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Ausgabe 11 mit diesen zentralen Themen ::

Randnotizen einer jungen Olympia-Veteranin


Chanty Mansijsk
Foto: Thomas Pähtz

Chanty Mansijsk, Austragungsort der Schacholympiade 2010.


Der Auftritt der beiden deutschen Olympiade-Mannschaften war enttäuschend. "Unseren Nationalmannschaften ging zum Ende der Olympiade die Luft aus. Die erreichten Platzierungen entsprechen nicht unseren Zielvorgaben", heißt es in einer Stellungnahme des Deutschen Schachbunds auf seiner Webseite. Das klingt nüchtern wie eine Wirtschaftsbilanz, aber eben in der Geschäftswelt konnte der DSB im Vorfeld keine zusätzlichen Sponsorengelder einwerben. Die deutschen A-Kader-Herren gingen erfolglos den Weg eines Internet-Spendenappells. Als das nichts brachte, verfasste Arkadij Naiditsch einen wüsten offenen Brief, der die Situation kritisierte und wichtige DSB-Funktionäre runterputzte. Viel Geschirr zerbrach, und die besten deutschen Spieler zogen es vor, nicht für kleines Geld anzutreten. Letztlich schickte der DSB ein Herren-C-Team und ein nicht optimal besetztes Frauen-Team gen Osten. Platz 64 bei Startrang 42 brachten die Herren heim; Platz 25 bei Setzlistenrang 16 die Frauen.

Das Ergebnis kann aus verschiedensten Blickwinkeln ausgewertet werden. Hier soll im Gespräch mit Harald Fietz die trotz ihrer Jugend (25 Jahre) bei der diesjährigen Veranstaltung Erfahrenste unter den deutschen Schacholympioniken zu Wort kommen. Elisabeth Plätz, vormals Jugend- und Juniorenweltmeisterin, nahm vor Chanty Mansijsk an sechs Olympiaden teil, alle anderen neun Deutschen im Herren- und Frauenteam kamen auf zusammen sieben Einsätze - allesamt in Dresden 2008.

[…]

SM64: Wie agiert man angesichts der Tatsache, dass beide Mannschaften wenig Olympiade-Erfahrungen mitbrachten?

Pähtz: Die Aufstellungsfrage bei den Herren war nicht einfach. Die Mannschaft wollte Rainer Buhmann mehr Pausen gönnen, aber ebenso wie bei mir in der Damenmannschaft waren die Kapitäne wohl der Meinung, dass die jungen Teams einen Anführer brauchen.

SM64: Nachdem in Runde 7 gegen die starken Vietnamesen ein 2:2 raussprang, verloren die deutschen Herren 0,5:3,5 gegen England. Danach gab es einige Häme?

Pähtz: Nach der Niederlage gegen England haben mir die üblen Beleidigungen von Georg Meier im Internet auf Facebook überhaupt nicht gefallen. Er schrieb von dieser "Würfeltruppe" nicht mehr erwartet zu haben und machte Sebastian Bogner runter. Ich finde so ein Verhalten einfach arrogant, gerade von jemandem, der vom Schachbund in den letzten zwei Jahren viel Förderung bekommen hat. Er muss nicht so nachtreten, insbesondere gegen Spieler mit denen er früher in einer Jugendnationalmannschaft spielte. Die Spieler, die diesmal antraten, hatten mit dem Streit der A-Kader-Spieler nichts zu tun.

SM64: Wie erging es dem Bundestrainer Uwe Bönsch, der in dem auf Englisch verfassten Brandbrief von Naiditsch nicht gut weg kam und dessen wichtigste Aufgabe als Kapitän laut Naiditsch das Teekochen sein soll?

Pähtz: Uwe Bönsch bekam ab und an Spitzen des ‚Teekocher'-Vergleichs zu hören. So erkundigte sich Alexej Shirov an der Bar, ob nicht Tee sein Lieblingsgetränk sei. Ich finde, diese Behandlung hat unser Bundestrainer nicht verdient.

