Schach Magazin
Ausgabe 4 mit diesen zentralen Themen ::

Die Hammerschläge des „Schmieds“




Foto: Harald Fietz

Der 24-jährige Weißrusse Wladislaw Kowalew zählte nicht zu den Favoriten des diesjährigen Aeroflot-Open. Auf Platz 16 gesetzt, erreichte er den ungeteilten ersten Platz und erfreute sich neben dem stattlichen Geldpreis von 18 000 Euro an einer Einladung zum Dortmunder Superturnier im Juli dieses Jahres.


Der Nachname Kowalew kommt in mehreren slawischen Sprachen vor, auf Deutsch bedeutet er Schmied. Die internationale Wertungsliste weist gut ein Dutzend Schachtitelträger mit diesem und mit ähnlich geschriebenen Namen auf. Der bekannteste von ihnen ist derzeit Anton Kovalyov (ein gebürtiger Ukrainer, der nach seiner Auswanderung nach Kanada die englische Schreibweise des Namens verwendet), der beim letzten Weltcup keinen Geringeren als Anand ausschaltete und dann nach dem berühmt-berüchtigten "Bermuda-Shorts-Fall" (vgl. Oktoberausgabe 2017, S. 8) das Turnier verließ; darüber wurde in der ganzen Welt berichtet.

Einen erhöhten Bekanntheitsgrad dürfte Wladislaw Kowalew erlangen. Der 24-jährige Weißrusse zählte nicht zu den Favoriten des diesjährigen Aeroflot-Open, das vom 20. bis zum 28. Februar in Moskau ausgetragen wurde. Die Setzliste wurde von dem Titelverteidiger Wladimir Fedosejew angeführt, dicht gefolgt von dem frischgebackenen Sieger des B-Turniers in Wijk aan Zee, dem Inder Vidit Santash Gujrathi. Doch sie erlebten beide ihr Waterloo: Fedosejew kam nicht über den 46. Platz (!) hinaus, Vidit (Platz 35) war auch viel mehr zugetraut worden, genauso wie manchem anderen favorisierten Teilnehmer. Am Ende belegte Kowalew, auf Platz 16 gesetzt, den ungeteilten ersten Platz, erfreute sich an dem stattlichen Geldpreis von 18 000 Euro und einer Einladung zum Dortmunder Superturnier im Juli dieses Jahres.

Die Schlüsselpartie wurde in der vorletzten Runde gespielt. Zu diesem Zeitpunkt führte Kowalew zusammen mit dem Iraner Amin Tabatabai mit 5,5 Punkten das Feld an. Letzterer hatte bis dato alle seine Schwarzpartien gewonnen, während Kowalew mit Weiß ebenso erfolgreich war. Nun spielten sie in der achten Runde gegeneinander und die Beobachter fragten sich, wer wohl seine Siegesserie würde fortführen können; die meisten tippten auf ein Remis, doch der Schmied überzeugte mit seinen Hammerschlägen:

Französisch C 01
W. Kowalew (BLR, 2641)
A. Tabatabaei (IRI, 2577)


1. e4 e6 2. d4 d5 3. Ld3 dxe4 4. Lxe4 Sf6 5. Lf3 c5 6. Se2 Sc6 7. Le3 Hier wird oft 7. …cxd4 8. Sxd4 Se5 gespielt, wonach Schwarz entweder den aktiv postierten Läufer f3 abtauscht, oder aber ihn zurückdrängt, 9. Le2, wonach Weiß mit ebendiesem Läufer vier Mal gezogen hätte und das in nur neun Zügen! Der Iraner war jedoch von Kowalews Eröffnungswahl (3. Ld3) vermutlich überrascht und nicht optimal vorbereitet. 7. …Sd5 8. Lxd5 Dxd5 9. Sbc3 Kowalew folgt einer Idee des erst 13-jährigen Magnus Carlsen. Dessen damaliger Gegner Abusdal kriegte kalte Füße und verzichtete auf das Schlagen auf g2. Tabatabei ließ sich nicht abschrecken und griff zu: 9. …Dxg2?! 10. Tg1



Es gibt ein paar Vorläuferpartien mit 10. …Dxh2 11. Lf4 und einem guten Ende für Weiß:
11. …Dh3 12. Sb5 e5 13. dxe5 Dd7 14. e6 fxe6 15. Sc7+ Kf7 16. Sxa8 +-, später 1:0 in W. Onischuk - W. Razin, Lutsk 2015 und
11. …Dh5 12. Sb5 Ke7 13. Ld6+ Kf6 14. dxc5 e5 15. Sc7 Lxd6 16. Dxd6+ Le6 17. Sd5+ und Aufgabe in W. Onischuk - S. Martinovic, Tallin 2016.

Tabatabaei spielte 10. …Df3

Weiter geht’s in der Aprilausgabe 2018.

 
Auszug aus
"Die Hammerschläge des „Schmieds“ | Wladislaw Kowalew gewinnt die A-Gruppe des Aeroflot-Opens"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, April 2018

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  Unbändiger Vorwärtsdrang

Obwohl er schon ein gestandener Mann von 68 Jahren war, freute er sich wie ein Kind. Endlich sollte in seiner Heimatstadt Minsk ein Spitzenturnier ausgetragen werden, die Europameisterschaft nämlich, und sie sollte sein schachliches Schwanenlied werden.
 

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