Schach-Magazin
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Ausgabe 10 mit diesen zentralen Themen ::

Chess City St. Louis




Das Ehepaar Jeanne und Rex Sinquefields mit dem Astronauten Greg Shamitoff (r.), der auf der vorletzten Space Shuttle Mission dabei war, gerne Schach spielt und eine Partie gegen die Welt gespielt hat. Da er die Partie nicht fertig spielen konnte, wurde sie in St. Louis mit den Pfadfindern als Lebendschachspiel weiter gespielt; sie endete Remis. Er übergab ein Brett mit Unterschriften der Teilnehmer an der US Meisterschaft 2011, das er an Bord der Space Shuttle mitgenommen hatte.
Foto: Eric van Reem


Das amerikanische Sport-Magazin "ESPN Magazine" nannte St. Louis einmal die "ultimative Sport-Stadt". In dem Ort, der im US Bundesstaat Missouri am Mississippi liegt und mit etwa 320.000 Einwohnern für amerikanische Verhältnisse recht überschaubar ist, finden an fast jedem Wochenende zahlreiche Sportereignisse statt. Es gibt drei bekannte Profisportmannschaften in der Stadt: die Rams (American Football), die Blues (Eishockey) und die Cardinals (Baseball). Aber Schach in St. Louis? Bis auf vier Weltmeisterschaftspartien die Steinitz und Zukertort 1886 (!) hier spielten, kam Schach in St. Louis eher eine untergeordnete Rolle zu. Aber seit einigen Jahren boomt Schach in St. Louis. Es gibt z. B. eine Schachmannschaft, die St. Louis Archbishops, die erst 2010 in der amerikanischen Liga debütierte. Noch läuft es nicht rund für die Archbishops, in der ersten Runde der neuen Saison verlor die Mannschaft um GM Ben Finegold gegen die San Francisco Mechanics.

[…]

Der Schachboom in St. Louis wurde von Rex Sinquefield initiiert. Der pensionierte Geschäftsmann, der in einem Waisenhaus in St. Louis groß geworden ist und sich zu einem der einflussreichsten Finanzgenies der USA hochgearbeitet hat, widmet sich mit seiner Frau Jeanne neben unzähligen anderen philanthropischen Projekten seiner alten Liebe, dem Schach. Er war schon als Kind fasziniert, als er einen Film sah, in dem Schach gespielt wurde. Allerdings musste er noch eine Weile warten, bis er endlich Schach spielen konnte, da niemand in seinem Umfeld Schach spielte. Erst als er dreizehn Jahre alt war, brachte ihm sein Onkel Fred die Spielregeln bei. Sinquefield spielte bis 1985 regelmäßig Turniere, musste aber wegen eines Umzugs nach Kalifornien sein Hobby vorübergehend aufgeben. Nach seiner Rückkehr nach St. Louis im Jahr 2006 gründete er das "Chess Club and Scholastic Center" und vor zwei Jahren, im September 2009, kaufte Sinquefield direkt gegenüber des Chess Clubs ein Gebäude, wo am 8. September 2011 die "World Chess Hall of Fame" eröffnet wurde. Auf drei Stockwerken sind hier wechselnde Ausstellungen zu sehen. Neben seltenen Schachfiguren und Schachbrettern kann man auch das Brett sehen, auf dem Boris Spassky und Bobby Fischer die berühmte dritte Partie in ihrem Match 1972 in einem Hinterzimmer spielten. Anfang des Jahres berichteten wir bereits im "Surfbrett" über die Auktion, jetzt wissen wir, wer die $ 76,275 für das Brett bezahlt hat!

