<00i> Schach-Magazin
Schach Magazin
Ausgabe 11 mit diesen zentralen Themen ::

Dramatische Wende im Finale




Fotos: Cathy Rogers

Ein besonderer Hingucker waren die Taxen der „London Taxi Company, und das vor der Kulisse des mit wechselnden Farben leuchtenden Wahrzeichens der Stadt: The Flame Towers




Seit Jahrhunderten sind Gladiatorenkämpfe ein Begriff für das gegenseitige Abschlachten mit nur einem Sieger und einer Schar der Gescheiterten am Ende. Im medialen Zeitalter folgt die TV-Erfolgsserie "Tribute von Panem" in den "Hungerspielen" einem ähnlich brutalen Szenario.

Auch der Schachweltcup bedient sich des spannungssteigernden Stilmittels des Überlebenskampfes, dort allerdings ist die Realität unblutig und sogar finanziell einträglich. Nervenaufreibend ist dieser Wettbewerb nach K.-o.-System allemal. Runde für Runde halbiert sich die Anzahl der Teilnehmer, an einem Tag wird mit Freunden der Erfolg gefeiert, zwei Tage später muss man den Rückflug umbuchen. Es ist ein Turnier "im Zeichen des Damoklesschwertes"; der Vorbericht in der letzten Ausgabe war nicht von ungefähr so getitelt.

Wer zum Weltcup fährt, weiß worauf er sich einlässt, dennoch wischte sich am Ende manch Teilnehmer den Schweiß von der Stirn. "Wenn jedes Turnier so wäre, wäre ich in zehn Jahren tot", so Nakamura und das war nicht nur als Witz gemeint. Die Matches des US-Amerikaners waren in der Tat ziemlich eng und nervenaufreibend, doch das war gar nichts gegen das dramatische Finale, das in Bezug auf Spannung alles andere in den Schatten stellte. Für Peter Swidler wurde es zu einem Albtraum, für Sergej Karjakin zu einem Tag, an dem seine sechs Richtigen gezogen wurden.

[…]

Die Ausrichter machten sich schon Gedanken, was passiert, wenn das Match, z. B. nach einem Remis in der folgenden Partie vorzeitig entschieden wäre. Dann wären zwei Tage (für die Partie Nr. 4 plus für die Stichkämpfe) bis zur geplanten Siegereh-rung überflüssig. Was dann? Die Siegerehrung vorziehen oder zwei Tage Urlaub einlegen und den vorgesehenen Termin ein-halten? In die Verlegenheit sich entscheiden zu müssen, kamen sie dann doch nicht, dafür sorgte Peter Swidler mit dem schwärzesten Tag seiner Karriere.

Sizilianisch B 53
P. Swidler - S. Karjakin
3. Finalpartie, 3. 10. 2015


1. e4 c5 2. Sf3 d6 3. d4 cxd4 4. Dxd4 a6 5. c4 Sc6 6. De3 Sf6 7. h3 g6 8. Sc3 Lg7 9. Le2 Sd7 10. Tb1 Sde5 11. 0-0 0-0 12. Td1 Sxf3+ 13. Lxf3 f5 14. exf5 Lxf5 15. Le4 Dd7 16. Sd5 De6 17. Lxf5 Dxf5 18. Ld2 Tae8 19. Lc3 e6 20. Sb6 d5 21. Lxg7 Kxg7 22. Dc5 Tf6 23. b4 Se5 24. cxd5 Sd3 25. De3 Sxf2? Vereinfachungen wie 25. …Dxf2+ 26. Dxf2 Sxf2 27. Te1 Sd3 28. Te3 Sf4 29. Tc1 kämen Swidler zupass; dieses Endspiel kann eigentlich nur remis enden und damit wäre auch das Match beendet gewesen. In seiner Verzweiflung setzte Karjakin alles auf eine Karte: 26. Tf1 De4 27. Tbe1 exd5



Mit 28. Dc3 hätte Swidler eine Gewinnstellung erreichen können. Die schwarze Dame hängt und auch der dahinterstehende Turm e8 ist in Gefahr. Und mit Schachs ist dem Nachziehenden nicht gedient, nach 28. …Sxh3+ 29. gxh3 fehlt Schwarz die Möglichkeit …Txf1+, denn der Damenzug nach c3 hat den Turm f6 gefesselt. 28. …Df5 verliert (unter anderem) wegen 29. Sxd5 Txe1 30. Txe1 Dxd5 31. Te7+. Es bleibt nur noch 28. …Dd3, aber nach 29. Dxd3 Sxd3 (29. …Txe1 30. Dd4) 30. Txe8 Txb6 31. Te7+ Kh6 32. a3 a5 33. Tf3 hat Schwarz nicht einmal reelle Rettungschancen, geschweige denn Chancen auf einen Gewinn.
Hier hätte das Match enden können. Aber es hat nicht sollen sein …

Weiter geht’s in der Novemberausgabe 2015.

 
Auszug aus
"Dramatische Wende im Finale | Peter Swidler verpasst um ein Haar den sicher geglaubten Sieg im Weltcup | Sergej Karjakin mit viel Glück des Tüchtigen"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, November 2015

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Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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