<00i> Schach-Magazin
Schach Magazin
Ausgabe 1 mit diesen zentralen Themen ::

Spannung hautnah


Tal-Memorial Moskau
Foto: Anna Burtasowa

Wladimir Kramnik (rechts) konfrontierte Levon Aronian (im Hintergrund kiebitzend)mit Eröffnungsnuancen.



Wie die Zeit vergeht … schon ist das Moskauer Tal-Memorial ein Traditionsturnier. Anlässlich des 5-jährigen Mini-Jubiläums zog man vom üblichen Austragungsort im Zentralen Schachklub ins GUM-Einkaufszentrum am Roten Platz. Obwohl Anand, Carlsen und Topalov fehlten, wurde es ein hochklassiges Event bei dem die Weltspitze sehr zusammenrückte: drei Punktgleiche mit 5,5 Punkten und dahinter ein Trio mit 5 Punkten. Es gab Zuspitzungen aller Arten, und mit der heute üblichen Internet-Übertragung wurde Spitzenschach weltweit ganz nah zum Schachfan transportiert. Levon Aronian, Sergej Karjakin und Shakhriyar Mamedyarov marschierten vorneweg.

kreuztabelle

Schach mit Rap und Schnulzen

Klagen über Schach als zuschauerunfreundlichem Sport gibt es viele, doch für das Moskauer Schachspektakel sollte das nicht gelten. Riesige Werbebanner mit Tals Konterfei schmückten den Einkaufstempel und die Spielhalle. Großbildfernsehschirme brachten die Bühnenaktion in den Zuschauerraum, der bei freiem Eintritt schon zu Rundenbeginn voll war. Jeder konnte sich per Kopfhörer fachkundige Kommentare anhören - hier hat Moskau von den europäischen Nachbarn gelernt. GM Genna Sosonko, der in Leningrad aufwuchs und 1972 in die Niederlande emigrierte, und Mark Gluchowski, Chefredakteur des Fachmagazins "64", überboten sich in witzigen Anmerkungen, und diese Konversationen konnte man auch im Internet verfolgen. Doch die TV-Übertragung muss als die wahre Neuerung hervorgehoben werden. Bis zu einem halben Dutzend Kameras brachten Bilder von vor und hinter der Bühne, von der Galerie in Vogelperspektive bis zum Analyseraum ganz nah. Werbeblöcke der drei Hauptsponsoren, zwei Banken und ein Baukonsortium, wurden regelmäßig eingeblendet, und jeder Spieler durfte für eine Runde mit seinem Lieblingssong die musikalische Untermalung aussuchen, wobei die Regie bei langen Denkphasen noch weitere mehr oder weniger anspruchsvolle Musik zur Abwechslung von Wortausführungen bereithielt.

[…]

Damit hatte nun Wang Hao die Chance, sich mit einem Sieg zum Kosieger zu machen. Doch im 44. Zug patzte der Chinese. "Oh, wie bin ich dumm", zeigte sich der unentwegt in Schachgedanken hängende Unglücksrabe bei der Pressekonferenz emotional. Vielleicht erlegte er sich zu wenig Ablenkung vom Schach auf und war im finalen Moment zu angespannt. Zu Beginn des Turniers hatte er sich auf dem ganz einfachen Weg zum Hotel verlaufen, und man gewann den Eindruck, er würde an jedem Ort und zu jeder Zeit geistesabwesend Varianten durchrechnen. In der Schlussrunde profitierte Karjakin von einem Lapsus in komplexer Stellung.









„Oh, wie bin ich dumm“, meinte Wang Hao zu seinem verpassten Sieg gegen Sergej Karjakin in der Schlussrunde. (Foto: Anna Burtasowa)

Englisch A 29
Wang Hao - S. Karjakin
Tal-Memorial (9), Moskau 2010
1. c4 Sf6 2. Sc3 e5 3. Sf3 Sc6 4. g3 d5 5. cxd5 Sxd5 6. Lg2 Sb6 7. 0-0 Le7 8. d3 0-0 9. a3 Le6 10. b4 a5 11. b5 Sd4 12. Tb1 Sd5 13. Sa4 Sxf3+ 14. Lxf3 f5 15. Lb2 Ld6 16. Db3 Sf4 17. Dc2 Sh3+ 18. Kg2 Sg5 19. Lxb7 Tb8 20. Lc6 f4 21. Sc5 f3+ 22. exf3 Lh3+ 23. Kh1 Sxf3 24. Dc4+ Kh8 25. Se6 Lxe6 26. Dxe6 Sd2 27. Tbd1 Sxf1 28. Txf1 Tf6 29. Dc4 Df8 30. f3 Lxa3 31. Lxe5 Tf7 32. Ld5 Td7 33. Lxc7 Txc7 34. Dxc7 Txb5 35. Dd7 Tb8 36. Te1 Lb2 37. Te6 Td8 38. Db5 a4 39. Dxa4 Lf6 40. Le4 g6 41. Kg2 Ld4 42. h4 Dc5 43. h5 Dc1

Stellung nach 43...Dc1

44. hxg6? Der Chinese spielte stark und war nur einen Schritt von der Teilung des ersten Platzes entfernt. Zum Gewinn führt in der Diagrammstellung 44. f4! Dd2+ (Nach 44. …Dg1+ 45. Kh3 Lf2 wehrt Weiß mit 46. Lg2 die letzte gegnerische Drohung ab.) 45. Kh3 De2 46. Te8+ Kg7 47. Te7+ Kh8 48. Db5 deckt h5 und droht hxg6 nebst Lxg7 und Th7+ mit Gewinn 48. …Dxh5+ 49. Dxh5 gxh5 50. Txh7+ Kg8 51. Txh5 und mit drei Mehrbauern ausgestattet, kann sich der Anziehende zufrieden zurücklehnen. 44. …Dg1+ 45. Kh3 Lf2 Jetzt hängt die Mattdrohung auf g3 wie das Schwert des Damokles über dem weißen Königshaupt. 46. Te8+ Kg7 47. Te7+ Kf8 48. Tf7+ Kg8 49. gxh7+

Stellung nach 49.gxh7+

Schlägt Schwarz den Turm, 49. …Kxf7, so kommt er in Teufels Küche nach 50. Dc4+ Ke7 (Nur eine Zugumstellung bedeutet 50. …Kf6 51. Dc6+ Ke5 52. Dc7+ Ke6) 51. Dc7+ Ke6 und jetzt, wo g3 gedeckt ist, attackiert Weiß mit 52. d4 (es droht tödlich d5+) 52. …Dxg3+ 53. Dxg3 Lxg3 54. Kxg3 Kf6 55. d5, und Weiß sollte über kurz oder lang gewinnen. 49. …Kh8! Nur so! 50. Kg4 Dxg3+ 51. Kf5 Ld4 52. Dc6 Dh3+ 53. Kg6 Dg3+ 54. Kf5 Dh3+ 55. Kg6 Dg3+ 56. Kf5 – remis

 
Auszug aus
"Spannung hautnah |Tal-Memorial in Moskau | Neue mediale Dimension im Schachsport"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, Januar 2011

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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