<00i> Schach-Magazin
Schach Magazin
Ausgabe 1 mit diesen zentralen Themen ::

Unvergessliches Stelldichein der älteren Semester




Foto: Otto Borik

Das Siegertrio der WM 65+ Jewgeni Sweschnikow, Anatoly Vaisser und Vlastimil Jansa.


Am 30. November endeten sage und schreibe fünf Weltmeisterschaften. Hinter dem "Großen Teich" fand das Match Carlsen-Karjakin statt, ein Duell junger Spitzenkönner. Die anderen vier WMs waren allesamt Turniere der älteren Generationen. Gespielt wurde - jeweils getrennt nach Geschlechtern - in den offenen Altersklassen 50+ und 65+. Als Austragungsorte dienten drei Hotels in dem beschaulichen westböhmischen Kurort Marienbad. Eine gute Wahl, denn Schachfreunde jenseits 50 oder gar 65 vermissen bei Schachturnieren Diskotheken und Nachtleben eher selten, dafür goutieren sie erholsame Spaziergänge in schöner Natur und gepflegte Gastronomie; an beiden mangelte es in Marienbad nicht.

[…]

Der Reihe nach, und zwar nicht nach Knigge (Damen zuerst) geordnet, sondern nach dem Umfang der Beteiligung.

WM 65+


Diese Altersklasse wird immer noch als die wahre Seniorenweltmeisterschaft angesehen. Hier finden sich die meisten bekannten Namen und auch zahlenmäßig war dieses Turnier von den insgesamt vieren WM am besten besetzt (265 Teilnehmer), was ein kleines Problem mit sich brachte. Diese Menge war für das schöne Hotel - ein auf einer Anhöhe gebautes, von einem Park umgebenes ehemaliges Rittergut - doch etwas zu groß, nicht jeder Teilnehmer konnte unter dem gleichen Dach nächtigen und spielen, die meisten aber doch.

Das Teilnehmerfeld setzte sich aus Schachfreunden aus 41 Ländern zusammen, darunter waren auch weitgereiste aus Australien, Brasilien, Kanada, Nigeria u. v. m. Nach den einheimischen Spielern (57) stellten Deutsche (44) das zweitgrößte nationale Kontingent, noch deutlich vor den Russen (23), dennoch wurden alle Ansprachen, Ansagen und Reden bei der Sie-gerehrung neben der Landessprache auch auf Englisch und auf Russisch gehalten. Es lag daran, dass neben den Russen noch Teilnehmer aus weiteren 13 Ländern der ehemaligen Sowjetunion am Start waren, wo Russisch die Amtssprache war.

[…]

Nur ein halbes Buchholzpünktchen trennte Vlastimil Jansa von dem Titelgewinn. Der Tscheche (Jahrgang 1942) ist um acht Jahre älter als die anderen Medaillengewinner, was in der Klasse 65+ einiges bedeutet. Doch sein "Pilsner Urquell Hügel" unter dem Pullover täuscht: der Diplomsportlehrer Jansa, der in seinen jungen Jahren Erstliga-Fußballspieler war, ist heute noch kon-ditionell besser dran als die meisten seiner jüngeren Mitbewerber. Betont kraftvoll ist auch sein Spiel:

Sizilianisch B 22
G. Braun (GER, 2242)
V. Jansa (CZE, 2418)


1. e4 c5 2. c3 Sf6 3. e5 Sd5 4. d4 cxd4 5. cxd4 e6 6. Sf3 b6 7. Ld3 Lb4+ 8. Ld2 Lxd2+ 9. Sbxd2 La6 10. Lxa6 Sxa6 11. 0-0 0-0 12. Tc1 Sab4 13. Db3 f6 14. Tfe1 De8 15. a3 Sc6 16. Dd3 Dh5 17. g3 g5 18. De4 f5 19. Dd3 Tf7 20. Kh1 Taf8 21. Sg1 Tg7 22. Se2 Tg6 23. Df3 g4 24. Dg2 Sce7 25. Sc3 f4 26. Sxd5 Sxd5 27. Se4 f3 28. Df1 Th6 29. Dg1 Dg6 30. Sd6 Th3 31. Te4 h5 32. Tf1 Kg7 33. Tc1 Th8 34. Td1 h4 35. Td2 Th7 36. Tc2 hxg3 37. fxg3 Th8 38. De1 Tf8 39. Tf2 Dg5 40. Tc2 Dh5 41. Df2



Weiß überdeckte zuverlässig das augenscheinlich anfällige Feld h2, doch die vorgerückten schwarzen Freibauern ermöglichen den Durchbruch 41. …Sf4!! mit Gewinn nach 42. gxf4 g3 und nach 42. Td2 (es drohte ja …Sd3 nebst …f2) 42.…Sg2! 43. Dg1 Th8, und das Feld h2 wird doch erstürmt. In der Partie geschah 42. Txf4 Txf4 43. Tc7 Txh2+ 44. Dxh2 f2 45. Txd7+ Kg6 46. Dxh5+ Kxh5 47. gxf4 f1D+ 0:1

Der Held des Turniers aus deutscher Sicht war Clemens Werner (Karlsruher SF), der genauso viele Punkte wie der Weltmeister erzielte, nach Wertung den fünften Platz einnahm. Dies ist eines der besten Ergebnisse, die ein deutscher Spieler je bei einer Senioren-WM erzielt hat.

Weiter geht es im Januarheft.

 
 
Auszug aus
"Unvergessliches Stelldichein der älteren Semestern | WM der Altersklassen 50+ und 65+ im tollen Rahmen und mit Rekordbeteiligung"
erschienen in


SCHACH MAGAZIN 64, Januar 2017

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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