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Ausgabe 5 mit diesen zentralen Themen ::

Spannender Showdown in der Bundesliga






Der Auftritt des früheren Weltmeisters Anatoli Karpow war einer der Höhepunkte der diesjährigen Bundesligasaison.

Foto: Otto Borik



Am ersten April-Wochenende reisten Schachprofis aus zwei Dutzend Ländern nach Deutschland, genau nach Eppingen, einer badischen Stadt mit nur rund 20 000 Einwohnern, aber mit über 200 Vereinen. Einer davon ist der Schachclub Eppingen (SCE), der dieses Mal die Ausrichtung der zentralen Runde der Bundesliga übernommen hatte und diese Aufgabe meisterhaft schultern konnte. Mit der Vorbereitung begannen die Ausrichter bereits vor 18 Monaten, also im Laufe der vorletzten Saison, und sie konnten während der Veranstaltung auf rund einhundert ehrenamtliche Helfer zählen. Kein Wunder, dass die Organisation des Events (drei Bundesligarunden mit 16 Teams plus umfangreiches Rahmenprogramm) "wie eine präzise tickende Schachuhr" ablief. Diese Einschätzung des an diesem Erfolg maßgeblich beteiligten SCE-Vorsitzenden Rudi Eyer teilten auch die Aktiven, die Betreuer, die Offiziellen und auch die Besucher der Veranstaltung in der lichtdurchfluteten und geräumigen Eppinger Hardwald-Halle.

[…]





[…]

Aus dem Match Hockenheim - Eppingen präsentieren wir aus gegebenem Anlass den Sieg von Dennis Wagner. Wie bereits gemeldet, gehört der 16-Jährige aus Kassel der "Prinzen"-Truppe an, einer Gruppe von Talenten, die vom Deutschen Schachbund gefördert wird. Zwei von ihnen erfüllten in dieser Bundesliga-Saison eine Großmeisternorm. Für Matthias Blübaum (Werder Bremen) war es schon die zweite, für Dennis Wagner die erste Norm. In dem Match gegen Eppingen bezwang er quasi einen Vorgänger: Auch Arik Braun (Jahrgang 1988) war seinerzeit einer der besten deutschen Jugendlichen. Allerdings konnte er anno 2006 mit einem Gewinn der U18-Jugendweltmeisterschaft einen Erfolg verbuchen, den die heutigen "Prinzen" erst einmal nachmachen müssen, ebenso wie seinen Sieg bei der Deutschen Meisterschaft (der Erwachsenen) im Februar 2009. Braun traf danach jedoch eine prinzipielle Entscheidung, er wählte nicht die Laufbahn eines Berufsspielers, sondern nahm ein Studium auf und konzentriert sich seitdem weniger aufs Schach.

Wie sich Dennis Wagner später einmal entscheidet, steht in den Sternen. Im Moment ist er voll dabei und konnte sich auch gegen GM Braun durchsetzen.

Damengambit D 15
D. Wagner (Hockenheim, 2481)
A. Braun (Eppingen, 2564)


1. c4 c6 2. Sf3 d5 3. e3 Sf6 4. Sc3 a6 5. d4 b5 6. b3 Lg4 7. Le2 e6 8. h3 Lh5 9. g4 Lg6 10. Se5 Sfd7 11. Sxg6 hxg6 12. Dc2 In dieser bereits wiederholt gespielten Stellung entwickelten sich die Schwarzspieler zumeist nach dem Schema …Le7, …Sf6 und …Sbd7. Braun hatte sich eine neue Idee zurechtgelegt. 12. …Ta7 13. Kf1 f5 14. Kg2 Sf6 15. f3 Tf7 Nun wird allmählich klar, was Braun mit seinem Zug 12. …Ta7 beabsichtigte: Er will nach …Ld6 und …0-0 eine Verdoppelung der Türme auf der f-Linie erreichen. Dieser Plan hat aber einen Haken, nach der Rochade kann der schwarze König mit einem Vormarsch des h-Bauern belästigt werden. 16. Ld2 Ld6 17. Tag1 0-0 18. g5 Se4



Braun verließ sich offenbar auf dieses Springeropfer, oder genauer Opferangebot. Die Annahme 19. fxe4 fxe4 öffnet den schwarzen Schwerfiguren den Weg nach f2 und g5. Zwar sind die Folgen von 20. Le1 Dxg5+ 21. Lg4 nicht ganz klar, z. B. 21. …Sd7 (21. …Tf3 kann mit 22. Tf1 Dxe3 23. Txf3 exf3+ 24. Kf1 beantwortet werden, da 24. …f2 25. Lxf2 Lg3 26. Sd1 alles hält.) 22. Tf1 Sf6 23. De2 mit ungewissem Ausgang der Partie, dennoch wäre das Schlagen des Springers auf e4 zumindest mit Risiken verbunden. Die Partiefortsetzung 19. f4! ist besser. Weiß schließt das Zentrum, auf der f-Linie spielt sich künftig nichts mehr ab, auf der einzigen offenen Linie wird nun Weiß alleine agieren. 19. …Sxd2 20. Dxd2 Der schwarze König kann nicht gut fliehen, z. B. 20. …Td7 21. c5 Lc7 22. h4 Kf7 23. h5 gxh5 24. Txh5! Th8 25. Tgh1 Txh5 26. Lxh5+ mit Vorteil für Weiß nach …Ke7 27. Lg6 und Th7. 26. …g6? verbietet sich wegen 27. Lxg6+! Kxg6 28. Th6+ Kg7 29. Dd1 De8 (gegen Dh5 gerichtet, aber …) 30. Dh1! Dg8 31. Dh5 schlägt definitiv durch. 20. …Lb4 21. h4



Der Angriff auf der h-Linie ist kaum aufzuhalten. Besonders schwer fällt ins Gewicht, dass Weiß von hier an vor einer leichten Aufgabe steht: einfach die h-Linie öffnen und dann auf g6 einen seiner Steine postieren, entweder den Bauern (siehe Partie) oder den Läufer wie z. B. nach 21. …dxc4 22. h5 gxh5 23. Lxh5 Da5 24. Lg6 Td8 (24. …Lxc3 führt nach 25. Lh7+ Kh8 26. De2 zum Mattangriff.) 25. De2 Lxc3 26. Dh5 mit ausgezeichneten Chancen.

In der Partie kommt es für Schwarz noch schlimmer: 21. …dxc4 22. h5 Tb7 23. hxg6 Te8 24. bxc4 Kf8 25. Sd5! Hübsch, wenn auch nicht mehr schwer zu finden, z. B. 25. …Lxd2 26. Th8 matt oder wie in der Partie 25. …exd5 26. Dxb4+ Kg8 27. Th7 Txe3 28. Tgh1 Txe2+ 29. Kf1 1:0

Mit dem Sieg in diesem nun ausreichend dokumentierten Match konnte sich der SV Hockenheim auf den "bronzenen" Rang vorschieben und die Fahrkarte zum Europacup sichern, während die Eppinger zum dritten Mal hintereinander auf dem undankbaren vierten Platz landeten.

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Auszug aus
"Spannender Showdown in der Bundesliga | Kämpfe um die Europacupplätze und um den Klassenerhalt stellten die Kür des Meisters in den Schatten
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, Mai 2014

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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