Schach-Magazin
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Ausgabe 6 mit diesen zentralen Themen ::

Schachpostkarten aus der Ferne


Nigel Short, Jan Gustafsson, Francisco Vallejo Pons

Ein Großmeistertrio auf den ersten drei Plätzen: (v.l.) Nigel Short, Jan Gustafsson, Francisco Vallejo Pons. | Foto: Cathy Rogers


Das seit 11 Jahren bestehende Thai Open, gemeinsam organisiert von dem finnischen Auswanderer Kai Tourila und dem Schachklub Bangkok, steht in dem Ruf, das Spieler-freundlichste Open der Welt zu sein. Ein großes Wort, gewiss, aber diese Einschätzung wird durch viele Aussagen und Fakten untermauert. Amateurspieler fühlen sich als gern gesehene Gäste und werden in einem Luxushaus zu Preisen eines Dreisternehotels untergebracht. Exzellent sind auch die Spielbedingungen, der Preisfonds ist zwar für europäische Verhältnisse moderat (der 1. Preis betrug diesmal 100 000 Baht, dies sind ca. 2 300 Euro), aber auch nicht schlecht.

Das Turnier wird an verschiedenen Orten ausgetragen, diesmal fand es in dem Dusit Thani Hotel Pattaya statt, einem schönen Haus mit einem kleinen "Regenwald" in der riesigen Lobby. Der große Ballsaal wurde extra für die Schachspieler geräumt, stets präsente Kellner sorgten für Eiswasser und andere Erfrischungen, zwei Kochs draußen vor dem Spielsaal bekämpften mit in- und ausländischen Spezialitäten den aufkommenden Hunger der Teilnehmer.

Diese waren vorwiegend Hobbyspieler, unter die sich einige starke Profis mischten. Der Spanier Francisco Vallejo Pons und der Deutsche Jan Gustafsson reisten unmittelbar nach dem letzten Match ihres Teams OSG Baden-Baden an. Sie lieferten sich einen Dreikampf mit dem Engländer Nigel Short und teilten am Ende mit je 7,5 Punkten die ersten Preise, wobei Gustafsson den Wertungssieg davontrug. Den vierten und fünften Platz teilten sich mit je 7 Punkten Martin Voigt aus Deutschland (mit einer IM-Norm) mit dem Chinesen Yang. Eine interessante Partie von Gustafsson wird in der Rubrik "Test&Training" auf Seiten 35-37 ausführlich unter die Lupe genommen, hier sei noch sein Sieg gegen Short aufgeführt:

Spanisch C 88
N. Short (ENG, 2676)
J. Gustafsson (GER, 2647)
1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 a6 4. La4 Sf6 5. 0-0 Le7 6. Te1 b5 7. Lb3 0-0 8. a3 Lc5 9. c3 d6 10. d4 Lb6 11. h3 h6 12. Le3 Lb7 13. Sbd2 Te8 14. d5 Se7 15. Lxb6 cxb6 16. La2?! besser 16. c4. 16. …Lc8 17. b4 Sg6 18. Te3 Sh7 19. Kh2 Tf8 20. Tc1 Sf4 21. c4 bxc4 22. Sxc4 b5!? "Das musste nicht sein, aber ich dachte, sein Springer wird auf c6 gar nicht so gut stehen" (Gustafsson). 23. Sa5 f5! 24. Sc6 Df6 25. Lb1 Kh8 26. Db3 Ld7 27. exf5?! Weiß hätte Tee1 spielen und abwarten sollen. 27. …Lxf5 28. Scxe5!? Ein Verzweiflungsopfer, mit dem Gustafsson gerechnet hat: "Ich sah nichts, was er sonst tun kann - ich habe Drohungen am Königsflügel und sein Bauer d5 ist sehr schwach". Schachprogramme plädieren für 28. g3, aber nach 28. …Sxh3 29. Lxf5 Dxf5 30. Sh4 Dh5! 31. Kxh3 g5 32. Dd1 Dxd1 33. Txd1 gxh4 ist das Endspiel sehr gut für Schwarz. 28. …dxe5 29. Tc6 Df7 30. Lxf5 Dxf5 31. Txe5 Dd3?! Objektiv gesehen war …Dd7 stärker. 32. Db2? Short verpasst die Möglichkeit 32. Dxd3! Sxd3 33. Te3! Sb2!, wonach Schwarz nur etwas besser steht. 32. …Tf6! 33. Tc7? Ein Fehler in schlechter Stellung. "Zunächst wollte ich 33. …Df1 34. Se1 Sxg2 35. Sxg2 Txf2 spielen, dann sah ich 36. Te8+! Txe8 37. Dxg7 matt. Ich beschloss, mir Zeit zu nehmen" (Gustafsson). 33. …Tg6! und wegen 34. Se1 Txg2+ 0:1

 
 
Auszug aus
"Schachpostkarten aus der Ferne | GM Ian Rogers berichtet aus Thailand und Australien"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, Juni 2011

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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