Schach Magazin
Ausgabe 7 mit diesen zentralen Themen ::

Ernesto Inarkiev gewinnt verdient den Titel






Mimoza Kusari-Lila, Vorsitzende des Organisationskomitees, eröffnet diese wichtige Partie zwischen David Navara (r.) und Ernesto Inarkiev.

Foto: Veranstalter / eicc2016.com/



Die 17. Auflage der Europäischen Meisterschaft (offene Klasse) wurde vom 11. bis zum 23. Mai in der kosovarischen Stadt Gjakova ausgetragen. Die Beteiligung war besser als erwartet. Es waren Schachfreunde aus 38 europäischen Ländern mit von der Partie, dies ist ein guter Mittelwert. Es gab auch schon größere EM (Rijeka 2010 mit Beteiligung von 44 Ländern), aber auch kleinere mit nur 27 Ländern; die Rede ist von der 2014er Auflage in Armenien, wo zwar keine Probleme vor Ort zu befürchten waren, doch die weite Anreise abschreckte. Die Anreise nach Kosovo war für die Teilnehmer eher leicht zu bewältigen.

[…]

Mit Inarkiev gewann erstmalig ein nicht in Europa geborener und aufgewachsener Schachspieler diese EM. Das Licht der Welt erblickte er am 9. Dezember 1985. Seine Eltern gaben ihm zwei Vornamen, einen spanischen (Ernesto, zu Ehren des Revolutionärs Ché Guevara) und einen ortsüblichen, Kasbekowitsch, nach dem Vornamen des Vaters. Die Vorschulzeit erlebte er in dem kleinen Ort Khaydarkan im Süden der kirgisischen Sowjetrepublik. Da gab es eine Schule und keinen Schachklub; hätte Inarkiev dort weiter gelebt, wäre er kaum Schacheuropameister geworden, vielleicht nicht einmal ein Schachspieler.

[…]

In der Anfangsphase der EM übernahm er zusammen mit dem ebenfalls sehr stark aufspielenden Tschechen David Navara gemeinsam die Tabellenführung. Das führende Duo trennte sich erst nach der achten Runde, wo in ihrer direkten Begegnung die Entscheidung fiel.

Nimzowitschindisch E 48
D. Navara (CZE, 2735)
E. Inarkiev (RUS, 2686)


1. d4 Sf6 2. c4 e6 3. Sc3 Lb4 4. e3 0-0 5. Ld3 d5 6. cxd5 exd5 7. Sge2 Te8 8. 0-0



Schwarz zieht jetzt ohne Not …Lb4-f8. War da nicht mal von "man soll nicht eine bereits entwickelte Figur nochmals ziehen" die Rede? Und wenn schon ziehen, dann auch noch zurück auf das Ausgangsfeld? "Komisches Schach spielen da die Großmeister", hört man in solchen Fällen die Zuschauer murmeln.

Gelegentlich tun sie es tatsächlich, aber in der Regel basieren solche Züge auf der Auswertung von Partien und Analysen. Wenn Schwarz beispielsweise in der Diagrammstellung 8. …c5 spielt, folgt 9. a3 Lxc3 (9. …La5 verliert einfach einen Bauern auf c5.) 10. bxc3, und Weiß erfreut sich an seinem Läuferpaar, wobei er seinen schwarzfeldrigen Läufer mit den Zügen f2-f3, Sg3 und e3-e4 aktivieren kann.

Gut, also kein …c5. Versuchen wir 8. …b6. Darauf hat sich der Aufbau 9. f3 Lb7 10. g4 nebst Sf3 und ggf. g4-g5 bewährt. Das bisherige Score 3,5 aus 5 kommt nicht von ungefähr.

Der dritte Versuch ist 8. …Ld6, der vor den Augen der Zuschauer eher Gnade findet. Auch viele Profis spielen so, andererseits gefällt manchen von ihnen nicht, dass Weiß irgendwann einmal f3 nebst e4 spielen kann, drohend mit der Gabel e4-e5.

Überhaupt dreht sich in dieser Variante alles oder vieles um den Punkt e4 bzw. um die Verhinderung des Vorstoßes f3 nebst e3-e4.

Weiter geht es im Juli-Heft.

 


Auszug aus
"Ernesto Inarkiev gewinnt verdient den Titel | Europameisterschaft im Kosovo"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, Juli 2016

Schach-Magazin a a a
Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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