[…]

Damenbauereröffnung A 40
D. Cori (Peru)
E. Pähtz (Deutschland)
1. d4 e6 2. Sf3 c5 3. e3 b6 4. Ld3 Lb7 5. 0-0 g6
Mir war klar, dass dieser Zug ein wenig krumm aussieht, wobei ich hoffte, einen Idealaufbau à la Igel zu erreichen. Erst nach der Partie fiel mir auf, dass meine Gegnerin genau diese Stellung bereits hatte und daher wenig Zeit für die nächsten paar Züge verbrauchte. 6. dxc5 bxc5 7. e4 Befreit sofort ihren schwarzfeldrigen Läufer und nutzt damit die Schwächen der schwarzen Felder aus. 7. …Lg7 8. Sa3! Das war ihre Verbesserung, in einer anderen Partie von ihr folgte hier 8. Te1, wobei Schwarz nach 8. …Se7 9. Sc3 0-0 die Entwicklung bequem abschließen kann und sofortigen Ausgleich schafft. 8. …Se7 9. Sb5 0-0 Jetzt scheitert das natürlich aussehende 9. …d6 an 10. Sxd6+ wegen 10. …Dxd6 11. Lb5+ mit trivialem Gewinn. 10. Lf4


Stellung nach 10.Lf4

Ja, da waren sie, meine Probleme. Hier dachte ich gute 40 Minuten nach und entschied mich für die taktische Fortsetzung. 10. …c4 Interessant ist auch 10. …d5 11. exd5 Sxd5 12. Ld6 Te8 13. Lxc5 Lxb2 14. Sd6 (14. Tb1 Sd7! Diesen netten Zwischenzug hatte ich in meiner Kalkulation zugegebenermaßen übersehen.) 14. …Lxa1 15. Dxa1, und Weiß steht besser. 11. Lxc4 Lxe4 12. Ld6?! Der Zug, der meine Probleme sofort löst. Das "offensichtliche" 12. Sc7? scheitert an 12. …e5 13. Sxa8 (13. Sxe5 Dxc7 14. Sxg6 Dxc4 gewinnt) 13. …exf4, und Schwarz steht besser. 12. Sg5 Lc6 13. Sd6 hätte mich vor größere positionelle Probleme gestellt. Tja, in Löcher hoppeln nun mal die Springer besser als die Läufer. 12. …a6 13. Sc3 Lb7 14. Dd3 Te8 Mit der Idee Sf5 gespielt. Bereits in dieser Stellung steht Schwarz im höheren Sinne angenehmer, da der Plan recht einfach ist: Den Läufer rausschmeißen und mittels d5 ein starkes Zentrum sichern. 15. Tfd1 Eine Alternative wäre 15. Sd2 Sbc6 16. Sde4 Se5 17. Lxe5 Lxe5 18. Sd6 Lxd6 19. Dxd6 Sf5 20. Dd2 Tc8, und Schwarz steht günstig; dies gilt auch nach 20. …Sh4. 15. …Sf5 16. Se4 Lxe4 17. Dxe4 Sc6 18. Tab1 Sxd6 18. …Scd4 19. Sxd4 Sxd6 20. De2 Sxc4 21. Dxc4 d5 wäre ebenfalls möglich gewesen. 19. Txd6 Lf8 20. Tdd1 d5 21. De2 Db6 22. Lb3 Sa5 Ein wichtiger Zug; er verhindert nämlich den Bauerntauschversuch von Weiß mittels c4. 23. Td3 Lg7 24. h4 Db4 25. Te3 Db5 26. De1? Vorzuziehen war 26. Td3 Sb7, und Weiß kämpft noch. 26. …Tac8 27. Sd2 Nach 27. Te2 Sb7 28. h5 Sc5 wird der schwarze Springer besser gestellt. 27. …Lh6 28. Te2 Sxb3 29. Sxb3 Da4 30. h5 Es verliert 30. Da5 Dxh4 31. Dxa6 Ta8 32. Db5 Teb8. 0. …Dxa2 31. hxg6 hxg6 32. Sd4 Lg7 33. Sxe6 Pure Verzweiflung, wobei die Stellung bereits positionell verloren ist. 33. …fxe6 34. Txe6 Kf7 35. Txe8 Txe8 36. Dd1 Dc4 37. Df3+ Kg8 38. Td1 d4 39. c3 dxc3 40. bxc3 a5 41. g3 De4 42. Dxe4 Txe4 43. Td8+ Kh7 44. Tc8 Te1+ 45. Kg2 Tc1 46. c4 a4 47. Kf3 Tc2 – 0:1
 
Auszug aus
"Randnotizen einer jungen Olympia-Veteranin | Elisabeth Pähtz berichtet über die Schacholympiade 2010 in Chanty Mansijsk aus deutscher Sicht"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, November 2010

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Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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