Schach Magazin
Ausgabe 6 mit diesen zentralen Themen ::

Berlin: Hängepartie im Achterpack




Foto: Harald Fietz

Die geräumige Halle im Hotel Maritim hätte durchaus auch Platz für die Finalrunden der Frauen-Bundesliga geboten.


 
 
Mit der Berliner Schlussrunde wurde die Saison abgeschlossen, der Meister musste jedoch in einem 23 Tage später ausgetragenen Stichkampf ermittelt werden. Die OSG Baden-Baden bekam aufgrund der besseren Brettpunkte das Heimrecht zugesprochen und setzte sich gegen die SG Solingen mit 4,5:3,5 durch. Vor dem Match gedachten alle Anwesenden mit einer Schweigeminute an den vier Tage zuvor unerwartet im Alter von 73 Jahren verstorbenen langjährigen Teamchef der Solinger Mannschaft, Herbert Scheidt.

 
 

Endstand der ersten Bundesliga, Saison 2017-2018


Sie haben es probiert, aber es hat nicht geklappt. Die drei Schlussrunden der Schachbundesliga formierten sich am verlängerten Wochenende vor dem 1. Mai in Berlin zum zweiten Mal in der Hauptstadt als zentrale Endrunde, doch die Titelaspiranten aus Baden-Baden und Solingen brachten zu viel Qualität und Kampfgeist an die Bretter und kein Team erlaubte sich einen Ausrutscher. Nun wird ein Stichkampf am 24. Mai in Baden-Baden die Entscheidung bringen, denn anders als beim Abstieg wird zur Ermittlung des Meisters bei Gleichheit der Mannschaftspunkte nicht die Brettpunktwertung herangezogen.

Im Abstiegsstrudel steckten noch sechs Teams und am Ende erwischte es neben Norderstedt, das ohne Mannschaftssieg anreiste, auch Bayern München und Speyer-Schwegenheim. Die Rheinland-Pfälzer kamen auf dem letzten Nicht-Abstiegsplatz nach Berlin, kassierten aber am Ende drei Niederlagen. Wie schon oft in den letzten Jahren reichte Platz 13 doch zum Klassen-erhalt, denn SK Schwäbisch Hall gab unmittelbar nach Saisonende seinen Rücktritt aus der ersten und auch aus der zweiten Liga bekannt, da es vereinsinterne Zwistigkeiten um Finanzierung und Management eines Herren- und eines Frauenteams in der jeweiligen obersten Liga gab. Nutznießer ist die Münchner Mannschaft von MSA Zugzwang, die zwar in der Schlussrunde gegen den Tabellenletzten verlor, sich aber davor im Stadtderby durchsetzte und damit die Spieler des berühmten Fußballklubs nach unten schickte. Allen Teams war dieser Schwäbisch Haller Rückzug bereits vorher mitgeteilt worden,

[…]

Einer der besten Aachener Spieler, der junge GM Alexander Donchenko - der bei seinem früheren Verein Hansa Dortmund an Brett 1 der Bundesliga spielte - wurde auf Rang 17 gesetzt und spielte somit immer am letzten Brett. In diesem Fall hat sich die taktische Aufstellung bewährt: Donchenko verbuchte 5,5 Punkte aus 6 Partien!

Hier seine letzte Gewinnpartie in dieser Saison (gespielt in der Märzrunde). Donchenkos Gegner IM Dr. Arno Zude ist durchaus auch als Turnierspieler hervorgetreten, ist aber doch eher in einem anderen Fach eine Größe: im Problemschach wurde er 15 Mal Deutscher Meister und einmal (1994) sogar Weltmeister!

Réti-Eröffnung A 11
A. Donchenko (Aachen, 2559)
A. Zude (Hofheim, 2370)


1. Sf3 d5 2. g3 c6 3. Lg2 Lg4 4. c4 e6 5. h3 Lh5 6. 0-0 Sd7 7. cxd5 cxd5 8. Sc3 Sgf6 9. d3 Lc5 10. e4 Donchenkos früherer Kollege in der "Prinzengruppe" Dennis Wagner spielte in seiner Partie gegen Nakamura (Open Isle of Man 2017) genauso. Der US-Weltklassemann hatte keine Mühe ein vollwertiges Spiel zu erreichen: 10. …dxe4 11. dxe4 0-0 12. De2 Lxf3 13. Lxf3 Se5 14. Td1 Db6 15. Lg2 Ld4 16. Ld2 Tfd8. In der Bundesligapartie geschah 10. …Sb6 was nach 11. g4 Lg6 den Springerausfall 12. Se5 ermöglichte. Es folgte 12. …dxe4 13. dxe4 Sfd7 14. Sd3 Le7 15. f4 f6 16. Le3 0-0 Die weiße Stellung ist augenscheinlich angenehmer, aber der Vorteil dürfte eher mit positionellen Mitteln zu behaupten sein, etwa 17. De2 Sc4 18. Lf2 Tc8 19. Tfd1. Donchenko setzt auf eine taktische Lösung und hatte damit auch Erfolg, jedoch half der Gegner kräftig mit. 17. Db3 Lf7 18. e5



Nach dem notwendigen Zug 18. …fxe5 19. fxe5 Tc8 steht Weiß nur minimal besser und den Bauernraub 20. Lxb7 sollte sich der Anziehende verkneifen, darauf folgt 20. …Tb8 21. Lg2 Sd5. In der Partie versuchte Schwarz 18. …Sxe5? und übersah dabei offenbar 19. fxe5 Dxd3 20. Sd5! – 1:0

Schwarz verliert viel Material. Nach 20. …Dxb3 21. Sxe7+ Kh8 22. axb3 ist der Springer e7 nicht zu fangen, z. B. 22. …Tae8 23. exf6 gxf6 24. Txa7 Txe7 (24. …Sa8 25. Txb7) 25. Lxb6.

Weiter geht es im Juniheft.

 
 
Auszug aus
"Hängepartie im Achterpack | Bundesliga-Endrunde zelebriert Schachkunst, findet gute Unterstützer, aber kein Ende"
erschienen in


SCHACH MAGAZIN 64, Juni 2018

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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