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Ausgabe 9 mit diesen zentralen Themen ::

Asiatischer Triumph in Norwegen






Die deutsche Delegation (hier ohne Naiditsch) in Tromsø, jeweils von links: Vorn: Philipp Schlosser (Kapitän des Frauenteams), Sarah Hoolt, Melanie Ohme, dahinter Zoya Schleining, Elisabeth Pähtz und Tatiana Melamed. Mitte: Gernot Gauglitz (Chef der Firma UKA, Sponsor der Nationalmannschaft), Wladimir Baklan (Betreuer), Uwe Bönsch (Bundesturnierdirektor). Hinten: Daniel Fridman, Georg Meier, Liviu Dieter Nisipeanu, Dorian Rogozenko(Bundestrainer), David Baramidze, Michael Langer (DSB Vizepräsident).

Foto: DSB



Ende gut, alles gut, sagt der Volksmund. Nach dem Schildbürgerstreich des Organisationskomitees (unberechtigter Ausschluss von acht Nationen aus dem olympischen Wettbewerb, wir berichteten in der letzten Ausgabe) beugten sich die Ausrichter dem Druck des Weltschachbundes, der sogar die denkbare Verlegung der Olympiade ins Spiel brachte, und ließ alle Teams zu. Nachdem auch die fällige Entschuldigung der Norweger nachgeholt wurde, zog der russische Schachverband seine Schadenersatzklage zurück. Nun war der Weg geebnet, um ungestört das größte Fest der Schachwelt zu feiern. Und gefeiert wurde viel, praktisch jeden Tag. Die von früheren Olympiaden bekannten "Bermuda-Partys" fanden Nachahmer, es gab Feiern mit irischem, mit georgischem und mit karibischem Flair und sogar eine "Kasparow-Party", bei der ein Illusionist den früheren Weltmeister aus einem vermeintlich leeren Schrank hervorzauberte. An weiteren fünf Abenden wurden im Rahmen des Tromsø-Festivals Konzerte unter freiem Himmel veranstaltet. Imposant waren auch die offiziellen Feiern, die Eröffnungsveranstaltung und die Abschlusszeremonie mit Siegerehrung, die zu den eindrucksvollsten gehörte, die es je gegeben hat.





Ergebnisse der deutschen Teams:




[…]

Yu Yangyi entwickelte sich in den letzten Runden zu einer wahren Punktemaschine, er verbuchte 5,5 Punkte aus sechs Partien und wurde nach der Elo-Leistung der beste Spieler der ganzen Olympiade. Symbolträchtig schoss gerade er in der Schlussrunde das "Goldene Tor", sein Sieg sicherte China den Olympiasieg, selbst wenn sein noch spielender Landsmann am Nachbarbrett verloren hätte (was allerdings nicht der Fall war). Im Übrigen stand Yu Yangyi in dieser Partie, obwohl mit Schwarz spielend, bereits im 19. Zug praktisch schon auf Gewinn.

Sizilianisch B 92
J. Duda (POL, 2576)
Yu Yangyi (CHN, 2668)


1. e4 c5 2. Sf3 d6 3. d4 cxd4 4. Sxd4 Sf6 5. Sc3 a6 6. Le2 e5 7. Sb3 Le7 8. Lg5 Le6 9. Lxf6 Lxf6 10. Dd3 0-0 11. 0-0-0 Le7 12. Kb1 Sd7 13. Sd5 Lxd5 14. Dxd5 b5 15. Db7 Sf6 16. f3 Te8



Bis jetzt geschah nichts Außergewöhnliches. Schwarz schickt sich an, mit …Lf8 und …Te7 die weiße Dame zu vertreiben. Deshalb spielte Weiß 17. c4?! mit der Idee 17. …bxc4 18. Lxc4, und wegen der Schwäche von f7 darf Schwarz nicht …Lf8 spielen. Die richtige Reaktion ist der Partiezug 17. …Lf8! Nach 18. cxb5 folgt 18. …Te7 19. Dc6 Tc7 20. Db6 Tc1+ 21. Txc1 Dxb6. Weiß hat offenbar mit …Lf8 gerechnet und bereitete darauf 18. Dc6 vor, falls nun …Te7?, so 19. Txd7, aber 18. …Db8! entlarvt das ganze weiße Konzept als fehlerhaft. Es droht …Tc8 mit Damenfang, also ist 19. Sa5 erzwungen, um Db7 spielen zu können, aber der feine Zug 19. …Da7! nimmt Weiß auch diese Chance.



Nun verliert 20. Db7 wegen 20. …Df2 21. The1 Tab8 mit Springergewinn in beiden Fällen: 22. Dxa6 Ta8 23. Dxb5 Teb8 24. Da4 Dc5 und 22. Dc6 Tec8 23. Dxa6 Ta8 24. Db7 Tcb8 25. Dc7 Se8 26. Dc6 Txa5.
Schweren Herzens spielte der Pole 20. c5 dxc5 21. Db7 verhinderte damit zwar den soeben aufgezeigten Entscheidungszug …Df2, er büßte aber einen Bauern ein und seine Stellung verlor den kompletten Halt. Es folgte 21. …c4 22. Dxa7 Txa7 23. Tc1 Tc7 24. Sb3 Td7 25. Sa1 Td2 26. Tc2 Ted8 27. b3 c3 28. a4 bxa4 29. Lxa6 a3 30. Lb5 h5 31. h4 g6 32. Te1 Lb4 33. Tec1 Kg7 34. Ka2 Sg8 35. Txd2 Wenn Weiß nicht tauscht, bricht Schwarz mit …f5 nebst …Sf6 durch. 35. …Txd2+ 36. Tc2 Se7 37. Txd2 cxd2 38. Le2 Sc6 39. Sc2 Sd4 40. Sxd4 exd4 Zwar konnte Weiß, bildlich gesprochen mit hängender Zunge, noch die Zeitkontrolle erreichen und sogar ungleichfarbige Läufer aufs Brett bekommen, aber die beiden Freibauern auf den Linien a und d, sowie die freie Bahn für den schwarzen König lassen an dem Ergebnis der Partie keinen Zweifel aufkommen. 41. f4 d3 42. Lf3 Kf6 43. g4 hxg4 44. Lxg4 Ke7 45. e5 Kd8 46. f5 gxf5 47. Ld1 Ke7 48. h5 Kf8 49. Lf3 Kg7 50. Ld1 Kh6 51. Lf3 Kg5 52. Ld1 f4 53. Kb1 Kf5 54. Lf3 Kxe5 55. Ka2 Lf8 56. h6 Kf6 57. Lh5 Lb4 58. Kb1 f3 und wegen 59. Lxf3 Kg6 nebst Bauerngewinn und Königsmarsch bis nach e1 – 0:1

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Auszug aus
"Asiatischer Triumph in Norwegen | China ist die erfolgreichste Nation der Schacholympiade | Platz eins im offenen Wettbewerb, Platz zwei bei den Frauen, wo sich das russische Team durchsetzte"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, September 2014

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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