Schach Magazin
Ausgabe 12 mit diesen zentralen Themen ::

Der Zweikampf des Jahres






Das Duell des Jahres. Dass es ein enges Match werden würde, war wohl erwartet worden. Aber mit zwölf Remis in Folge, und zwar keine sog. "Großmeisterremis", sondern fast bis zum letzten Bauern ausgekämpfte, wobei das Brett einige Male in Flammen stand, hat man nicht unbedingt gerechnet.

Foto: Cathy Rogers



Bevor es mit der Betrachtung der WM-Partien losgeht, lassen Sie uns erst einmal über das Umfeld des Matches berichten.

Gespielt wird der Weltmeisterschaftskampf in einem Theater, das sich im Gebäude von The College im Stadtteil Holborn befindet. Eintrittskarten gibt es ab 45 Pfund, aber VIP-Tickets, die dem Besucher Zugang zu ausgewählten Zuschauerbereichen und die Möglichkeit kostenlosen Alkoholkonsums geben, kosten mindestens 350 Pfund und bei entscheidenden Partien deutlich mehr.

Am Haupteingang stehen die Besucher mit Basistickets Schlange (manchmal für mehr als eine Stunde), bevor eine Stunde vor Partiebeginn Einlass ist.

Im Gebäude stehen Zuschauer (und Medienvertreter) noch einmal Schlange, um Armbänder zu bekommen, die einem Zu-tritt zu den meisten Räumen im Gebäude gewähren: Spielsaal, Buchladen, Kommentatorenraum, einem Café, einem Raum, wo man spielen kann und einem Ruhebereich.

[…]

Der Spielort ist zu klein, wenn die Veranstaltung ausverkauft ist, aber in einer Mitteilung an die Presse erklärte Agon-Chef Ilya Merenzon, dass er sich vor dem Match fünf mögliche Spielorte angeschaut hatte, von denen die größeren jedoch entweder weit außerhalb von London gelegen hätten oder zu teuer gewesen wären. Also entschied man sich trotz aller Nachteile für The College. Und dort begann am 9. November um 15 Uhr Ortszeit das lange erwartet Match.

Erste Partie

Sizilianisch B 31
Fabiano Caruana
Magnus Carlsen


1. e4 c5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 g6 4. Lxc6 dxc6 5. d3 Lg7 6. h3 Sf6 7. Sc3 Sd7 Carlsen und Caruana haben hier beide dieses Jahr schon die Standardfortsetzung 7. …0-0 gespielt - und Carlsen hat Caruana 2015 mit 7. …b6 geschlagen - aber man weiß auch, dass es vorteilhaft sein kann, mit der Rochade noch zu warten. 8. Le3 e5 9. 0-0 Dieser Zug gilt als nicht so flexibel wie 9. Dd2, und Carlsen nutzt das aus, indem er weiter offenlässt, ob sein König lang oder kurz rochieren will. 9. …b6 10. Sh2 Ein Standardplan, aber für diesen und den nächsten Zug verbrauchte Caruana insgesamt eine halbe Stunde Bedenkzeit. 10. …Sf8 11. f4 exf4 12. Txf4 Le6 13. Tf2



13. …h6! "Ich kannte diese Variante", meinte Caruana, "aber ich konnte mich nicht mehr genau erinnern, wie ich diese Stellung spielen sollte. Nach 13. …h6 habe ich versucht, irgendeine Idee zu finden, aber ohne Erfolg." 14. Dd2 g5 15. Taf1 Weiß bekommt eine Stellung, die gut aussieht, aber die ihm keine wirklich guten Möglichkeiten bietet. Hier oder im letzten Zug wäre 15. a4 nützlich gewesen, denn dann steht der schwarze König etwas weniger sicher, wenn er zum Damenflügel geht. 15. …Dd6 16. Sg4 "16. Sg4 war ein bisschen zu direkt", gestand Caruana. "Ich habe den Zug sofort bereut, nachdem ich ihn gespielt hatte." Der Springer leistet nichts auf f6, doch nach 16. Sf3 ist die Stellung immer noch ungefähr ausgeglichen. 16. …0-0-0 17. Sf6 Sd7! 18. Sh5 Le5 19. g4 Notwendig, um den Königsflügel geschlossen zu halten, aber Carlsen ignoriert das von Weiß kontrollierte Feld f5 einfach. 19. …f6! Eine seltsame Stellung, in der Weiß die weißen Felder nicht so sicher kontrolliert, wie es scheint. Schwarz stört es nicht, wenn der weiße Springer über g7 nach f5 geht, denn dann kann Schwarz die h-Linie später mit …h5 öffnen. 20. b3 Lf7 21. Sd1 Sf8!? Dieses Bauernopfer war nicht unbedingt notwendig, aber da Caruana sehr viel weniger Zeit auf der Uhr hatte, wollte Carlsen den Druck erhöhen, ohne große Risiken einzugehen.

Weiter geht es im Dezemberheft.

Auszug aus
"Der Zweikampf des Jahres | Carlsen und Caruana kämpfen um die Weltmeisterschaft"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, Dezember 2018

Schach-Magazin a a a
Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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