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Ausgabe 1 mit diesen zentralen Themen ::

Schönheit kommt vor Alter




Foto: Anezka Kruzikova

Analyse nach dem großen Duell zwischen Kaschlinskaja (l.) und Gulko. Stehend vorn v. l. GM Radoslaw Wojtaszek (Freund und Trainer von Kaschlinskaja), GM Martin Petr (einer der Kommentatoren), SM64-Berichtersttatter IM Otto Borik, Schiedsrichter IM Pavel Votruba und GM Genna Sosonko, im Vorjahr im Veteranenteam, diesmal als Ehrengast dabei.


In den 90er Jahren gehörten die von dem holländischen Multimillionär und Schachförderer Joop van Oosterom organisierten Vergleichskämpfe zwischen Großmeistern der älteren Generation und einer Weltauswahl der Frauen zu den schönsten Veranstaltungen weltweit. Die alten Maestros mussten niemandem etwas beweisen oder auf ihre Elozahl achten, also legten sie unbeschwert los, und die Damen, zumindest im Twen-Alter, spielten so, wie man es in diesem Alter tut und scheuten keinen Kampf. Auf diese Weise kamen oft aufregende Partien zustande, die sich von manchem Profiwettbewerb mit hoher Kurzremisen-Quote angenehm absetzten.

Als sich Van Oosterom aus gesundheitlichen Gründen zurückzog, verschwanden diese medienwirksamen Matches aus dem Turnierkalender. Anfang Dezember 2007 wurde diese Tradition in einem etwas kleineren, aber schönen Rahmen wiederbelebt. Der Verdienst gebührt der 2004 gegründeten "Prager Schachgesellschaft". Diese Gruppe um Mag. Pavel Matocha organisierte seither fast 50 Veranstaltungen teils mit weltberühmten Spielern, darunter eben auch diese Matches. Als Austragungsorte dienen stets tschechische Badeorte, in denen historische Schachturniere ausgetragen wurden, wie Karlsbad und Marienbad, im letzten und in diesem Jahr fand das Match in Podebrady statt. Der Name dieses unweit von Prag (ca. 50 km in östlicher Richtung) gelegenen Badeorts dürfte nicht jedermann bekannt sein, aber schachhistorisch beschlagene Schachfreunde kennen den Namen: Hat doch anno 1936 dort ein Turnier mit drei der berühmtesten Spieler jener Zeit stattgefunden, mit dem Schachgenie Alexander Aljechin (Weltmeister der Jahre 1927-1935 und 1937-1946), der ersten Weltmeisterin Vera Menchik (die sieben WMs in Folge gewann und unbesiegt starb) und Salo Flohr, der zu diesem Zeitpunkt zu den fünf besten Spielern der Welt gehörte und der auch bei diesem historischen Turnier vor Aljechin siegte.



[…]

Das Match wurde als "klassischer Scheveninger" ausgetragen, sprich, jedes Mitglied des einen Teams spielte gegen jedes des anderen Teams mit Farbwechsel je zwei Partien. Es gab also acht Runden und am Ende standen die Damen mit 17,5:14,5 als Siegerinnen fest. Im Großen und Ganzen war das Match ausgeglichen und wäre wohl unentschieden ausgegangen, hätte Uhlmann nicht in einer besseren Stellung die Zeit überschritten und in einer anderen Partie die Gewinnstellung verloren.

Katalanisch E 04
B. Gulko - A. Kaschlinskaja
7. Runde, 7. 12. 2013


1. d4 Sf6 2. c4 e6 3. Sf3 d5 4. g3 dxc4 5. Lg2 c5 6. 0-0 Sc6 In diesem sogenannten Katalanischen Gambit kann Weiß den geopferten Bauern zurückgewinnen, z. B. 7. dxc5 Dxd1 8. Txd1 Lxc5 9. Sbd2 Sa5 10. Se5. Der Partiezug 7. Sa3 leitet ein echtes Gambit ein, Schwarz behält nun den Mehrbauern, aber Weiß kann über einen langen Zeitraum die Initiative behaupten 7. …cxd4 8. Sxc4 Lc5 9. a3 a5 10. Ld2 0-0 11. Tc1 Die erste kleine Drohung - Sxa5, gefolgt von b2-b4 - taucht am Horizont auf. 11. …Ld6 12. e3 Im Falle von 12. …dxe3 13. Lxe3 Lc7 14. De2 nebst Tfd1 wird Schwarz zur Passivität verurteilt. 12. …e5 13. exd4



Falls nun 13. …exd4, so 14. Sxd6 Dxd6 15. Lf4 Dd8 16. Se5 Sxe5 17. Lxe5 d3 18. Tc4. Weiß holt sich mit Td4 den Bauern zurück und steht wegen seines besseren weißfeldrigen Läufers (der auf b7 drückt, während der Lc6 nur diesen Punkt verteidigt) und der Herrschaft auf der d-Linie besser. Alles diese Varianten und noch viele mehr zeigte der polnische Topgroßmeister Wojtaszek im Kommentarraum dem Publikum. Er beschäftigte sich sehr viel mit dieser Partie, nicht nur weil hier seine russische Freundin spielte, sondern weil die drei anderen Partien an dem Tag quasi ausfielen. Eine fand wegen der gesundheitlichen Indisposition von Muzychuk gar nicht statt, die beiden anderen endeten - eine große Ausnahme bei diesem sonst von Kampfgeist geprägten Turnier - mit Kurzremisen. Und so hatte Wojtaszek "allen Ballast abgeworfen" und konnte sich ausschließlich der Partie seiner Alina widmen. Er sagte auch richtig voraus, dass sie nun nicht auf d4 zurückschlagen, sondern 13. …e4 spielen würde. 14. Sfe5 Sxd4 15. Sxd6 Dxd6 16. Sc4 Dd8 17. Lc3 Sf3+ 18.Lxf3 exf3 19. Dxf3 Lg4 Mit dieser Abwicklung konnte Kaschlinskaja dem Gegner dessen Stolz - den katalanischen Läufer g2 - abknöpfen, allerdings noch keinen vollen Ausgleich erreichen. Der Läufer c3 kann ja gelegentlich auf f6 schlagen und die gegnerische Bauernstruktur demolieren. 20. Df4 Gulko verzichtete auf die Abwicklung 20. Dxb7 Le2 21. Tfe1 Lxc4 22. Lxf6 Dxf6 23. Txc4 wegen 23. …Tab8 24. Dd5 Dxb2 25. a4 (25. Dxa5 Ta8 remis) 25. …Tb4 26. Tee4 Da1+ 27. Kg2 Dxa4 28. Txb4 axb4 29. Db7 remis. 20. …Le2 21. Lxf6 Dxf6 22. Dxf6 gxf6 23. Tfe1 Lxc4 24. Txc4



Dieses Viertürme-Endspiel wurde nach der Partie in einer fachkundigen Runde analysiert, an der sich neben den Gegnern auch zwei besondere Könner beteiligten. Zum einen der erwähnte Topgroßmeister Wojtaszek, zum anderen der Altmeister Gennadi Sosonko, seinerzeit ebenfalls ein Topspieler, der obendrein viele Jahre lang der niederländische "Bondscoach" (Bundestrainer) war.

Weiter geht’s in der Januarausgabe 2014.

 
Auszug aus
"Schönheit kommt vor Alter | Junge Damen besiegen berühmte Veteranen"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, Januar 2014

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Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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