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Ausgabe 7 mit diesen zentralen Themen ::

Betrugsfall überschattet die Deutsche Meisterschaft


Igor Khenkin

Der Deutsche Meister 2011 Igor Khenkin wurde am 21. März 1968 in der russischen Stadt Wladimir geboren. Sein Talent als Schachspieler wurde früh entdeckt und er wurde von den renommierten Trainern Mark Dworetski und Alexander Nikitin betreut. Mit 24 Jahren erlangte er den GM-Titel. Zeitgleich erwarb er an der Moskauer Sportakademie ein Diplom als Schachlehrer. In den frühen 90er Jahren emigrierte Khenkin nach Israel, verließ das Land aber wieder wegen Unstimmigkeiten mit den dortigen Schachfunktionären und zog nach Weilburg in Hessen, wo seine Eltern nach der Emigration lebten. Khenkin besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft und repräsentierte wiederholt den DSB bei internationalen Anlässen, so auch bei der Schacholympiade 2008. | Foto: Otto Borik


Schon gleich zu Beginn der Veranstaltung hatte es Missstimmungen gegeben. Zuvor muss erwähnt werden, dass bei diesem Turnier die sogenannte Null-Karenz-Regel angewandt wurde, die besagt "Jeder Spieler, der erst nach dem Spielbeginn am Schachbrett erscheint, verliert die Partie. Die Wartezeit beträgt somit null Minuten. Das Turnierreglement kann etwas anderes bestimmen." (FIDE-Regeln, Ziffer 6.6, Buchstabe a).

[…]

Eine Partie, die noch lange in Erinnerung bleibt! Der 14-jährige Rasmus Svane dürfte als eines der größten Talente im deutschen Schach gelten. Manche meinen, nicht ganz so wie Carlsen, aber gut genug, um es einmal in die A-Nationalmannschaft zu schaffen.

In dieser spielten anno 2008 unter anderen Gustafsson und Khenkin, die sich bei dieser Meisterschaft die ersten beiden Plätze teilten. Nach der Wertung lag Khenkin knapp vorn. Für ihn muss dies eine große Genugtuung gewesen sein. Wir erinnern uns: vier der fünf Olympiaspieler von 2008 forderten von dem Deutschen Schachbund mehr Geld, doch der DSB konnte oder wollte nicht zahlen. Es kam zu keiner Einigung, Naiditsch, Meier, Fridman und Gustafsson waren bei der Olympiade 2010 nicht mit dabei. Der DSB nominierte eine junge Mannschaft, die den 64. Platz belegte, das schlechteste Ergebnis eines deutschen Teams bei einer Schacholympiade.

Khenkin aber hat nicht gestreikt, er wollte spielen, wurde jedoch nicht aufgestellt. Er (und nicht nur er) empfand das als ungerecht. Nach seinem Sieg bei dieser Meisterschaft wird man ihn bei der Nominierung für die nächste Olympiade kaum übergehen. Hier ist eine seiner Gewinnpartien:

Nimzowitschindisch E 27
Igor Khenkin – Tobias Jugelt
DEM, Bonn 2011
1. d4 Sf6 2. c4 e6 3. Sc3 Lb4 4. f3 0-0 5. a3 Lxc3+ 6. bxc3 Schwarz hat in dieser Variante eine bessere Bauernstruktur, aber ihm fehlt der schwarzfeldrige Läufer. In manchen Varianten, etwa nach 6. …b6 oder 6. …c5 hat sich der Ausfall Lc1-g5 als unangenehm für Schwarz erwiesen. Deshalb entschlossen sich mache Schwarzspieler 6. …Se8 zu spielen. Damit wird die Fesselung Lg5 verhindert, in manchen Varianten kommt es Schwarz auch zupass, dass er …f5 oder …f6 spielen kann. 7. e4 b6 8. Ld3 Sc6 9. Sh3 La6 10. 0-0 Sa5 Schwarz belagert nach bekannten Mustern den Bauern c4. 11. De2 c5 12. e5

Stellung nach 12.e5

Nun ist zunächst ein Sicherungszug erforderlich. Das sofortige 12…cxd4 13. cxd4 Tc8 sieht nur ganz kurz gut aus (der Bc4 ist nicht mehr zu decken), bis man die folgende Kombination entdeckt: 14. Lxh7+! Kxh7 (Oder 14. …Kh8 15. Sg5 f6 16. f4 fxg5 17. Dh5 +-) 15. Sg5+ Kg6 (Nach 15. …Kg8 16. De4 f5 17. Dh4 muss Schwarz schon die Dame hergeben.) 16. De4+ f5 17. Dh4 Sf6 18. exf6 Th8 19. Dg3 Kxf6 20. d5. Schwarz konnte zwar das Matt verhindern, viel Freude wird er aber an dieser Stellung nicht haben. Es droht Lb2+, und auf 20. …Sxc4 folgt 21. Sxe6!, drohend Lg5+.

