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Ausgabe 11 mit diesen zentralen Themen ::

Carlsen und Grischuk zocken weltmeisterlich






(links) Alexander Grischuk wurde nach 2006 und 2012 nun bereits zum dritten Mal Weltmeister im Blitzen. (rechts) Weltmeister im Schnellschach wurde Magnus Carlsen, seines Zeichens Weltmeister im Turnierschach und Nummer eins der Eloliste.

Foto: Cathy Rogers





Stell' dir vor, es ist Weltmeisterschaft und jeder geht hin! Wie es scheint konnte sich keiner der russischen Organisatoren der Rapid- und Blitz-WM vom 10. bis 14. Oktober in Berlin das wahre Zuschauerinteresse ausmalen; für die in etwa 200 Spieler hatte man zwar gute Bedingungen geschaffen, doch für den Ansturm an Besuchern war man nicht gerüstet und kümmerte sich auch herzlich wenig. Erst spät wurde der deutsche Schachbund mit einem Organisationsteam mit ins Boot geholt und dann häufig ausgebremst.

Am Ende gab es strahlende Sieger: Beim Schnellschach war es ganz nach dem Geschmack der Schachmassen Magnus Carlsen, der diesmal mit 11,5 Punkten aus 15 Partien einen komfortablen Punktevorsprung vor einem Quartett von Spielern mit 10,5 Punkten, bestehend aus Ian Nepomniachtchi (Russland), Teimour Radjabov (Aserbeidschan) und Leinier Dominguez Perez (Kuba), vorlegte.

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21 Blitz-Eskapaden

Das Blitzturnier fand in Berlin als Open mit 21 Runden statt. Preisfonds und Staffelung der Preise war identisch mit der Schnellschach-WM. Mussten früher Mini-Matches über zwei Partien absolviert werden, als geschlossenes Turnier mit 16 bis 22 Teilnehmern aus der Schach-Elite, so wurde 2013 das Gesamtmodell geändert und man spielt nun ein Open, mit wachsenden Teilnehmerzahlen: 2013 waren es 60 Spieler, 2014 bereits 115 und in diesem Jahr sogar 188 Spieler. Im Vergleich zum Rapid ist Blitz an zwei Tagen zu bewältigen; man sollte also schnell "in Spielfluss kommen" und Spieler aus 50 Ländern wollten das. Der Cut für Elo 2700 lag dabei bei Rang 35 und für 2600 bei Rang 96. Etliche Hochkaräter waren im Schach-Zirkus gleich von der Isle of Man herübergejettet. Insgesamt 153 Großmeister und 20 Internationale Meister. Man möchte meinen, die zusätzliche Breite würde ein offenes Rennen bringen, doch genau das Gegenteil war nach Tag eins der Fall. Platz eins und Platz acht trennten bereits zwei volle Punkte, denn bis zur letzten Runde gab es ein mächtiges Kopf-an-Kopf-Rennen.

[…]

Damenbauerspiel A 48
M. Carlsen - A. Grischuk>
Blitz-WM (15), 14. 10. 2015

1. Sf3 c5 2. e3 Sf6 3. d4 g6 4. c3 b6 5. dxc5 bxc5 6. e4 Lg7 7. Ld3 0-0 8. 0-0 d6 9. Sa3 Lb7 10. Te1 Sbd7 11. h3 a5 12. Lf4 a4 13. Dd2 Lc6 14. Tad1 Db6 15. e5 dxe5 16. Sxe5 Sxe5 17. Lxe5 Db7 18. f3 Tfd8 19. Df2 Tac8 20. Sc4 Ld5 21. Lf1 Se8 22. Lxg7 Sxg7 23. Td2 Lxc4 24. Lxc4 Txd2 25. Dxd2 Sf5 26. b3 axb3 27. axb3 Dc7 28. Df2 Td8 29. Lf1 h5 30. b4 cxb4 31. cxb4 Dc3 32. b5 Td2 33. Te2 Td1 34. g4 hxg4 35. hxg4 Sd4 36. Te3 Dc1 37. Txe7 Td2 38. De3



38. …Se2+ Die Frage, was mehr zählt, der weiße Mehrbauer oder das schwarze Druckspiel hätte hier mit 38. …De1!! besonders elegant beantwortet werden können. Die Dame ist wegen …Sxf3+ und …Th2 matt tabu, andererseits droht auch noch …Dg3. Erzwungen ist daher 39. Te8+ Kh7 40. f4 (droht Dh3+ und Dh8 matt) …Sf3+ 41. Dxf3 Dxe8 mit guten Gewinnchancen für Schwarz. 39. Kg2 Sf4+ 40. Kg3 Se6 41. Te8+ Kh7 und nun rechnete mancher Zuschauer mit 42. Txe6 fxe6 43. Dxe6 Dxf1 44. De7+ und Dauerschach. Carlsens Gewinnversuch ging daneben: 42. De5? Sg7 Jetzt hängen zwei weiße Figuren. 43. Lg2 Sxe8 44. Dxe8 Dc7+ 45. Kh3 Kg7 46. De3 Dd6 47. b6 Tb2 48. Dc3+ Df6 49. Dxf6+ Kxf6 50. f4 Txb6 51. Ld5 Td6 52. g5+ Kf5 53. Lxf7 Kxf4 54. Kh4 Kf5 – 0:1
Carlsen gab auf. Der Frust über den Verlust gegen seinen (bei der Blitz-WM) wichtigsten Konkurrenten und der damit offensichtlich entgangenen Chance auf die Doppelweltmeisterschaft bahnte sich seinen Weg.

Weiter geht’s im Novemberheft

 


Auszug aus
"Carlsen und Grischuk zocken weltmeisterlich | Rapid & Blitz-WM in Berlin hochklassig besetzt | Andrang der Spieler fordert, Andrang der Zuschauer überfordert"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, November 2015

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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