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Ausgabe 3 mit diesen zentralen Themen ::

Candlelight-Schach in Gibraltar


Gruppenfoto
Foto: monroi.com

Gruppenbild mit Herrn (Turnierorganisator GM Stuart Conquest) und den Großmeisterinnen (v. l.) Melia Salome, Natalia Zhukova, Inna Gaponenko, Natalia Pogonina und Viktoria Cmilyte


Von wegen "Affenfelsen"! Rund um das Vier-Sterne-Hotel "Caleta", direkt am Meer gelegener Austragungsort des Tradewise Gibraltar Chess Festivals in der britischen Enklave Gibraltar, geben vor allem hunderttausende von kreischenden Möwen den Ton an: Wenn die Kolonie oberhalb des "Caleta" gegen Abend so richtig in Fahrt gerät, könnte man meinen, Alfred Hitchcock drehe eine späte Fortsetzung seines Grusel-Klassikers "Die Vögel". Dennoch war unter den mehr als 300 Teilnehmern der insgesamt fünf Turniere (ein zehnrundiges "Masters", zwei jeweils fünfrundige "Challengers", zwei ebensolche Amateur-Klassen mit Dotierungen von über 110 000 Pfund bzw. 130 000 Euro) immer wieder der Spruch zu hören: "Habe heute meinen ersten Affen gesehen!" Nach ungezählten Möwen, versteht sich, doch davon später.
Für Schachspieler, die dem nördlichen Winter eine Zeit lang entfliehen wollten, war das nach dem neuen Hauptsponsor, einem Versicherungskonzern, benannte "Tradewise Gibraltar Chess Festival", 9. Auflage des zuvor als "Gibtelekom" bezeichneten Open, auch 2011 wieder ein Versprechen: Hochkarätige Teilnehmer und besseres Wetter hatten sich viele gewünscht - Teil eins dieser Wunschliste wurde bei der neunten Auflage mit über 50 Großmeistern im "Masters" in hervorragender Weise erfüllt, Teil zwei der Wünsche erntete vor allem während der ersten Turnierwoche häufig Regen oder die "Androhung von Regen" - man konnte sich also in der Gesellschaft der mutmaßlich größten Möwenpopulation Südeuropas sowie nicht ganz so zahlreicher Titelträger weitgehend aufs Schach konzentrieren. Zur illustren Brett-Nachbarschaft zählte diesmal auch ein gewisser Viktor Kortschnoi (80), von dem in diesem Bericht auch noch die Rede sein wird: "Viktor, der Schreckliche" begnügte sich wieder einmal nicht mit seinem Legenden-Status, sondern machte durch unternehmungslustige Gangart Furore.

[…]

Laut Veranstaltern nahmen an den verschiedenen Turnieren insgesamt 306 Spieler aus 54 Nationen teil (232 im zehnrundigen "Masters", das bei 240 Startern angeblich an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen wäre; 55 im zuerst ausgetragenen, fünfrundigen "Challengers A", 66 danach im "Challengers B"; 30 im "Amateur A", 40 danach im "B", jeweils 5 Runden). Dass auch diese Nebenturniere mit attraktiven Preisen lockten (so teilten sich die beiden Sieger im "Challengers A" (bis Elo 2250), ein Russe und ein Schwede immerhin 3 000 Pfund, während ein norwegischer Steppke im "Amateur A" zur Freude seines Papas 1 000 Pfund alleine abräumte), führte zu etlichen Mehrfach-Starts: Manche Spieler brachten es deshalb innerhalb von zwölf Turniertagen auf 20 Runden Schach! Wer sich einem solchen Marathon stellte und womöglich noch an den abendlichen Blitzturnieren teilnahm, der tat wirklich gut daran, schon aus Zeitgründen im Austragungshotel selbst Quartier zu nehmen: Für Ausflüge nach Marokko, Tanger oder die nordafrikanische Enklave Ceuta etwa (derzeit nur von Algeciras aus möglich, weil die einzige Fähr-Verbindung Gibraltars wegen Schiffsreparatur ausfiel), wäre einem Vielspieler nur Zeit geblieben, wenn er ein "Bye" genommen und für eine Partie ausgesetzt hätte. Ob es nun auf gewisse Ermüdungserscheinungen zurückzuführen war, mag dahin gestellt sein: Jedenfalls gab es gleich zwei Vorkommnisse (eines im "Challengers A", eines im Masters), bei denen Spieler regelwidrige Rochaden probierten: Den Vogel schoss dabei ein Norweger ab, der seinen König bereits zwei Mal bewegt hatte (zum Schlagen auf f7 und zur Rückkehr nach e8) und offenbar der Meinung war, er "dürfe jetzt wieder"...

[…]

Königsindisch E 63
N. Dzagnidze (GEO, 2550)
F. Vallejo Pons (ESP, 2698)
1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sc3 Lg7 4. g3 0-0 5. Lg2 d6 6. Sf3 Sc6 7. 0-0 a6 8. e4 Tb8 9. h3 b5 10. e5 Se8
Schwarz sucht ein komplizierteres Spiel als es in der Variante 10. …dxe5 11. dxe5 Dxd1 12. Txd1 Sd7 13. e6 fxe6 14. cxb5 axb5 15. Lf4 entstünde. In der Partie steuert die Weißspielerin eine ähnliche Stellung an. 11. Sg5 Sa5 12. e6 Lxe6 13. Sxe6 fxe6 Zu erwarten wäre nun 14. cxb5; Dzagnidze spielte jedoch 14. c5 Offenbar hatte sie sich von der totalen Isolierung des Doppelbauern auf der e-Linie nach 14. …dxc5 15. dxc5 einiges versprochen. Vallejo entschied sich aber für 14. …e5 15. dxe5 Lxe5 16. Lg5 Sc4 17. Sd5 Sf6 Soweit alles nachvollziehbar. Schwarz hat seine Schwäche e7 überdeckt und den Bauern ins Visier genommen. Der Spanier war vielleicht guten Mutes, bis er von 18. b3! schockiert wurde. Nach längerem Nachdenken nahm er das unternehmungslustige Qualitätsopfer an: 18. …Lxa1 19. Dxa1 Se5 20. f4

Stellung nach 20.f4

20. …Sd3? Die nachträgliche Analyse ergab, dass 20. …Sed7 erzwungen war. In diesem Fall hätte Schwarz nach dem Zug 21. c6 (der in der Partie vorkommt) gut 21. …Sb6 spielen können. Deshalb plante Dzagnidze auf 20. …Sed7 die Fortsetzung 21. Te1 Tf7 22. Sb4 (droht Sc6) 22. …Tc8 23. Ld5 mit verteilten Chancen. 21. c6! Es drohen Kombination nach dem Muster 22. Dd4 Sc5 23. Te1 Tf7 24. Txe7 Txe7 25. Sxf6+ Kf7 26. Ld5+ Se6 27. Sg4 Df8 28. Df6+ Ke8 29. Lxe6. 21. …Tf7 22. Td1 Sc5 23. Te1 Df8 24. Txe7! Txe7 25. Sxf6+ Kf7 26. Ld5+

Stellung nach 26.Ld5+

Hinter den Kulissen blieb die schönste Variante 26. …Te6 27. b4 Sa4 28. Sg8!! mit Damengewinn oder Matt. 26. …Se6 27. Sd7 Dh8 28. Lf6 Dg8 29. Lxe7 Kxe7 30. Df6+ – 1:0

 
Auszug aus
"Candlelight-Schach in Gibraltar"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, März 2011

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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