Schach-Magazin
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Ausgabe 9 mit diesen zentralen Themen ::

Ein Gigant unter den Schachfestivals


Czech Arena
Foto: Otto Borik

Auch in diesem Jahr bot die Eissporthalle in Pardubice den vielen Teilnehmern ausreichend Platz.

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Wie schon im Vorjahr konnte sich auch 2010 der Ukrainer Anton Korobow in dem Open A durchsetzen. 8 Punkte aus 11 Partien bei starker Konkurrenz ergaben eine Weltklasseleistung von 2811 Elo-Punkten, den ungefährdeten ersten Platz und einen Geldpreis. Selbst seine Freundin, die sich mit dem jungen Großmeister unübersehbar stritt und während der Siegerehrung demonstrativ wegging, kehrte in der Schlussphase doch zurück und klatschte Beifall für ihren auf dem Siegertreppchen stehenden Helden, der sich während des Abspielens der ukrainischen Nationalhymne stark gerührt zeigte. Was auch immer zuvor die Missstimmung verursachte, es war überstanden, das Paar verließ Arm in Arm den Saal. Nicht ohne zuvor den Ausrichtern versprochen zu haben, im nächsten Jahr wiederzukommen. Es gefällt ihm bei diesem Turnier und überhaupt in diesem Lande, sagte er in einem auf Englisch geführten Interview mit den Ausrichtern, wobei sein Lob etwas selektiv ausfiel ("Czech Republic - a great country, with very good beer" …)

Der junge Mann, der anno 2002 mit nur 17 Jahren die ukrainische Meisterschaft gewann, befindet sich weiter im Aufwind. Bei dem riesig stark besetzten Aeroflot-Open im Frühjahr dieses Jahres belegte er den zweiten Rang, der Sieg in Pardubice bringt den 25-Jährigen auf die vierte Sprosse der ukrainischen Rangliste (hinter Iwantschuk, Ponomarjow und Eljanow), wodurch seine Nominierung für die Schacholympiade wahrscheinlich sein dürfte. Angesichts seiner enormen Spielstärke und des nie nachlassenden Kampfgeistes verwundert es etwas, dass er - im Gegensatz zu vielen anderen Ukrainern - noch kein Engagement in der deutschen Bundesliga hat. Also hört her, ihr Bundesligamanager, und Herrn Korobow verraten wir gerne, dass es auch in Deutschland gutes Bier gibt …

[…]

Erfolgreiche Deutsche

Das riesige deutsche Kontingent sammelte Preise in vielen Turnieren und Kategorien. In dem stärksten Open A konnte zwar keiner von ihnen ganz oben landen, dennoch respektable Plätze erreichen und mitunter mit schönen Partien auffallen. Zwei Kostproben aus dem Schaffen von IM Ilja Schneider (Schachfreunde Berlin, 6,5 Punkte, Platz 19) und GM Philipp Schlosser (OSG Baden-Baden, 6 Punkte, Platz 26):

Englisch A 19
L. Rogule (LAT, 2305)
P. Schlosser (GER, 2575)
1. c4 Sf6 2. Sc3 c5 3. e4 Sc6 4. g3 e6 5. Lg2 d5
Genau diese Fortsetzung glaubte Weiß mit seinem letzten Zug verhindert zu haben, doch sie ist sehr wohl spielbar. Für den Bauern bekommt Schwarz genug Kompensation. 6. cxd5 exd5 Nach dem Schlagen mit dem Bauern, 7. exd5, spielt Schwarz 7. …Sb4 8. d3 und holt sich den Bauern mit …Sbxd5 zurück. Wesentlich ist, dass Weiß 8. …Lf5 mit 9. Le4! beantworten kann; über diese Möglichkeit verfügt sie (die lettische Großmeisterin Rogule) nicht. 7. Sxd5?! Sxd5 8. exd5 Sb4 Wie erwähnt, folgt hier auf 9. d3 der Zug 9. …Lf5 10. