Schach Magazin
Ausgabe 12 mit diesen zentralen Themen ::

Europapokal an historischem Ort




Foto: Lennart Ootes

Was mag da wohl stehen? Chinesisch ist es nicht, da waren sich Ding Liren und Yu Yangyi (2.u.3.v.l.) ganz sicher, die anderen Teamkollegen hatten mit den kyrillischen Buchstaben – auch spiegelverkehrt – keine Probleme: Juri Kryvoruchko, Dimitri Jakowenko, Dimitri Andrejkin, Pawel Eljanow, Filip Pancevski, Teamleiter Dragoljub Jacomovic (mit Pokal) und Trajko Nedev. Ganz links der Präsident der ECU, Zurab Asmaiparaschwili.


Die zweitgrößte Stadt Serbiens hat eine ereignisreiche Geschichte. An einen Wendepunkt wurde kürzlich erinnert: Vor fast genau 300 Jahren, am 5. August 1716 fand vor den Toren von Novi Sad eine Schlacht statt, in der das osmanische Heer vernichtend geschlagen wurde. Novi Sad entwickelte sich dann zu einem wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum der Serben.

[…]

Am Europacup darf aus jedem europäischen Staat ein Team teilnehmen. Länder, die eine nationale Mannschaftsmeisterschaft durchführen (das sind fast alle), dürfen zwei Mannschaften entsenden und mit drei Teams sind Länder dabei, in deren höchster Liga mindestens 20 Großmeister oder 20 Spieler mit einer Elozahl über 2600 (was u. a. in Deutschland der Fall ist) spielen. Hierzu kommen zahlreiche Freiplätze: der Titelverteidiger erhält einen, die ausrichtende Schachföderation ebenfalls, und jeweils ein weiterer Platz geht an diejenigen Föderationen, deren Teams beim letzten Europacup einen der ersten fünf Tabellenplätze belegen konnten.

Es wird an sechs Brettern gespielt (im Frauencup an vier), und das überwiegend mit hochklassigen Spielern. Im Gegensatz zur Schacholympiade etwa, die stets eine hohe Teilnehmerzahl aufweist, jedoch in großem Maße von spielschwächeren Schachfreunden aus verschiedenen kleinen Staaten oder aus Ländern ohne größere Schachtradition frequentiert wird, werden zum Europacup stets die stärksten Teams geschickt, und wenn im eigenen Land nicht genug Spitzenspieler zu finden sind, so werden solche in Ländern angeworben, wo auch die zweite, dritte oder vierte Garnitur noch aus namhaften Titelträgern besteht, aus Russland etwa. Bei der Olympiade ist inzwischen nur noch jeder fünfte Teilnehmer Träger eines GM- oder IM-Titels, beim Europacup jeder zweite. Bei der diesjährigen Auflage in Novi Sad besaßen von den insgesamt 442 gemeldeten Spielern 145 einen GM- und 72 einen IM-Titel.

[…]

Das siegreiche Alkaloid-Team spielte in der Aufstellung Ding Liren (3 Punkte aus 5 Partien), Dimitri Andrejkin (4,5/7), Pawel Eljanow (4,5/6), Dimitri Jakowenko (3,5/6), Yu Yangyi (5,5/7), Juri Kryvoruchko (5/7), Trajko Nedev (1/2) und Filip Pancevski (2/2). An den beiden letzten Brettern kamen echte Mazedonier zum Einsatz, jedoch nur in den ersten Runden, wo die Auslosung - wie oft beim Schweizer System - dem späteren Sieger relativ leichte Gegner bescherte. Ab der dritten Runde kam es zunächst vereinzelt, später wiederholt zu "Duellen der Elo-Schwergewichtler", dabei fiel die eine oder andere Vorentscheidung. So verlor das auf Platz 3 gesetzte Team OR Padova (Italien) mit 2,5:3,5 gegen den serbischen Vertreter VSK Sveti Nikolaj Srpski. Dabei zogen auf der italienischen Seite die beiden Topten-Spieler Vachier-Lagrave und Levon Aronian den Kürzeren; der Franzose verlor mit Schwarz gegen Mamedyarov und Aronian sogar mit Weiß gegen den weltbesten Junior Richard Rapport aus Ungarn. Diese Partie gehört zu den spektakulärsten dieses Turniers.

Damengambit D 07
L. Aronian (Padova, 2795)
R. Rapport (Sveti Nikolaj, 2729)


1. d4 d5 2. c4 Sc6 Das ist die Tschigorin-Verteidigung im Damengambit. Im Gegensatz zu den häufig gespielten Zügen …e6 und …c6 gibt Schwarz hier den Punkt d5 auf und richtet sein Gegenspiel gegen die Punkte d4 oder e5. 3. Sc3 Sf6 4. cxd5 Sxd5 Schwarz strebt die Verwicklungen nach 5. e4 Sxc3 6. bxc3 e5 an. Aronian zeigt sich nicht interessiert. 5. Sf3 e5 6. dxe5 Im letzten Jahr versuchte Rapport in einer Partie gegen Navara 6. …Le6, war aber nach 7. Lg5 mit seiner Stellung nicht glücklich. Diesmal setzte er auf 6. …Lb4



In Betracht kam das geschickte 7. a3!? Lxc3+ (7. …Sxc3 8. Dxd8+ Kxd8 9. axb4 Sxb4 10. Lg5+ Ke8 11. Tc1!) 8. bxc3 Lf5 9. Lg5 Dd7 10. e3 Sxc3 11. Db3 Se4 12. Td1 Dc8 13. Lf4, was Freunden des Läuferpaars zusagen könnte. Nach der Partiefortsetzung 7. Ld2?! bleibt dieser Läufer passiv. 7. …Sxc3 8. bxc3 Nach 8. Lxc3 Lxc3+ 9. bxc3 De7 gewinnt Schwarz den Bauern zurück, denn 10. Dd5?! Le6 überlässt Schwarz viel Spiel. 8. …La5 9. e3 0-0 10. Da4 Lb6 11. Df4 De7 12. h4 f6 13. exf6 Txf6 14. Dc4+ Kh8 15. Ld3 Lf5 16. Lxf5 Txf5 17. Sg5 Se5 18. De4 Dd7 19. 0-0 Te8 20. Dc2 h6 21. Se4 Th5 Der Läufer d2 tut immer noch nichts, und der Bauer h4 ist mit 22. g3 nicht zu retten, darauf folgt 22. …Sf3+ 23. Kg2 Dg4 mit der Doppeldrohung …Txe4 und …Sxe4+. Nein, diese Eröffnung ist dem armenischen Weltklassemann wirklich nicht gelungen. 22. Sg3 Txh4 23. Tad1 Tf8 24. Lc1 Dg4 25. Td5 Dg5 26. De2 c6 27. Td4






Weiter geht’s in der Dezemberausgabe 2016.

 
Auszug aus
"Europapokal an historischem Ort | Die Trophäen gehen nach Mazedonien und nach Frankreich"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, November 2016

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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