Schach Magazin
Ausgabe 6 mit diesen zentralen Themen ::

Karlsruhe: Ein Schachmärchen wird wahr




Foto: Cathy Rogers

Die beiden Frauen, die um den Titel kämpfen, sind die amtierende Weltmeisterin Tan Zhongyi und Herausforderin Ju Wenjun, beide 1991 geboren, und Rivalinnen, seit sie elf sind. Dazu meinte der langjährige Trainer der chinesischen National-mannschaft, Yu Shaoteng: "Die Spielerinnen sind mehr als Freundinnen, sie sind fast wie Schwestern. Sie sind im gleichen Jahr geboren und haben Jahre lang oft zusammen gespielt, in Jugendturnieren und in Mannschaftswettbewerben."



Bis zum Wettkampf Fischer gegen Spassky in Reykjavik 1972 fanden Weltmeisterschaftskämpfe im Schach nach dem Zweiten Weltkrieg international nur wenig Beachtung, denn in allen diesen Wettkämpfen traten stets zwei Spieler aus der Sowjetunion gegeneinander an. Frauenweltmeisterschaften waren sogar noch unauffälliger, anfangs, weil auch da Spielerinnen aus der UdSSR die Entscheidung unter sich ausmachten, ab 1988 dann, weil die beste Spielerin der Welt, Judit Polgar, nicht dabei war.

Der allgegenwärtige Zugang zum Internet hat hier für Bewegung gesorgt, denn Schachfans können jetzt wichtige Turniere in aller Welt live verfolgen - allerdings nur dann, wenn sie auch wissen, dass solche Wettbewerbe stattfinden.

Was Aufmerksamkeit betrifft, hatte der Wettkampf um die Frauenweltmeisterschaft 2018 zwischen Tan Zhongyi und Her-ausforderin Ju Wenjun in Shanghai und Chongqing gleich vierfach Pech. Die beiden Spielerinnen, die um den Titel kämpfen, kommen aus dem gleichen Land, und Hou Yifan, die beste Spielerin der Welt, hat es abgelehnt, weiter am Zyklus der Frauen-weltmeisterschaften teilzunehmen. Außerdem wird der Wettkampf in einer Zeitzone gespielt, die das Publikum in den USA und überwiegend auch in Europa fast ganz ausschließt, und dann hat der Weltschachverband FIDE - vorgeblich die für die Veranstaltung verantwortliche Organisation - den Wettkampf bis zu seinem Beginn ignoriert.

[…]

Werfen wir nun einen Blick auf die Partien:

Erste Matchpartie

Bei Weltmeisterschaften enden die Auftaktpartien überdurchschnittlich oft remis, ganz gleich ob Frauen oder Männer spielen, oder ob jüngere oder ältere Jahrgänge beteiligt sind. Geteilt wurde der Punkt auch in der ersten WM-Partie in Peking, aber nicht wegen übertriebener Vorsicht. Es war ein guter Kampf mit mehr Chancen für die Herausforderin, die Titelverteidigerin zeigte sich in der Verteidigung stark.

Damengambit D 20
Ju Wenjun - Tan Zhongyi
Shanghai (1), 3. 5. 2018


1. d4 d5 2. c4 dxc4 3. e4 c5!? Eine alte Variante, die in den 1980ern für kurze Zeit beliebt war und Ju völlig überraschte. 4. d5 e6 5. Lxc4 Sf6 6. Sc3 exd5 7. exd5 Ehrgeiziger, aber auch riskanter als 7. Sxd5 Sxd5 8. Lxd5 Le7. 7. …a6 8. a4 Ld6 9. Sf3 9. De2+ stellt Schwarz laut Theorie vor größere Probleme, denn das Endspiel nach 9. …De7 10. Dxe7+ Kxe7 11. Lg5 hat sich in der Praxis als schwierig für Schwarz erwiesen. 9. …0-0 10. 0-0 Lg4 11. h3 Lh5 12. Lg5 Te8 Schwarz hat völligen Ausgleich erzielt und Ju verbrauchte auf der Suche nach einem guten Plan jetzt viel Zeit. Am Ende entschied sie sich für eine taktische Abwicklung, nach der sie zumindest nicht schlechter steht. 13. Ld3!? Vor diesem Zug spielt man für gewöhnlich erst 13. g4 Lg6, aber in beiden Fällen scheint Schwarz gut zu stehen. 13. …Sbd7 Der erste neue Zug. 13. …Lg6 geschah in einer wenig bekannten, in Ungarn gespielten Partie, aber dann kann sich Weiß mit 14. Lxg6 hxg6 15. Db3 einen leichten Vorteil sichern. 14. Se4! Se5!



"Mit mehr Zeit auf der Uhr wollte ich scharf spielen", erklärte Tan, die 14. …Se5 als "stark und erzwungen" beschrieb. Ju war jedoch der Meinung, dass Schwarz mit 14. …Le5 einen kleinen, aber sicheren Vorteil hätte haben können und hielt 14. …Se5 für zweifelhaft.

Weiter geht’s in der Juniausgabe 2018.

 
Auszug aus
"Das Duell der „Schwestern“ | WM-Match in China"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, Juni 2018

Schach-Magazin a a a
Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

Designelement  :: Aktuelles Designelement
  Aktuelles Heft
Aktuelles Heft
Im Heft blättern
 

Designelement  :: Jahrgangsschuber Designelement
  Jahrgangsschuber
Aktuelles Heft
Der Preis pro Stück für 12 Ausgaben – inklusive Porto und Schutz-Verpackung beträgt € 14,90
Bestellungen bitte unter
Tel.: (0421) 36 90 325