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Ausgabe 3 mit diesen zentralen Themen ::

Nakamuras Sieg beim Superturnier in Wijk aan Zee




Spielsaal
Foto: Eric van Reem

Wie immer spielten auch dieses Jahr alle – ob Profi oder Amateur – unter einem Dach.


Vor einiger Zeit erhielt Hikaru Nakamura eine Einladung zu dem berühmten Schachfestival im niederländischen Wijk aan Zee. Die Ausrichter boten ihm einen Platz in der B-Gruppe an. Er lehnte ab, da er als amtierender Schachmeister der USA eigentlich die A-Gruppe als angemessen empfand.

Ende letzten Jahres flatterte Nakamura, inzwischen in der Weltrangliste aus dem zweistelligen in den einstelligen Bereich vorgerückt, erneute eine Einladung aus Wijk ins Haus, diesmal für die A-Gruppe. Er nahm an, kam, sah und siegte!

Erwartet hatte das niemand, er selbst auch nicht. Allgemein wurde ein Zweikampf zwischen dem Weltmeister Anand und dem "Kronprinzen" Carlsen erwartet, allenfalls dem Weltranglistendritten Aronian und dem Exweltmeister Kramnik traute man eine Überraschung zu, aber das war's auch schon. Nakamura hatte niemand auf der Rechnung, zu sehr ist sein Name mit dem Bullet verbunden, dem "gehirnschädigenden" (Dr. Hübner) Ein-Minuten-Blitzschach im Internet, bei dem sich der im persönlichen Umgang nette US-Teenager so in Rage oder Raserei spielte, dass er mitunter mit unflätigen Ausdrücken in der Kommunikationszeile (Chat) aufwartete. Und zu sehr sind noch Nakamuras Experimente mit Eröffnungen wie 1. e4 e5 2. Dh5 in Erinnerung. Kurzum: ihm haftet - oder besser haftete - der Ruf eines (zugegeben, extrem starken) Schachzockers an.

[…]

Ein Blitzstart

Die ersten drei Runden brachten Nakamura bereits auf Siegerkurs; ein Remis mit Schwarz gegen den Elo-Schwergewichtler Aronian und zwei Weißsiege. Dabei erwies sich Nakamura als ein guter Verteidiger und widerlegte zwei gefährlich aussehende Figurenopfer.

[…]

Abgebremst und beschleunigt

In der vierten Runde musste Nakamura gegen den 16-jährigen niederländischen Star Anish Giri (der am Vortag gegen Carlsen gewonnen hatte) antreten und erreichte nur mit Mühe ein Remis. Auch in der nächsten Runde, gegen den früheren Weltmeister Ruslan Ponomarjow, musste er sich sehr sputen, bis er den rettenden Hafen erreichte. Nach diesem "Abbremsen" wurde er von dem gleichmäßig spielenden Anand überholt, konnte aber nach zwei Siegen in Folge gegen die holländischen Teilnehmer Erwin l'Ami und Jan Smeets das "Gelbe Trikot" wieder sein eigen nennen. Vor allem der Endspielsieg gefiel sehr:

Nimzowitschindisch E 32
E. L'Ami - H. Nakamura

Wijk aan Zee A (6), 2011
1. d4 Sf6 2. c4 e6 3. Sc3 Lb4 4. Dc2 0-0 5. a3 Lxc3+ 6. Dxc3 b5 7. cxb5 c6 8. Lg5 cxb5 9. e3 Lb7 10. Sf3 h6 11. Lh4 a6 12. Ld3 d6 13. 0-0 Sbd7 14. Tfc1 Db6 15. Dc7 Tfc8 16. Dxb6 Sxb6 17. Lg3 Txc1+ 18. Txc1 Tc8 19. Txc8+ Sxc8 20. h3 Se4 21. Lh2 Kf8 22. Se1 Sd2 23. f3 f5 24. Sc2 Ke7 25. Kf2 Sb6 26. Ke2 Sb3 27. Sb4 Sa5 28. Lc2 Sac4 29. Sd3 a5 30. Lg3 Sd5 31. Lf2 g5 32. g4

Stellung nach 32...g4

Zu Beginn des Endspiels bot Nakamura remis an, er hatte Respekt vor dem gegnerischen Läuferpaar. Weiß verließ sich auf dasselbe und lehnte die Offerte ab, machte aber in der Folge keine Fortschritte, während Nakamura unauffällig seine Bauern in Position brachte und in der Diagrammstellung mit 32. …a4! schon die Initiative übernahm. Die Hauptdrohung lautet 33. …b4! 34. Lxa4 (34. axb4 Sxb2! 35. Sxb2 a3) 34. …Sxb2! L'Ami reagierte zunächst richtig 33. e4! fxe4 34. fxe4 Sdb6 doch hier hätte er die rettende Aktivierung seines Läuferpaares besser so bewerkstelligt: 35. d5! exd5 36. e5! dxe5 37. Sxe5 Sxe5 38. Lxb6, und Weiß sollte trotz des fehlenden Bauern die Partie halten können. Doch der Niederländer sah dies nicht, spielte 35. e5? und ging unter: 35. …Le4 36. exd6+ Kxd6 37. Lg3+ Ke7 Jetzt geht der Bauer b2 - und mit ihm die ganze Partie - verloren.38. Kd1 Lxd3 39. Lxd3 Sxb2+ 40. Ke2 Sd5 41. Le4 Sc3+ 42. Kf3 b4! 43. Le1 Sbd1! Sehr schöner Abschluss: einer der schwarzen Damenflügelbauern wird sich auf der a-Linie in Szene setzen. – 0:1

 


Auszug aus
Kleines Tagebuch einer großen Sensation | Nakamuras Sieg beim Superturnier in Wijk aan Zee
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, März 2011

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Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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