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Ausgabe 6 mit diesen zentralen Themen ::

Chinesen feiern das Double, Russen erneut frustriert






Das siegreiche chinesische Team mit (v. l.) Wei Yi, Ding Liren, Yu Yangyi, Bu Xiangzhi, Kapitän Xu Jun und Wang Chen. Die Medaillen überreicht Turnierdirektor Smbat Lputjan, der in seinen jüngeren Jahren achtmal Armenien bei Schacholympiaden vertrat.

Foto: Aram Karakhayan für den Ausrichter tsaghkadzor2015.fide.com



Acht Monate nach ihrem Olympiasieg in Norwegen konnte Chinas Schachnationalmannschaft erneut einen Triumph feiern. Mit dem Sieg bei der Mannschaftsweltmeisterschaft in Zaghkadsor (Armenien) gelang ihr das höchst seltene "Double", der Gewinn der beiden bedeutendsten Turniere für Nationalteams innerhalb Jahresfrist. Die russische Konkurrenz kennt dieses Glücksgefühl zwar ebenfalls, jedoch gelang den Männern aus dem größten Land der Erde das letzte Double vor 18 Jahren (Olympiasieg 1996 und Mannschafts-WM Gold anno 1997.



[…]

Wei Yi bekam zwei Goldmedaillen umgehängt, die eine als Mitglied des Siegerteams, eine andere als bester Spieler an Brett 4 und zugleich der ganzen Meisterschaft. Auch deshalb beginnt die Partieauslese mit einer besonderen Leistung des 16-jährigen Überfliegers aus dem Fernen Osten.

Vierspringerspiel C 49
Wei Yi (CHN, 2706)
H. Melkumyan (ARM, 2676)


1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Sc3 Sf6 4. Lb5 Lb4 5. 0-0 0-0 6. d3 d6 7. Se2 Se7 8. c3 La5 9. Sg3 c6 10. La4 Sg6 Bei solchen symmetrischen Eröffnungen besteht die Kunst darin, den richtigen Augenblick zum Abweichen zu erkennen. Der ist offenbar hier gekommen. 11. d4 Weiteres Kopieren von Zügen ist kaum zu empfehlen, wie die 1981 gespielte Fernschachpartie Stertenbrink-Weisshaupt zeigte, nach 11. …d5 12. Lg5! Lg4 13. h3 Lxf3 14. Dxf3 exd4 15. cxd4 dxe4 16. Sxe4 Dxd4 17. Sxf6+ gxf6 18. Dxf6 Dxf6 19. Lxf6 erwies sich das Endspiel mit dem Läuferpaar und der besseren Bauernstellung als deutlich günstiger für Weiß, der in der Folge gewann. 11. …Te8 12. Lc2 h6 13. h3 Le6 14. Te1 Lc7 15. Le3 d5 16. Sxe5 Sxe5 17. dxe5 Sxe4 18. Sxe4 dxe4 19. Ld4 Ld5 20. Lxe4



Die früheren Weltmeister Fischer und Kasparow wurden nicht müde, wieder und wieder aufs Neue zu betonen, wie sehr es der Vervollkommnung des Spiels dient, sich mit klassischen Partien alter Meister zu beschäftigen. Der aktuelle Weltmeister Carlsen folgte bereits als Jugendlicher diesem Rat und nutzte sein extrem gutes Gedächtnis nicht etwa um Eröffnungsvarianten zu pauken, sondern - wie es aus seiner Umgebung heißt - "wie ein Schwamm das Wissen aufzusaugen". Erst vor Kurzem konnten Augenzeugen erleben (vgl. "Schachquiz" in der Aprilausgabe), dass Carlsen aus der "Klassik" so ziemlich alles kennt.

Auch Wei Yi, als "chinesischer Carlsen" apostrophiert, weist erstaunliche Kenntnisse von Musterpartien auf. Alle bisher erfolgten Züge bis zur Diagramstellung haben bereits vor gut einem Jahrhundert die damals führenden Spieler Géza Maróczy und Richard Teichmann in Prag 1908 aufs Brett gesetzt. Teichmann galt als einer der besten Verteidiger dieser Epoche und konnte nach 20. …Lxe4 21. Txe4 Dd5 tatsächlich ausgleichen, da Weiß mit 22. f3 die Antwort …Lxe5 zuließ. Doch das stärkere 22. Dc2! Lxe5 23. Tae1 f6 24. c4 Dd6 25. Db3 Dc7 26. c5+ Kh7 27. Dc2 Kg8 28. Dc3 verstärkt den weißen Druck erheblich. Ob Wei Yi das auch wusste? Seinem schnellen Spiel nach zu urteilen kannte er die erwähnte Partie garantiert und vielleicht auch diese Verbesserung, die Grund genug für Schwarz ist, nun abzuweichen. 20. …c5 21. Lxc5 Txe5 22. Lxd5 Txd5 23. Ld4 Dd6



Schwarz rechnete fest damit, dass sein Gegner die Möglichkeit …Dh2+ mit 24. g3 verhindert und wollte die gewonnene Zeit nutzen, um Gegenspiel aufzubauen:

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Auszug aus
"Chinesen feiern das Double, Russen erneut frustriert |Mannschaftsweltmeisterschaft 2015 in Armenien: Gold für China, Platz 4 für Russland"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, Juni 2015

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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