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Ausgabe 2 mit diesen zentralen Themen ::

„Dirty old town…“




Fotos: Thomas Lochte

"[…] wer Raymond Keenes in Buchform (bei Pergamon Chess) erschienene Turnier-Chronik der „Battles of Hastings“ gelesen hat, der weiß, dass die Geschichte seit der Erstaustragung 1895 schon immer eine höchst wechselvolle gewesen ist und die „Battle“ mehrfach vor dem Aus stand. Hier schauten schon Weltmeister von Lasker bis Spasski vorbei, hier triumphierte 1988 eine gerade zwölfjährige Judith Polgar, wurden in Anlehnung an 1066 (Normannen-Landung) zahllose legendäre Schlachten am Brett geschlagen…"


Mein erster halber Verlustpunkt beim Hastings Masters 2015/2016 ging aufs Konto des öffentlichen Personennahverkehrs der 90 000-Einwohner-Stadt an Englands Südküste - weshalb ich es mir diesmal als Berichterstatter erlaube, in der intensiven Ich-Form zu erzählen: Nachdem ich am Tag vor Turnierbeginn die örtlichen Busverbindungen erkundet hatte, wähnte ich mich nämlich leichtsinniger Weise schon auf der sicheren Seite, was das rechtzeitige Erreichen der Turnierhalle im Sportkomplex des Horntye Park anging - doch hatte ich die Rechnung ohne den sogenannten "Bank Holiday" gemacht. Dieses spezifisch britische Phänomen besagt in etwa, dass an Tagen mit geschlossenen Geldhäusern auch die Linienbusse ihren Betrieb nahezu einstellen, was auf den öffentlichen Fahrplantafeln nicht unbedingt so angekündigt wird. In meinem Fall bedeutete dies, dass ich nach vergeblichem "Warten auf Godot" schließlich ein Taxi nehmen musste, um die 30-Minuten-Karenz nicht gleich in Runde 1 überzustrapazieren; die Eröffnungszeremonie hatte ich jedenfalls verpasst, dafür wartete auf mich ein bestens präparierter, leicht gelangweilt wirkender Jugendlicher mit Rating 1882, der die ersten 16 Züge einer vermeintlich exquisiten Eröffnung im Blitztempo herunter spulte und mich mit nahezu unverbrauchter Bedenkzeit auch noch tüchtig zu quälen begann…

[…]

Ein ehemaliger Weltklasse-Großmeister wie der Ukrainer Oleg Romanischin (Hastings-Sieger 1976) lieferte sich als Senior (Jahrgang 1952) z.B. mit dem Litauer Sarunas Sulskis und dem Briten Simon Williams höchst originelle und teils auch erfolgreiche Schlachten.

Holländisch A 81
O. Romanischin (UKR, 2462)
S. Williams (ENG, 2439)


1. d4 e6 2. Sf3 f5 3. g3 Sf6 4. Lg2 Le7 5. 0-0 0-0 Nach 6. c4 entsteht die Standardstellung der Holländischen Verteidigung, über die Williams ein 460 Seiten starkes Buch verfasste und sich deshalb in den Hauptvarianten sehr gut auskennt. Romanischin geht deshalb wohlweislich einem taktisch betonten Theorieduell aus dem Weg und wirft seine Erfahrung in die Waagschale. 6. c3 d6 7. Db3 Sc6 8. a4 De8 9. a5 a6 10. Sg5 Ld8 11. Sd2 Kh8 12. e4 f4 Nach …h6 wollte Romanischin 13. Sxe6 Lxe6 14. d5 Lg8 15. Dxb7 spielen. 13. d5 exd5 14. exd5 Weiß steht nach …Se5 15. Se6 gut, deshalb setzt der Engländer auf die taktische Karte. 14. …fxg3 15. dxc6 Erzwungen war nun …gxh2+ 16. Kh1 bxc6 17. Sdf3 Sg4, was möglicherweise dennoch gut für Weiß ist, aber entschieden ist noch gar nichts. Mit dem Partiezug 15. …Sg4? geht Schwarz aufs Ganze, wird aber ausgepunktet: 16. cxb7 Lxg5 17. bxa8D gxf2+ 18. Kh1 Sxh2



Schwarz denkt an …Dh5 und/oder …Tf6-h6 mit Mattangriff auf der h-Linie, aber nach 19. c4! wird …Dh5 mit 20. Dh3!! widerlegt; die weiße Dame ist wegen Dxf8 tabu. Schwarz spielte 19. …Tf6 doch auch hier war 20. Dh3! ein Hammer. Es geschah noch20. …Sxf1 21. Daxc8 Sg3+ 22. Kh2 – 1:0

Weiter geht’s in der Februarausgabe 2016.

 
Auszug aus
"„Dirty old town…“ | Warum die 91. Battle of Hastings auf keinen Fall die letzte sein darf zur alten Stärke zurück"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, Februar 2016

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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