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Ausgabe 7 mit diesen zentralen Themen ::

Karjakin stiehlt Carlsen die Show






Die drei Erstplazierten (v. l.) Sergej Karjakin, Magnus Carlsen und Alexander Grischuk.

Foto: Cathy Rogers



Innerhalb der letzten Jahre ist in dem Land der Fjorde viel passiert, und vieles davon ist Magnus Carlsen zu verdanken. Sein Sieg bei der Weltmeisterschaft hat das Ansehen des Schachspiels verbessert und die Bereitschaft zum Schach-Sponsoring erhöht. Als der Schachorganisator Kjell Madland vor einem Jahr das erste norwegische Superturnier aus der Taufe hob, hatte er im Vorfeld noch sehr hart arbeiten müssen, um die nötigen Mittel zusammenzubekommen. In diesem Jahr musste er keine Klinken mehr putzen, sondern konnte durch weit geöffnete Türen eintreten. Das zur Verfügung gestellte Budget hat sich gegenüber dem Vorjahr verdreifacht und erreichte fast eine Million Euro, davon 100 000 € für den ersten Preis. Mehr noch: die begeisterten Sponsoren sagten bereits jetzt die Unterstützung für drei weitere Auflagen bis 2017 zu.

[…]



Das Turnier war glänzend besetzt. Von den ersten neun der Weltrangliste waren sieben mit von der Partie. Es wurden viele hochklassige Partien ausgekämpft, aber auch überraschend grobe Fehler produziert. Das war früher auch nicht anders, erklärte Alexander Grischuk, aber damals hat das während der Partie kaum ein Zuschauer bemerkt. Heutzutage werden die Partien in Echtzeit analysiert und die rechengewaltigen Computer melden zumindest taktische Fehler in Sekundenschnelle. "Deshalb denken viele Leute, dass vor 40 Jahren besser gespielt wurde", meinte Grischuk.

[…]

Nach dem Blitzturnier und der Eröffnungszeremonie kehrte am nächsten Tag der Ernst des Schachprofi-Lebens zurück. Im ersten Drittel des Turniers, den Runden 1 bis 3, übernahm Caruana mit 2,5 Punkten die Führung, zugegeben begünstigt durch ein Geschenk von Grischuk. Von den beiden später bestimmenden Teilnehmern war noch nichts zu sehen, der Favorit Carlsen kam nicht über drei Remisen hinaus, und der Vorjahressieger Karjakin remisierte zweimal und verlor gegen Aronian.

Benoni A 62
A. Grischuk - F. Caruana
1. Runde


1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. g3 Lg7 4. Lg2 c5 5. d5 0-0 6. Sc3 e6 7. Sf3 exd5 8. cxd5 d6 9. 0-0 Te8 10. a4 Se4 11. Sxe4 Txe4 12. Sd2 Tb4 13. Ta2 a5 14. b3 b5 15. axb5 Sd7 16. Se4 De7 17. Dc2 Txb5 18. Lg5 Sf6 19. Dd3 Tb7 20. De3 h6 21. Lxf6 Lxf6 22. Df4 Le5 23. Dxh6 Txb3 24. Sxc5 Tb5 25. Sd3 Lg7 26. Dd2 a4 27. Dc2 a3 28. Txa3 Txa3 29. Dxc8+ Kh7 30. Lf3 Tc3 31. Dg4 Tbb3 32. h4 f5 33. Da4 Ta3 34. Dd1 Lh6 35. Kg2 Df6 36. Th1 Dd4 37. Db1 Tab3



Grischuk bekam für die Qualität zwei Bauern bei einer soliden Stellung und fühlte sich wohl. "Ich dachte, vielleicht gewinne ich, vielleicht auch nicht, aber dass ich noch verliere…" Caruana schätzte die Stellung genauso ein (Schwarz muss aufs Halten spielen) und war eigener Aussage zufolge nach dem Partiezug 38. Da2?? versucht, mit 38. …Ta3 39. Db1 Tab3 die Züge zu wiederholen. Im letzten Moment sah er dann den Gewinnzug 38. …Txd3! 39. exd3 Tb2 mit Doppelangriff auf a2 und f2, weswegen 0:1

Grischuk suchte nicht nach einer Ausrede, aber nach einer Erklärung. Er erinnerte daran, dass bei den neuzeitlichen Turnieren die Bedenkzeit von einer Veranstaltung zur anderen wechselt. Mal spielt man mit Zeitzugabe (meist 30 Sekunden) für jeden ausgeführten Zug, so dass die ganz schlimme Zeitnot nicht mehr vorkommt, mal ohne. Letzteres war in Stavanger der Fall, nach dem 40. und dem 60. Zug gab es je eine Zeitkontrolle, und wer so ab dem 30. Zug wenig Zeit hatte, war arm dran und musste unter Umständen alle Züge bis zur Zeitkontrolle in wenigen Sekunden "herunterhacken".

Dieses ständige Wechseln zwischen den verschiedenen Modi bringt einen durcheinander, meinte Grischuk, betonte aber auch, "wenn man etwas einstellt, ist man immer selbst schuld".

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Auszug aus
"Karjakin stiehlt Carlsen die Show | Zweite Auflage des No Logo Norway Chess: wieder Karjakin vor Carlsen"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, Juli 2014

Schach-Magazin a a a
Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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