das "goldene Endspiel" 2018

Das Rennen um den Titel des Seniorenweltmeisters über 65 Jahren wurde in der nachfolgend aufgeführten Partie entscheiden. Die beiden Kontrahenten gehören in dieser Altersklasse zu den Renommiertesten. Anatoli Vaisser (Jahrgang 1949), ein naturalisierter Franzose mit Wurzeln in Kasachstan, war schon vier Mal Seniorenweltmeister. Sein Gegner, der Tscheche Vlastimil Jansa (geb. 1942), war bei diesen Weltmeisterschaften sage und schreibe sieben Mal Zweiter; daher kommt der Spitzname "tschechische Silbermine". Was sein großer Wunsch war, ist leicht zu erraten.

Damenbauerspiel D 02
A. Vaisser (FRA, 2504)
V. Jansa (CZE, 2437)


1. Sf3 g6 2. g3 Lg7 3. d4 d5 4. Lg2 Sf6 5. 0-0 0-0 6. b3 c5 7. e3 Sc6 8. Lb2 cxd4 9. exd4 Lf5 10. Se5 Tc8 11. Sa3 Da5 12. c4 Tfd8 13. Sxc6 Txc6 14. Te1 Te6 15. Txe6 Lxe6 16. De1 Dc7 17. c5 Dd7 18. Da5 a6 19. Sc2 Tc8 20. Se1 Lh3 21. f3 Lxg2 22. Kxg2 g5 23. Sd3 g4 24. Tf1 gxf3+ 25. Txf3 Se4 26. De1 Tc6 27. De3 Tf6 Ein Turmabtausch auf f6 führt zu einer Stellung mit verteilten Chancen. Vaissers nächster Zug 28. Se5? wird mit einer kleinen Kombination infrage gestellt. 28. …Txf3 29. Sxf3 Auch nach 29. Dxf3 Lxe5 30. dxe5 Sxc5 verliert Weiß ersatzlos einen Bauern. 29. …Sxc5 30. Df4 30. dxc5 Lxb2 30. …Se6 31. Db8+ Sf8 Schwarz besitzt einen gesunden Mehrbauern, doch bis zum Gewinn ist es noch ein weiter Weg. 32. Lc1 De6 33. Kf2 b5 34. Dc7 h6 35. La3 Sg6 36. h4 h5 37. Dd8+ Lf8 38. Lc1 Kg7 39. Da8 Dd6 40. a4 bxa4 41. bxa4 e6 42. Db7 Le7 43. Lg5 Lxg5?! 43. …a5! 44. hxg5?! Mehr Mühe hätte Schwarz nach 44. Sxg5 gehabt, z. B. 44. …Se7 45. a5, und nun wird 45. …f7 mit 46. Dc7! beantwortet. Schwarz muss 45. …Kf6 nebst …Dc6 spielen und in der Folge noch viel Geduld aufbringen. 44. …a5 45. Kg2 De7 46. Db6 Db4 47. Dxb4 axb4 48. a5 Se7 49. a6 Sc8 50. Kh3 b3 51. Sd2 b2 52. Kh4 Kg6 53. Sb1 Sa7 54. Sd2 Sc6 55. Sb1 Sa7 56. Sd2 Sb5



Beide Springer halten den jeweiligen gegnerischen Freibauern auf, eine Entscheidung ohne "königliche Hilfe" ist nicht möglich. Und wohin die Könige streben werden, ist unschwer zu erraten, auf die Felder c2 und f7 könnte man einen Zielkreis aufmalen.

Weiter geht es im Januarheft.

 
 
Auszug aus
"Seniorenweltmeisterschaften | Von See-Umrundungen und rituellem Pokalanfassen"
erschienen in


SCHACH MAGAZIN 64, Januar 2019

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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