Schach Magazin
Ausgabe 3 mit diesen zentralen Themen ::

Gibraltar: Großes Schachfest am Upper Rock


Exweltmeisterin Tan Zhongyi als beste Frau und Wladislaw Artemjew, nach Elo auf Platz elf gesetzt, heißen die Sieger beim Gibraltar Chess Festival 2019.

Fotos: gibchess.com / Niki Riga


Wie man es auch dreht und wendet, angesichts des übervollen Turnierkalenders kollidiert jedes Turnier mit irgendeinem anderen. Als die Ausrichter des Schachevents in Gibraltar die Erstauflage planten und sich für Ende Januar / Anfang Februar entschieden, hat man ihnen einen "Untergang wie beim Zusammenstoß eines Fischkutters mit einem Tanker" prophezeit. Mit Tanker war das seit Jahrzehnten etablierte Schachfestival in Wijk aan Zee gemeint, wohin Jahr für Jahr eine vierstellige Anzahl von Schachamateuren pilgert und zwei Dutzend von Weltklassespielern sich die Türklinke in die Hand gibt.

Doch die Schachenthusiasten in der britischen Enklave im Süden der Iberischen Halbinsel gingen das Wagnis ein. Sie setzten auf die "Schach und Tourismus"-Karte, denn in Gibraltar lässt sich die Turnierteilnahme mit dem Besuch eines besonders interessanten Landstrichs verbinden, dessen Attraktionen wir schon in früheren Gibraltar-Berichten aufzählten. Und so war bereits bei den ersten Auflagen die Beteiligung gut und sie wurde durch die Mundpropaganda Jahr für Jahr besser. Bald gelang es auch Sponsoren zu gewinnen und in der Konsequenz ebenfalls Weltklassespieler anzulocken. In diesem Jahr beispielsweise wies nur das Wijker Masters (Rundenturnier mit 14 Teilnehmern) einen höheren Eloschnitt auf als die ersten 14 der Setzliste in Gibraltar. Der Vergleich der nächsten 14 fällt schon deutlich zugunsten von Gibraltar aus und weiter gibt es nichts zu vergleichen. Das Masters in Gibraltar mit (diesmal) 95 Großmeistern gehört zu den bestbesetzten Turnieren seiner Art weltweit. Zusammen mit vier parallel ausgetragenen offenen Turnieren für Spieler mit Wertungszahlen unter 2250 bzw. unter 1900 ergibt sich ein Volksschachfestival mit über 500 Beteiligten. Mehr passt in die Austragungsstätte (Hotel Caleta) nicht. Bereits bei seiner 12. Auflage anno 2014 stieß das Turnier mit 536 Anmeldungen an seine Kapazitätsgrenzen, mehr Platz, Tische und Stühle gab es nicht, dabei hat man bereits in Nebenräumen alle Möbel mit vier Beinen requiriert.

[…]

Die andere Spitzenpaarung der Schlussrunde lautete Yu Yangyi (7 Punkte) gegen Artemjew (7,5). Im Falle seines Sieges wäre der Chinese Gesamtsieger geworden. Mit diesem Wissen versteht man die Entscheidungspartie besser: Yu hätte mehrmals in einem sicheren Remishafen anlegen können, ging aber verständlicherweise aufs Ganze und wurde von dem Russen mit einem Konter erwischt:

Caro-Kann B 12
Yu Yangyi (CHN, 2764)
W. Artemjew (RUS, 2709)


1. e4 c6 2. d4 d5 3. e5 Lf5 4. Sf3 e6 5. Le2 Sd7 6. 0-0 Lg6 7. c3 Sh6 8. a4 a5 9. Sa3 Le7 10. Sc2 0-0 11. Sce1 c5 12. Lxh6 gxh6 13. Lb5 cxd4 14. cxd4 Sb8 15. Dd2 Kg7 16. Sd3 Sa6 17. Sf4 Db6 18. h4 Tfc8 19. Tfc1 Txc1+ 20. Txc1 Sb4 21. g3 Sa2 22. Td1 Tc8 23. Sh2 Dc7 24. Ld3 h5 25. g4 Sb4 26. Lxg6 hxg6 27. gxh5



Der Chinese zündelte am Königsflügel, was ernst genommen werden musste. So stünde Weiß nach z. B. 27. …Lxh4 28. Sg4 Dc2 29. Sxe6+! fxe6 30. Dh6+ sehr aussichtsreich. Artemjew handelte nach der Devise "Angriff ist die beste Verteidigung" und holte seine Dame ins Krisengebiet:

Weiter geht’s in der Märzausgabe 2019.

 
Auszug aus
"Großes Schachfest am Upper Rock | Wladislaw Artemjew (20) siegt bei der 17. Auflage des Opens vor einer Riege Weltklassespieler"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, März 2019

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Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spieler der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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