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Ausgabe 4 mit diesen zentralen Themen ::

Jenbachs Höhenflug


Gruppenfoto
Foto: monroi.com

Die Stammmannschaft der Jenbacher, mit (vorn von links) Philipp Schlosser, Andrej Volokitin und Oliver Lehner, dahinter v. l. Peter Acs, Zoltan Gyimesi, Kapitän Hans Duftner und Uwe Bönsch | Foto: Otto Borik


Eine Tiroler Marktgemeinde mit knapp siebentausend Einwohnern kann sich mit dem Titel des österreichischen Mannschaftsmeisters im Schach schmücken. Obendrein zum zweiten Mal in Folge. Und als ob dies noch nicht genug wäre, behielt der SK Jenbach in beiden Fällen eine weiße Weste mit jeweils 22:0 Mannschaftspunkten! Der neuerliche Triumph wurde bei der Schlussrunde der österreichischen Bundesliga erzielt, die am 3. bis 6. März im St. Veit (Kärnten) ausgetragen wurde.

Endstand

Dabei waren die Jenbacher weder im Vorjahr noch in diesem Jahr die Favoriten, schließlich lagen sie nach dem Mannschaftsdurchschnitt auf den Plätzen 3 bzw. 2 der Setzliste. Aber das gute Mannschaftsgefüge und andere Faktoren, über die der Mannschaftsführer im Weiteren (siehe Seite 22) Auskunft gibt, erwiesen sich als entscheidend. Bereits in der zweiten der insgesamt drei Mehrfachrunden, am 21. 1. 2011 in Graz, fiel die Vorentscheidung: Jenbach setzte sich gegen den Setzlistenersten SK Advisory Invest Baden mit 3,5:2,5 durch. Ab da führte Jenbach stets das Feld alleine an, aber das Team aus Wulkaprodersdorf (ein Ort im Burgenland nahe der ungarischen Grenze) blieb ihm auf den Fersen. In der letzten Mehrfachrunde kam es zum ersten der beiden Schlüsselkämpfe dieser Saison. Bei einem Sieg gegen Jenbach hätte Wulkaprodersdorf nach Mannschaftspunkten gleichziehen können. Die erste Einzelentscheidung fiel schnell nach einem dramatischen Verlauf.

[…]

Erfolgreichster Österreicher der Liga war Markus Ragger. Der 23-Jährige kommt übrigens aus dem benachbarten Ort (Maria Saal liegt nur einige Kilometer von St. Veit entfernt) und gilt als das größte Schachtalent Österreichs. Überliefert ist, dass er das Schachspiel bereits im Alter von zwei Jahren von seinen Großeltern erlernt hat, das wäre rekordverdächtig. Inzwischen ist er ein arrivierter Großmeister, wovon auch die folgende Partie ein beredtes Zeugnis ablegt:

Réti-Eröffnung A 09
M. Ragger (Maria Saal, 2614)
Z. Varga (Lackenbach, 2437)

1. Sf3 d5 2. c4 d4 3. e3 c5 4. b4 Ein altes Gambit, anno 1924 von Richard Réti ersonnen. 4. …dxe3 5. fxe3 cxb4 6. d4 Lg4 7. h3 Lxf3 8. Dxf3 Dc7 9. a3 e5 10. c5! exd4 11. axb4 Sc6 12. Lb5 0-0-0 13. Lxc6 Dxc6 14. Dxc6+ bxc6 15. Txa7 dxe3 16. Lxe3 Se7 17. 0-0 Kb8 18. Ta3 f6 19. Sd2 Sc8?! Weiß stand so oder so besser, aber …Sd5 war zäher. 20. Lf4+ Kb7 21. Sc4 Sa7 22. Txa7+ Gut genug war 22. Tfa1! Sb5 23. Sa5+ Kc8 24. Sxc6 Sxa3 25. Sxd8. Der Partiezug ist gefälliger, die Gewinnführung freilich komplizierter. 22. …Kxa7 23. Ta1+ Kb7 24. Sa5+ Kc8 25. Sxc6

Stellung nach 25.Sxc6

Weiß operiert mit dem Matt-Motiv Ta7-c7. Erstaunlicherweise hätte Schwarz diese Attacke mit der Gratwanderung 25. …Td3 überstehen können, denn auf 26. Ta7 verteidigt 26. …Td7 den König ausreichend. Weiß wäre dennoch am Drücker geblieben mit 26. Sa7+ (26. Ta7 Td7) 26. …Kd8 27. Tc1 Ta3 (Oder …Td7 28. Lb8 Tb7 29. c6!) 28. Lb8 g6 29. c6 Txa7 30. Td1+! Kc8 31. Lxa7 Lxb4 32. Lb6 Te8, und nun nicht 33. Ta1? Te1+, sondern 33. Td7 mit einer Gewinnstellung.

In der Partie fiel die Entscheidung allerdings schneller: 25. …Td7? und Ragger gewann souverän: 26. Sa7+ Kd8 27. Sb5 Tb7 28. c6 Txb5 29. Ta8+ –1:0

 
Auszug aus
"Jenbachs Höhenflug | Tiroler Klub gewinnt erneut die österreichische Bundesliga mit 22:0"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, April 2011

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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