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Ausgabe 8 mit diesen zentralen Themen ::

Spitzenschach in der Stadt der tanzenden Derwische


Teilnehmer

Das Siegerteam von ISEK Aquamatch, dessen Spitzenspieler Rustam Kasimdzahnov (hintere Reihe fünfter von links) auch Platz eins bei der Brettpunktwertung belegte. | Foto: A. Karlovich


Während die deutsche Bundesliga immer noch vergeblich nach einem Generalsponsor sucht, hat es ihr Pendant am Bosporus besser. Die größte Privatbank der Türkei, die Isbank, fungiert als Hauptsponsor und das schon seit mehreren Jahren. Unverändert blieb auch das bewährte Konzept, nur die ersten vier Bretter der Zehnerteams beliebig (meist, aber nicht zwingend nur mit Männern) zu besetzen, ab dem fünften bis zu dem letzten Brett kommen Jugendliche und Frauen zum Einsatz.

Auch der Austragungsort war derselbe wie im letzten Jahr, nämlich Konya, eine ca. 200 km südlich von Ankara gelegene, etwa 5 000 Jahre alte Stadt, die unter anderem auch in der Bibel Erwähnung fand (unter der Bezeichnung Ikonion in der Apostelgeschichte und bei den Reisen des Apostels Paulus). Einen hohen Bekanntheitsgrad genießen die tanzenden Derwische, die mittlerweile zu einer touristischen Attraktion dieser Region geworden sind.

Nicht wenige aus Deutschland buchbare Rundreisen nach Kappadokien (also in eine der wenigen bekannten touristischen Gegenden in der Türkei, die nicht aus endlosen Stränden bestehen) gehen auch mit einer Übernachtung in Konya einher. In Konya ist ein interessantes Museum über den im 13. Jahrhundert n. Chr. lebenden muslimischen Sufi-Geistlichen Mevlana, der seinerzeit als Sinnbild für Toleranz und Nächstenliebe galt und weiterhin gilt. Die UNESCO hatte diesem historischen Bewohner der Stadt sogar das Jahr 2007 gewidmet.

Der Grund für seine Berühmtheit ist, dass er die Fähigkeit besaß, die Lehre in Poesie wiederzugeben.

Komm, wer du auch seiest!
Wanderer, Anbeter, Liebhaber des Loslassens, komm.
Dies ist keine Karawane der Verzweiflung.
Auch wenn du deinen Eid tausendmal gebrochen hast,
komm nur, und noch einmal: komm.

Ob auch diese Einladung nach Konya dazu beitrug, dass 277 Schachsportler teilnahmen, vermögen wir nicht zu beurteilen.

Die diesjährige Meisterschaft fand vom 27. Juni bis zum 9. Juli statt, erneut als vollrundiges Turnier von 14 Teams. Sieger wurde das Team ISEK Aquamatch mit 23:3 Mannschaftspunkten und 82,0 Brettpunkten, gefolgt von Yapi Kredi (21 MP, 79,0 BP) und Adana Truva (letzteres Wort ist türkische Bezeichnung für Troja) mit 21 MP und 74,5 BP. Die gleiche Brettpunktzahl, jedoch zwei Mannschaftspunkte weniger wies das Team der Technischen Universität Istanbul auf, das damit knapp die Medaillenränge verfehlte. Auf Rang 5, mit 17:7 MP und 70,0 BP, kam der Vorjahressieger Doruk-Kolleg aus Manisa an.

Ein weiterer Blick auf die Sponsoren des Meisters und Vizemeisters verrät, dass Schach in der Türkei nach wie vor in vielen Bereichen ein Werbeträger ist: Der Sponsor Aquamatch ist ein türkischer Hersteller von Wasseraufbereitungsanlagen und ein Joint Venture mit der amerikanischen Aquamatch Inc. Das Kürzel ISEK im Vereinsnamen kommt wiederum von: "Istanbul Satranc Egitim Kulübü", was so viel heißt wie: "Schachausbildungszentrum Istanbul". Dies ist zudem ein weiterer Hinweis auf den zunehmenden Wert, der in der Türkei auf eine schachliche Infrastruktur gelegt wird. Yapi Kredi wiederum ist eine der führenden Privatbanken in der Türkei und neben der Isbank ein weiterer Beweis dafür, wie sehr es hier gelungen ist, Schach als Werbeträger für den Finanzsektor zu gewinnen.

Endstand

[…]

Kasimdzhanov spielte schon im Vorjahr für ISEK, der zweite Topspieler war im letzten Jahr der Engländer Michael Adams, der diesmal nicht dabei war. Das zweite Brett war dennoch in guten Händen, Liviu-Dieter Nisipeanu punktete in allen wichtigen Spielen.

Spanisch C 95
L. -D. Nisipeanu (ISEK, 2662)
T. Sanikidze (Yesilköy, 2524)
1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 a6 4. La4 Sf6 5. 0-0 Le7 6. Te1 b5 7. Lb3 d6 8. c3 0-0 9. h3 Sb8 10. d4 Sbd7 11. Sbd2 Lb7 12. Lc2 Te8 13. a4 Lf8 14. Ld3 c6 15. b3 g6 16. Lb2 Lg7 17. Dc2 Tc8 18. Tad1 Dc7 19. Db1 Tcd8 20. Da1 Sh5 21. Lf1 Sf4 22. c4 b4 Nach einem großen Geschiebe belebte Nisipeanu das Spiel mit 23. c5!? mit der Idee 23. …dxc5 24. dxe5 Sxe5 25. Sxe5 Lxe5 26. Lxe5 Txe5 27. Sc4, und mit seinem gut postierten Springer sowie der besseren Bauernstruktur dürfte Weiß die besseren Aussichten besitzen. In der Partie geschah 23. …d5 24. Sxe5 Sxe5 25. dxe5 Lxe5 26. Lxe5 Txe5 27. Sf3!

Stellung nach 27.Sf3

Mit seinem starken letzten Zug übernimmt Weiß das Kommando. Die Pointe lautet 27. …Txe4 28. Txe4 dxe4 29. De5! Dc8 (29. …Dxe5?? 30. Txd8+; 29. …Tc8 30. Dxe4) 30. Txd8+ Dxd8 31. Dxe4 Se6 32. Dxb4 mit Bauerngewinn und klar besserer Stellung. 27. …Tee8 28. Df6 Se6?! Das kleinere Übel war 28. …dxe4 29. Txe4 Sd5 30. Dh4 und Vorteil für Weiß. 29. exd5 cxd5 30. Se5 Sxc5 31. Tc1 Lc8 32. Sc6 Nicht zu verachten war auch der Materialgewinn mit 32. Txc5 Dxc5 33. Dxf7+ Kh8 34. Sxg6+ hxg6 35. Txe8+. 32. …Se4 33. Sxd8 Sxf6?! Das verliert schnell, allerdings war der weiße Vorteil auch nach 33. …Dxd8 34. Dxd8 Txd8 35. Tc7 nebst Ta7 sehr groß. 34. Txc7 Txe1 35. Txc8 Kg7 36. f3 d4 37. Kf2 Te8 38. Lxa6 – 1:0

 
Auszug aus
"Spitzenschach in der Stadt der tanzenden Derwische | Türkische Liga: ISEK Aquamatch wird Meister"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, August 2011

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Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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