<00i> Schach-Magazin
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Ausgabe 3 mit diesen zentralen Themen ::

Im Zeichen der Diamanten






Siegerehrung mit (v. l.) Viswanathan Anand, Levon Aronian, Magnus Carlsen, Dr. Christian Issler (Präsident der SG Zürich), Hikaru Nakamura, Sponsor Oleg Skvortsov, Fabiano Caruana und Boris Gelfand

Foto: Cathy Rogers



Bei dem Turnier, von dem gleich die Rede sein wird, trifft der Begriff "hochkarätig" in zweierlei Hinsicht zu: Mit dem amtierenden Weltmeister, seinem Vorgänger sowie vier weiteren absoluten Spitzenkönnern kam ein Teilnehmerfeld der Sonderklasse zusammen, und die Firma IGC des Sponsors Oleg Skvortsov ist ein weltweit bedeutendes Unternehmen im Bereich der Prüfung und Bewertung von Diamanten. Skvortsov, der vor Beginn seiner geschäftlichen Karriere ein sehr guter Spieler war (vgl. seine Glanzpartie auf Seite 10) bereicherte die Schachszene wiederholt mit Klasse-Veranstaltungen. So finanzierte er 2012 - ebenfalls in Zürich - das private Match zwischen Aronian und Kramnik, im Vorjahr einen Viererkampf mit Anand, Kramnik, Gelfand und Caruana, zu dem er als Spezialgast keinen Geringeren als Garry Kasparow einlud. In diesem Jahr erweiterte er die Zahl der Teilnehmer um zwei Spieler und wartete auch noch mit einem Experiment auf. Eigentlich wurden zwei Turniere gespielt, das erste nach klassischen Turnierschachregeln (lange Bedenkzeit), das zweite im Schnellschach. Für die Preisvergabe wurden dann die im Hauptturnier erzielten Punkte doppelt und die im Schnellschachturnier einfach gezählt. Die Summe der Teilergebnisse war für die Gesamtwertung entscheidend.

Magnus Carlsen konnte bei seinem ersten Turnierauftritt als Weltmeister diesen Mehrkampf für sich entscheiden. Der Norweger musste um den Sieg zittern, denn im Schnellschach lief es für ihn nicht so gut und im Hauptturnier sprang er in einer Partie (gegen Nakamura, siehe weiter) dem Gegner regelrecht von der Schippe. Ende gut, alles gut, jedenfalls aus norwegischer Sicht; aus indischer Sicht weniger, denn Anand hätte nach dem Verlust des WM-Titels dringend eine Seelenmassage in Form eines Turniersiegs oder wenigstens einer guten Platzierung gebrauchen können, doch er konnte gerade noch die Rote Laterne vermeiden.

[…]





Gesamtwertung

  1. Magnus Carlsen 10
  2. Fabiano Caruana 9
  3. Levon Aronian 9
  4. Hikaru Nakamura 7,5
  5. Viswanathan Anand 5
  6. Boris Gelfand 4,5
[…]

Auch dadurch rückte Aronian noch mehr in den Fokus der Öffentlichkeit, im Mittelpunkt blieb dennoch der neue Weltmeister. Diese hatte gerade eine USA-Tour hinter sich, wo sein Manager unter anderem ein Treffen mit zwei steinreichen Unternehmern (Microsoft-Gründer Bill Gates und Facebook-Chef Mark Zuckerberg) arrangierte, gewiss nicht ohne Hintergedanken. Gegen Gates spielte Carlsen sogar eine öffentliche Partie, die zwar erwartungsgemäß einseitig, aber nicht ereignislos verlief; mehr in einem Spezialbeitrag auf Seite 10. Hier bleiben wir in Zürich, wo Carlsen gleich in der ersten Runde seine Klasse erneut unter Beweis stellte.

Grünfeldindisch D 78
M. Carlsen - B. Gelfand
1. Runde


1. c4 g6 2. d4 Sf6 3. Sf3 Lg7 4. g3 c6 5. Lg2 d5 6. Da4!?



In den meisten seiner Partien verlässt Carlsen in den Eröffnungen den Mainstream. Oder er vermeidet wenigstens scharfe Varianten, die man mit Computern ellenlang analysieren und dann dem Gegner um die Ohren schlagen kann. Der Partiezug kam bis jetzt nur in rund einem Prozent der mit dieser Eröffnung begonnenen Partien vor. Das eine Ziel kann man salopp mit "raus aus der Theorie" umschreiben. Das andere ist, den Bauern c4 zu retten, ohne mit cxd5 die Stellung zu verflachen.

Nach dem Partiezug 6. Da4 geschah in einigen Partien 6. …dxc4 7. Dxc4 Le6 8. Da4 0-0 9. 0-0 Sbd7 10. Sc3 Lf5 (10. …Sb6 erlaubt 11. Dc2 nebst e4 und Besetzung des Zentrums.) 11. Dd1 Se4 12. Sh4 Sxc3 13. bxc3 Le6 14. e4, und auch hier macht sich Weiß im Zentrum breit.

Gelfand spielte 6. …0-0 7. 0-0 Sfd7!? Es droht …Sb6 mit Bauerngewinn, und falls 8. cxd5, so …Sb6 9. Dc2 cxd5, gefolgt von der natürlichen Figurenentwicklung …Lf5 und …Sc6. 8. Dc2 Weiß vermeidet den Angriff …Sb6 und freut sich auf den Raumvorteil im Zentrum nach 8. …dxc4 9. Dxc4 Sb6 10. Dc2 nebst e4 wie bereits dargelegt. Dazu kam es in einer früheren Partie von Gelfand. 8. …Sf6!?



Diesmal wartet der Vize-Weltmeister 2012 mit einer ganz ungewöhnlichen Idee auf, mit der Carlsen eigener Aussage nach gar nicht gerechnet hatte und sich sodann eine halbe Stunde lang Zeit nahm, um nachzudenken. "Ich merkte, dass ich eine Weile nicht gespielt hatte", kommentierte er, "ich konnte mich nicht zu einer Entscheidung durchringen. Aber nach ein paar Zügen war mir schon wieder klar, wie man Schach spielt", fügte er lachend hinzu. 9. Lf4 Lf5 10. Db3 Db6 11. Sbd2 Se4 12. e3 Dxb3?! Nach der Partie plädierte Carlsen eher für …. Sd7 und vertrat die Meinung, sein Gegner habe bei dem Damenabtausch den 15. Zug von Weiß nicht ausreichend beachtet. 13. axb3 Sa6 14. cxd5 cxd5





Weiter geht’s im Märzheft

 


Auszug aus
"Im Zeichen der Diamanten | Superturnier in Zürich | Carlsens erster Auftritt als Weltmeister
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, März 2014

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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