Es ist schon eine Ewigkeit her, dass diese Falle zuschnappte. Heutzutage wissen alle guten Spieler, dass 12. …f6 nötig ist, damit wird der Springerausfall nach g5 verhindert, folglich auch das Opfer auf h7. 13. Ta2 Mit der Idee 13. …cxd4 14. cxd4 Tc8 15. Tc2. 13. …Tc8 14. Tc2 De7 15. Te1

Stellung nach 15.Te1

In einer früheren Partie Khenkins zog sein Gegner Brynell in Kopenhagen 2007 15. …Sb3 16. Le3 cxd4 17. cxd4 fxe5 und hielt nach 18. dxe5 Sc5 die Stellung. Aber Weiß kann auch 18. Lg5 Dd6 19. dxe5 Dc5+ 20. Kh1 spielen, wonach die schwarze Stellung nicht jedermann gefällt. Es droht De4, und auf 20. …Lb7 kann 21. Lxh7+ Kxh7 22. Dd3+ Kg8 23. Dxb3 folgen. Jugelts Zug 15. …cxd4 16. cxd4 fxe5 17. dxe5 Dc5+ 18. Kh1 führt zu einer ähnlichen Stellung. Der Delmenhorster Spitzenspieler hätte sich hier umsichtig verteidigen sollen, z. B. mit 18…g6 19. Sg5 (19. De4 Sg7 20. Dh4 Sf5) 19. …Sg7. Das zu optimistische Abräumen des Bauern 18. …Lxc4?! brachte ihn nach 19. De4 g6 20. Sg5 in Schwierigkeiten. 20. …Sg7? Auch 20. …De7 21. Lxc4 Sxc4 22. Txc4 d5 23. exd6 Sxd6 24. Txc8 Sxe4 25. Txf8+ Kxf8 26. Sxe4 bietet Weiß sehr gute Gewinnchancen. 21. Dh4 und wegen 21. …h5 22. Lxg6 De7 23. Ld2 nebst Lb4 1:0

[…]

Titel für Sarah Hoolt














Im Gegensatz zu der Meisterschaft für Männer, wurde das Frauenturnier nicht von allen Landesverbänden beschickt. Führende Spielerinnen ließen sich nicht blicken. Von den ersten 30 elobesten deutschen Spielerinnen war nur eine am Start, Sarah Hoolt von den Sportfreunden Katernberg. Sie holte den Titel vor der überraschend gut aufspielenden, 19-jährigen Alisa Frey (SC Eppingen) und der Siegerin der offenen Frauenmeisterschaft 2010, Heike Vogel (SK Kerpen).

Deutsche Meisterin 2011: Sarah Hoolt | Foto: O. Borik

Endstand

Caro-Kann B 16
Sarah Hoolt – Jevgenia Leveikina
DEM, Bonn 2011
1. e4 c6 2. d4 d5 3. Sc3 dxe4 4. Sxe4 Sf6 5. Sxf6+ gxf6 6. c3 Lf5 7. Lf4 Sd7 8. Sf3 e6 9. Le2 Le7 10. 0-0 h5 11. Sh4 Lh7 Das sofortige Schlagen 12. Lxh5 führt nach 12. …Le4 und …f5 zu einer recht unklaren Stellung. Hoolt spielte besser 12. Te1 und plante dabei offensichtlich schon die kommende Kombination. 12. …f5

Stellung nach 12...f5

13. Lxh5! Lxh4 14. Txe6+! Kf8 15. Lh6+ Kg8 16. Db3! Die Pointe. Es droht 17. Lxf7+ Kxf7 18. Tae1, gefolgt von dem wahren Hammerschlag Te7++. 16. …Sb6 17. Tae1! Im großen Stil gespielt. Natürlich war auch der Damengewinn 17…Kxf7 18. Td6+ möglich, aber der Partiezug ist noch nachhaltiger. 17. …Sd5 18. Dxb7 Sc7 19. Dxc7! Dxc7 20. Te8+ Txe8 21. Txe8 matt – 1:0

Eine gute Visitenkarte der neuen Deutschen Meisterin!

 
 
Auszug aus
"Betrugsfall überschattet die Deutsche Meisterschaft| Meistertitel für Igor Khenkin und Sarah Hoolt"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, Juli 2011

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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