Schach Magazin
Ausgabe 6 mit diesen zentralen Themen ::

Knoten geplatzt!




Foto: Cathy Rogers

So ausgelassen hat man den Weltmeister schon lange nicht gesehen, ob beim Interview mit Moderatoren des norwegischen Fernsehens oder wie hier fähnchenschwingend bei der Siegerehrung in der Stavanger Konzerthalle.




Carlsens Turniersiege sind Legion, doch vor eigenem Publikum wollte es bislang nicht klappen. Bei den ersten drei norwegischen Superturnieren belegte der Weltmeister nie den ersten Platz, einmal ging es sogar ganz daneben (nur Platz 7-8). An Erklärungsversuchen hat es nicht gemangelt, mal bemühte man die Psychologie ("übermotiviert vor eigenem Publikum"), mal sogar die Bibel ("Ein Prophet gilt nirgends weniger als in seinem Vaterland und in seinem Hause"). Die irdische Ursache mag eher zutreffen, dem Versagen eines Sportlers unter Druck sind ganze Publikationen gewidmet. Sie "ist keine seltene Erscheinung und bedeutet, dass ein Athlet seine Leistung plötzlich nicht mehr abrufen kann, da sich unter wahrgenommenem Druck die psychischen Leistungsvoraussetzungen ändern, beispielsweise das Angstniveau steigt" wie mal auf www.die-sportpsychologen.de nachzulesen war.

Was auch immer ursächlich war, nun ist der Knoten geplatzt. Im vierten Anlauf konnte Carlsen das Topturnier in Stavanger endlich gewinnen und zwar auf sehr überzeugende Art und Weise. Er führte von Anfang an, dabei produzierte er sowohl die schönste als auch vom Tiefgang her eindrucksvollste Partie des Turniers:

Sizilianisch B 29
M. Carlsen - N. Grandelius
3. Runde


1. e4 c5 2. Sf3 Sf6
Dieser Zug ist eine der vielen Entdeckungen des großen Aaron Nimzowitsch, er führte ihn 1911 in San Sebastian in die Praxis ein. Knapp und zutreffend bezeichnete der frühere Weltmeister Max Euwe diese Variante als einen Vorläufer der Aljechin-Verteidigung. Hier wie dort wird der e-Bauer nach e5 gelockt, um ihn dort unter Druck zu setzen; wie das geht, darauf kommen wir gleich noch zurück. "Ich wurde vorgewarnt, dass er (Grandelius) möglicherweise so spielen wird", sagte Carlsen nach der Partie, "nahm die Warnung aber nicht ernst. Als er tatsächlich so spielte, nahm ich es mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis. Dann dachte ich, wenn ich natürliche Züge spiele, kann das doch eigentlich nicht schiefgehen."
3. e5 Sd5 4. Sc3 Sxc3
Lange Zeit galt 4. …e6 als Hauptfortsetzung.
5. dxc3 Sc6 6. Lf4
So weit ist es auch in rund vierhundert Partien gekommen, und die Nachziehenden versuchten, Druck gegen den Bauern e5 aufzubauen, z. B. mit …h6 (Idee …g5, …Lg7, …e6 und …Se7-g6). Andere versuchten es mit einem Damenzug, z. B. 6. …Dc7 7. Dd2 e6 8. 0-0-0 h6 9. h4 b6, gefolgt von …Lb7 und langer Rochade. Grandelius spielte 6. …Db6!?



Dazu erklärte er bei der Analyse: "Ich will b2-b3 provozieren und dann doch …Dc7 spielen". Wozu dies gut sein kann, erhellt eine 2015 gespielte Partie Marjasin-Rachmanow, in der weiter folgte 7. b3 Dc7 8. Dd2 e6 9. 0-0-0 a6 10. De3 b5 11. Kb1 c4 12. Le2 Lb7 13. Td2 Se7 14. Sg5 Sd5, und spätestens hier wurde klar, dass das Provozieren von b2-b3 Sinn macht.

Weiter geht’s in der Juniausgabe 2016.

 
Auszug aus
"Knoten geplatzt! | Carlsen siegt endlich auch auf heimatlichem Boden"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, Juni 2016

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Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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