Schach Magazin
Ausgabe 8 mit diesen zentralen Themen ::

Stelldichein der älteren Semester




Foto: Karsten Wieland

Siegerehrung mit allen Goldmedaillengewinnern. Vorn die russischen Damen mit (v. l. ) Elena Fatalibekowa, dahinter Galina Strutinskaja, Svetlana Mednikowa, Elena Sazonova und Valentina Kozlowskaja. Zweite Reihe (v. l. ) Juri Balaschow, Wladimir Zhelnin, Nikolai Puschkow, Jewgeni Wasjukow, Jewgeni Sweschnikow (alle Team Russland) sowie Raj Tischbierek und Uwe Bönsch (beide Team Deutschland 1). Letzte Reihe: Klaus Bischoff, Gernot Gauglitz und Karsten Volke (alle Deutschland 1).


Unweit von Deutschlands "Schachhauptstadt" Dresden, in der - durch die Karl-May-Festtage bekannt gewordenen - Kreisstadt Radebeul wurde vom 26. Juni bis zum 4. Juli die vierte Auflage der Mannschaftsweltmeisterschaften der Senioren ausgerichtet; die Bezeichnung "Senioren" - für über 50-Jährige sowieso eher gewöhnungsbedürftig - soll zukünftig durch das Einstufungsmerkmal der Altersklassen (AK) ersetzt werden.

Ausgetragen wurden zwei Turniere: die AK 65+ mit Spielern über 65 Jahren und die AK 50+ für über 50-Jährige. Damit niemand wegen des "falschen Geburtstagsdatums" die Meisterschaft verpasst, wurden die besagten Altersgrenzen nicht stur eingehalten, sondern es wurde das aus anderen Seniorenturnieren bekannte Prinzip "Geburtsjahr geht vor Geburtsdatum" angewandt; als Stichtag für alle Beteiligten wurde der 31. Dezember 2016 angesetzt.

[…]

Kommen wir zu den Turnierberichten und beginnen wir "nach Knigge" mit den älteren Herrschaften:

Gruppe 65+


Die russische Seniorennationalmannschaft war mit ihrem Mannschaftsschnitt von 2444 Elo-Punkten mindestens einhundert Punkte stärker als jeder ihrer Gegner und sie wurde ihrer Favoritenrolle gerecht. Neun Mannschaftskämpfe, neun Siege und das beste Brettpunktekonto obendrein, kurzum ein souveräner Sieg.

Der Name des Teamleaders Sweschnikow ist manchem Leser im Zusammenhang mit einem Abspiel der Sizilianischen Verteidigung (1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. d4 cxd4 4. Sxd4 Sf6 5. Sc3 e5!?) bekannt. Er hat zwar diese nach ihm benannte Variante nicht erfunden, leistete aber als Theoretiker und erfolgreicher Anwender einen großen Beitrag zu deren Verbreitung. Sweschnikow wurde im russischen Tscheljabinsk geboren und wirkte dort in der ersten Hälfte seines Lebens, dort kamen auch seine beiden Töchter zur Welt. Seine Ehe zerbrach, in Riga fand er eine neue Partnerin und wurde Vater von zwei Söhnen, wovon der ältere Vladimirs (eine lettische Schreibweise) Internationaler Meister ist. In dieser Zeit spielte Jewgeni Sweschnikow für Lettland, blieb aber russischer Staatsbürger und wechselte im Vorjahr zurück zur russischen Föderation. Da er fast gleichzeitig 65 wurde, konnte er gleich in der entsprechenden Altersklasse für Russland starten.

[…]

An dem Überraschungserfolg der Belgier hatte Jan Rooze am Spitzenbrett einen großen Anteil. Er erzielte 8 Punkte aus 9 Partien, meist ganz souverän, einmal nach einem Drama.

Sizilianisch B 30
J. Rooze (Belgien, 2322)
V. Fajbisowitsch (St. Petersburg, 2348)


1. e4 c5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 e6 4. Lxc6 bxc6 5. d3 Se7 6. Ld2 d5 7. h4 h5 8. c4 Sg6 9. Sc3 d4 10. Se2 Ld6 11. Da4 Ld7 12. 0-0-0 e5 13. Sg3 Se7 14. Sg5 f6 15. Sh3 g6 16. f4 Lg4 17. Tdf1 Dd7 18. fxe5 Lxe5 19. Lf4 Dd6 20. Lxe5 Dxe5 21. Sf4 0-0 22. Tf2 Kg7 23. Da5 Sc8 24. Thf1 Sb6 25. Sge2 Sd7 26. Sg1 Dd6 27. Sgh3 Se5 28. Td2 g5 29. Se2 Lxe2 30. Txe2 Sxd3+ 31. Kb1 Se5 32. Da6 De6 33. Tf5 d3 34. Tef2



Der Höhepunkt der Partie. Schwarz hätte mit 34. …Dxc4!! gewinnen können. Er befürchtete wohl den Turmverlust nach 35. Db7+ Tf7 36. Dxa8, aber dann entscheidet 36. …Dxe4, drohend sowohl …De1 matt, als auch - z. B. nach 37. Tf1 d2+ 38. Ka1 De1+. Der Russe hat es nicht gesehen, spielte 34. …Sg4 35. Db7+ und hätte sich nun mit 35. …Tf7 36. Sxg5 (36. Dxa8 Sxf2 37. Sxf2 d2, drohend …Dxe4+!) 36. …Txb7 37. Sxe6+ Kf7 38. Sxc5 Sxf2 39. Txf2 Te7 begnügen sollen. Dies hatte er offenbar gesehen, als er 35. …Kg8? zog, nicht aber die Hauptdrohung: 36. Sxg5! mit Damengewinn oder Matt – 1:0

Weiter geht es im Augustheft.

 
 
Auszug aus
"Stelldichein der älteren Semester | Mannschaftsweltmeisterschaften der Altersklassen +50 und +65 mit über 500 Teilnehmern aus 19 Ländernv"
erschienen in


SCHACH MAGAZIN 64, August 2016

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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