Schach Magazin
Ausgabe 9 mit diesen zentralen Themen ::

Groß, größer, Czech Open




Foto: Ruzena Pribylova

„Praggu“ brach den Weltrekord von Sergej Karjakin, der mit 11 Jahren und 11 Monaten Internationaler Meister wurde. Der junge Inder war bei der Titelverleihung 13 Monate jünger. Jetzt ist die Jagd auf den GM-Titel angesagt.


Bei den meisten Schachfestivals werden die Teilnehmerzahlen in Hunderten, beim Czech Open in Pardubice werden sie in Tausenden angegeben. Dies hat zwar auch damit zu tun, dass es sich genau genommen um ein Festival der Denkspiele handelt, bei dem Meisterschaften z. B. in Bridge, Go, Scrabble und noch einem Dutzend weiterer Spiele ausgetragen werden, jedoch haben die Gründer - allesamt Schachspieler - von Anfang an darauf geachtet, dass das königliche Spiel im Mittelpunkt steht. Die Schachsektion ist deshalb die mit Abstand größte, sie besteht aus über 20 Turnieren, zu dem sich heuer über drei Tausend Schachfreunde angemeldet hatten. Zwar kommen manche ausschließlich zu den Blitz- oder Schnellschachwettbewerben, bei den vier zeitgleich ausgetragenen Open spielten bei der diesjährigen Auflage immerhin noch 1102 Spieler aus 47 Ländern mit. Eine solche Menschenmenge ist nicht leicht unterzubringen. Glücklicherweise stellte die Stadt Pardubice kostenlos ihre große Eissporthalle zur Verfügung, die im Sommer meist für kulturelle Zwecke verwendet wird und in den zwei letzten Wochen im Juli stets fest in der Hand der Denksportler ist.

Neben der Masse trifft sich in dieser ostböhmischen Stadt auch die Klasse (Jahr für Jahr spielen über 100 GM/IM-Titelträger mit) und jede Menge Schachfreunde deutscher Zunge; diesmal waren es über dreihundert. Viele von ihnen schnitten gut ab, am besten GM Philipp Schlosser mit seinem neunten Rang im A-Turnier, aber den Hauptpokal gewann mit GM Sergej Movsesian ein seit zwei Jahrzehnten in Tschechien lebender Armenier.

[…]

Der zweifache Jugendweltmeister in den Altersklassen U8 und U10 wird schon mit seinem berühmten Landsmann Anand verglichen, was natürlich ein großes Wort ist, doch sein 46. Platz in dem Open A und die erzielte Leistungszahl von 2507 Punkten sind für einen erst Zehnjährigen einfach atemberaubend. Hier ist sein Sieg gegen einen Großmeister aus dem Gastgeberland:

Réti-Eröffnung A 07
Praggnanandhaa (IND, 2429)
J. Krejci (CZE, 2504)


1. Sf3 d5 2. g3 c6 3. Lg2 Lg4 4. d3 Sd7 5. 0-0 Sgf6 6. De1 e5 7. e4 dxe4 8. dxe4 Lxf3



Man kann diesen Zug schlecht kritisieren, es haben ihn ja schon viele Profis gespielt, aber er gleicht einer unsicheren Wette auf die Zukunft.

Schwarz denkt, dass er es schafft den gegnerischen weißfeldrigen Läufer im Zaum zu halten und bei festgelegter Bauernstruktur seine beweglichen, die Felderfarbe wechselnden Springer besser einzusetzen. Dies kann gut gehen, oder auch nicht. Doch die Hergabe des Läufers kann man nicht mehr rückgängig machen. Wohl deshalb verzichten die meisten prominenten Spieler wie z. B. Kramnik auf diesen Abtausch und entwickeln sich erst einmal schnell mit …Lc5.

In der vorliegenden Partie wird der weißfeldrige Läufer noch eine entscheidende Rolle spielen. 9. Lxf3 Lc5 10. Sd2 0-0 11. De2 Te8 12. a4 a5 13. Lg2 Sf8 14. Sf3 Sg6?! Das ist nicht das richtige Feld für den Springer, er hat dort keine Zukunft, die Felder f4 und h4 sind unerreichbar. Der Nachziehende wollte vielleicht Sf3-h4 verhindern, aber das musste nicht sein, z. B. 14. …Se6! 15. c3 (15. Sxe5?? Sd4; 15. Sh4?! Sd4 16. Dc4 Db6 und falls 17. c3, so 17. …Sb3) 15. …Dc7 16. Sh4 g6, und das Feld f5 ist unter Kontrolle. 15. b3 Dc7 16. Lg5 Sd7 17. Tad1 h6 18. Lh3 Nun steht der Läufer nicht mehr bescheiden auf f3, sondern aktiv auf h3, von wo er nicht nur d7 bedroht, sondern in einem passenden Augenblick nach f5 ziehen kann. 18. …Sdf8 19. Lc1 Tad8 20. Lb2 In Betracht kam jetzt der Sicherungszug …b6.



20. …La7?! Es ist unübersehbar, dass Schwarz nicht so recht weiß, was er ziehen soll.

Weiter geht’s in der Septemberausgabe 2016.

 
Auszug aus
"Groß, größer, Czech Open | Das Riesenfestival in Pardubice mit vierstelliger Teilnehmerzahl"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, September 2016

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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