Schach Magazin
Ausgabe 4 mit diesen zentralen Themen ::

Heiße Kämpfe im Kühlhaus






Die Arena, wo gespielt wird, befindet sich im ersten Stock des Kühlhauses, die vier Bretter sind durch Stellwände getrennt, so dass die Spieler aufstehen und umhergehen müssen, wenn sie die anderen Partien verfolgen wollen. Die Bretter sind gut beleuchtet, überall sonst ist es dunkel. Oberhalb des Partienbereichs können die Spieler die Zuschauer sehen, die sich im zweiten und dritten Stock aufhalten und sich über die Balustrade beugen, um die Partien zu verfolgen.

Foto: Lennart Ootes



Die Überschrift drängt sich wegen des Austragungsorts förmlich auf. Gekämpft wird beim Kandidatenturnier gefühlt noch leidenschaftlicher, als bei anderen Weltklasseturnieren mit sehr ähnlicher Zusammensetzung des Teilnehmerfelds. Dort reicht manchmal schon der zweite oder dritte Platz für die Wahrung des Renommees und einen sehr guten Geldpreis. Beim Kandidatenturnier zählt nur das eine Ziel, der Turniersieg und die damit verbundene Qualifikation für das Match gegen den Weltmeister. Insgeheim hegten wohl alle den gleichen Traum, aber nicht allen wurde seine Erfüllung zugetraut. Selbst die Renommiertesten unter den Tippern wollten sich nicht festlegen, auffällig oft war von "fünf bis sechs" möglichen Siegern des Berliner Kandidatenturniers die Rede. Und wenn schon konkrete Namen genannt wurden, dann waren es vor allem der von Aronian (wegen seiner 2017er Siegesserie) und von Kramnik (der schon mal Weltmeister war). Sie beide waren auch in die anerkanntermaßen schönste Partie des ersten Durchgangs involviert.

Italienisch C 65
L. Aronian - W. Kramnik
Berlin 2018 (3. Runde)


1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 Sf6 Die erste Berliner Verteidigung beim Kandidatenturnier in Berlin! 4. d3 Lc5 5. Lxc6 dxc6 6. 0-0 "Nach 6. 0-0 hatte ich bereits ein gutes Gefühl", verriet Kramnik, "denn wenn er danach nicht 7. h3 zieht, spiele ich einfach 7. …Lg4." Carlsen, der diese Variante schon oft gegen die besten Spieler der Welt auf dem Brett hatte, hat hier 6. h3, 6. Sbd2, 6. Sc3 und 6. De2 probiert - aber nie 6. 0-0. 6. …De7 7. h3 "Ich habe 7. h3 immer für eine sehr wichtige Fortsetzung gehalten und den Zug lange analysiert", erläuterte Kramnik. "Vor ein paar Jahren bin ich dann auf die nun folgende starke Möglichkeit gestoßen:" 7. …Tg8!!



"Ich hatte diesen Zug vorbereitet und nur auf den Moment gewartet, in dem ich ihn anwenden kann", verriet Kramnik. "Hier habe ich nach Möglichkeiten für Schwarz gesucht und vor allem 7. …h6 analysiert, mit der Idee 8. …g5 zu spielen, wonach die Stellung sehr, sehr scharf wird. Aber irgendwann habe ich begriffen, dass ich mit 7. …Tg8! ein Tempo sparen muss. Wenn man den Zug dann mit einem Computer analysiert, ist alles klar. Natürlich habe ich nie geglaubt, dass ich die Chance bekommen, diese Variante gegen Levon im Kandidatenturnier zu spielen - es gibt so viele Spieler, die regelmäßig 1. e4 und auch 4. d3 spielen. Levon hatte ziemliches Pech mit Weiß mit einer starken Neuerung konfrontiert zu werden - das ist mir auch schon ein paar Mal passiert." Tatsächlich kam 7. …Tg8 bereits in einigen Fernpartien vor und wurde sogar schon 2012 gespielt, aber wie es scheint, kannte Kramnik diese Partien nicht. 8. Kh1

Weiter geht es im Aprilheft.

Auszug aus
"Heiße Kämpfe im Kühlhaus | Partieauslese vom Kandidatenturnier"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, April 2018

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Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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