Am 8. September wurde die Hall of Fame eröffnet, und Ihr Berichterstatter staunte nicht schlecht, als sogar die Straßen um das Museum von der Polizei gesperrt wurden. Viele bekannte Gesichter aus der amerikanischen Schachwelt waren bei der feierlichen Eröffnung anwesend, auch die Spielerinnen und Spieler, die wenige Tage später im Kings vs. Queens Turnier spielten. Die fünf Damen sollten eigentlich von Judit Polgar angeführt werden, die aber in Chanty Mansijsk beim World Cup für Furore sorgte und kurzfristig absagen musste. So spielten im Damenteam jetzt GM Katerina Lahno, IM Anna Zatonskih, GM Alexandra Kosteniuk, IM Irina Krush und die Ersatzfrau IM Martha Fiero aus Equador. Die Organisation musste einen weiteren Rückschlag hinnehmen, als auch Ex-Weltmeister Anatoli Karpow kurzfristig seine Teilnahme wegen "politischer Verpflichtungen" absagte. Die Herrenmannschaft wurde somit vom Lokalmatador Hikaru Nakamura angeführt und außerdem spielten IM Mark Arnold, GM Ben Finegold, IM Jacek Stopa aus Polen und NM Kevin Cao. Der Ratingschnitt der beiden Teams war 2476. Es wurde ein Scheveninger Schnellschachturnier gespielt, und das Besondere war, dass auch Chess960 gespielt wurde.



Das komplette Team der „Queens“ (v. l.) Irina Krush, Alexandra Kosteniuk, Katerina Lahno, Martha Fierro und Anna Zatonskih. Die „Kings“ (v. l.): Jacek Stopa, Hikaru Nakamura, Marc Arnold, Ben Finegold und Kevin Cao | Fotos: Eric van Reem



Martha Fierro – Hikaru Nakamura
Schwarz am Zug

Es sind bereits 80 Züge geschehen. In der total verrammelten Stellung konnte sich Nakamura nicht mit dem Remis abfinden und zog hin und her, ohne voranzukommen. In der Diagrammstellung überzog er mit 81. …Te5? Fierro reagierte zunächst richtig mit 82. Txf4 Weiß gewinnt nun nach 82. …Txf4+ 83. Sxf4 nebst Sxg6, da 83. …Txg5? an der Gabel 84. Se6+ scheitert. Aber auch der Partiezug 82. …Td7 hätte den Nachziehenden nicht retten dürgen. 83. Sc7! gewinnt in wenigen Zügen. Weiß droht 84. Se6+ Txe6 85. e5+ Kxe5 86. d4+ cxd4 87. Ta1 nebst Te1 matt. Falls 83. …Tde7 (Verhindert Se6+, weil dann T8xe6 käme, der andere Turm bleibt auf e5, um das Abzugsschach e4-e5 zu unterbinden.), so 84. Tb3 Lh8 85. Sxa6 bxa6 (Oder 85. …Txg5 86. Sc7 Tg4 87. a6, und einer der weißen Bauern kommt durch.) 86. b7 Txb7 87. Txb7 Kxd3 88. Tb8 Lg7 89. Tf7, und Schwarz verliert auch noch den Läufer. Zu ihrem Schaden spielte Fierro 83. Sf6? und vergab damit den Sieg. Es folgte 83. …Lxf6 84. gxf6 Tf7 85. Ke2 g5 86. Tf3 g4 87. Tf4 Tg5 88. Ta1 Ke5 89. Ke3 Txf6 90. Txf6 Kxf6



Nach 91. Th1 ist ein Gewinn für Schwarz nicht in Sicht, z. B. …g3 92. fxg3 Txg3+ 93. Kf4 Tg4+ (Oder 93. …Txd3 94. Txh5 Td4 95. Th7 Txc4 96. Txb7 d5 97. Tc7 Txe4+ 98. Kf3 Te8 99. Txc5 Ke5 100. Tc7 mit gleichem Spiel.) 94. Ke3 Kg5 95. Tf1 Tg3+ 96. Ke2 h4 97. Tf7 h3 98. Txb7 (droht Th7 nebst b7) 98. …Kg6 99. Tb8 Kh7 100. Tb7+ mit remis. 91. d4? Jetzt verliert sie das noch.91. …cxd4+ 92. Kxd4 h4 93. Th1 g3! 94. fxg3 hxg3 95. Tg1 g2 96. Ke3 Ke5 97. Kf3 Tg7 98. Ke3 Tg3+ 99. Kf2 Tg7 100. Ke3 Tg8 101. Kf3 Kd4 0:1

 
 
Auszug aus
"Chess City St. Louis | World Chess Hall of Fame eröffnet | Match „Queens“ vs. „Kings“"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, Oktober 2011

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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