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Ausgabe 2 mit diesen zentralen Themen ::

Wie in den guten,alten Zeiten…


Rozentalis, Schmittdiel
Foto: Spyridon Skembris

Zufriedene Sieger des GM- und des IM-Turniers, GM Eduardas Rozentalis (l.) und Eckhard Schmittdiel.

Offene Turniere gibt es viele, aber geschlossene Turniere für "Normalsterbliche" außerhalb der Weltspitze sind selten geworden. Umso erfreuter war ich, als ich kurz vor Weihnachten eine Einladung zu einem Rundenturnier in Augsburg erhielt. Die Neujahrsturniere von Augsburg haben schon einige Jahrzehnte Tradition, und tatsächlich erinnerte mich die Veranstaltung in vielen kleinen Details an die "guten alten Zeiten" der Einladungsturniere. Der Organisator Johannes Pitl gab sich wirklich alle Mühe, die eingeladenen Spieler persönlich willkommen zu heißen, aber überrascht war ich doch, als er eines Abends beim gemeinsamen Essen anfing, Altgriechisch zu sprechen!



[…]

Im GM-Turnier, dem Gedenken an Senator Max-Gutmann gewidmet, gelang es dagegen nur den Großmeistern, die Normqualifikationen zu erfüllen. Eduardas Rozentalis, der übrigens schon zum dritten Mal in Augsburg gewann, dominierte das Turnier von Anfang an und glänzte vor allem mit den weißen Steinen, was bei seinem verhaltenen Aufschlag (c3-Sizilianer und spanische Abtauschvariante) eine Kunst für sich ist. Aber der litauische Spitzenspieler schafft es immer wieder, aus scheinbar ausgeglichenen Stellungen das nötige Quäntchen herauszupressen. Die folgende Partie ist typisch für seinen Stil:

Sizilianisch B 22
E. Rozentalis (LTU, 2596)
R. Strohhäker (GER, 2444
)
1. e4 c5 2. Sf3 e6 3. c3 Es gibt nicht mehr viele GMs, die den c3-Sizilianer mit einer solchen Ausdauer spielen - außer natürlich Eckhard Schmittdiel, der Sieger des diesjährigen IM-Turniers! 3. …d5 4. exd5 exd5 5. d4 Sc6 6. Le3 c4 7. b3 cxb3 8. axb3 Ld6 9. g3!? Sge7 10. Lg2 0-0 11. 0-0 h6 12. c4!? Ein interessanter Zug, mit dem Weiß die Initiative ergreift. 12. Se1 Lf5 ist okay für Schwarz. 12. …f5?! Mit der nahe liegenden Idee …f4, angesichts des nächsten weißen Zugs aber wohl etwas zu forsch. Besser war 12. …Lb4!? 13. Ld2!? Lf5 14. Te1 Te8 15. Sh4 Le6 mit Gegenspiel. 13. Lf4!? Nimmt eine Schwächung der Bauernstellung in Kauf, um über die e-Linie und das Springerfeld e5 aktiv zu werden. 13. …Lxf4 14. gxf4 Le6 Vorzuziehen ist 14. …Sg6, worauf 15. Dd2 Dd6 16. Se5 folgen kann. 15. Te1 Lf7 Schwarz sollte den weißen Elan etwas bremsen: 15. …Tf6 16. c5 Sg6 17. Dd2 Dc7 18. Se5 mit Initiative. 16. Se5 dxc4 17. Sxf7 Txf7 18. d5 Sb4 19. bxc4 Sg6 20. Dd2 In dieser komplizierten Stellung greift Schwarz schließlich fehl. 20. …Sa6? Keine guten Alternativen sind 20. …Sxf4 21. Dxf4 Sd3 22. Dd2 Sxe1 23. Dxe1 Df6 24. Sc3 Tc8 25. d6 oder 20. …Df8 21. d6, mit besserem Spiel für Weiß in beiden Fällen. Nötig war stattdessen 20. …a5, mit der Idee 21. Ta3 (Gut für Schwarz wären 21. d6 Tc8 und 21. c5? Dh4.) 21. …Tc8 22. Tg3 Tf6 23. Sa3 Dc7 mit unklarem Spiel. 21. d6!



Die beste praktische Chance bot 21. …Sc5!?, was etwas Material aufgibt und auf Kompensation aufgrund des offenen weißen Königs hofft, z. B. 22. Ld5 Dd7 23. De3! Dxd6 24. Ta5 b6! (24. …Tc8? 25. Txc5! Dxc5 (25. …Txc5 26. De8+ +-) 26. Lxf7+ Kxf7 27. De6+ +-) 25. Txc5 bxc5 26. Lxa8 +/-. 21…Sh4? Der zweite Randspringer ist definitiv einer zu viel. 22. Txa6 Weiß verzichtet darauf, seinen starken Läufer gegen einen Turm zu "opfern". Nach 22. Lxb7 Txb7 23. Dd5+ Kh7 24. Dxb7 Tb8!? 25. De7 (25. Dxa6? Sf3+ 26. Kf1 Dh4 würde nach hinten losgehen.) 25. …Sf3+ 26. Kf1 Db6 ist die Partie noch nicht vorbei. 22. …bxa6 Im Falle von 22. …Sxg2 23. Kxg2 bxa6 24. Dd5 Kf8 25. c5 sollten die weißen Freibauern die Partie entscheiden. 23. Dd5 Tb8 24. c5 Da5 25. Sd2 Kh7!? Die beste praktische Chance. Nach 25. …Dc3 26. Te3 Df6 27. d7 ist gleich alles vorbei. 26. Dxf7 Dxd2 27. De6 Dxf4 28. De3 Dg4 29. Dg3 Db4 30. Tc1 Tf8!? 31. Lf1 De4?? Macht es dem Gegner in Zeitnot einfacher. Viel schwieriger war 31. …Tf6!?, denn nach 32. Tc4 Dd2 33. Dxh4 Tg6+ muss Weiß die Dame geben, was zwar gewinnen sollte, aber in Zeitnot erst einmal gefunden werden muss: 34. Dg3 f4 35. Dxg6+ Kxg6 36. c6 +- 32. Tc3 Tf6 33. d7 f4 34. Ld3 – 1:0.

[…]

 
Auszug aus
"Wie in den guten, alten Zeiten… | Zwei Turniere in Bayerns drittgrößter Stadt"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, Februar 2011

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Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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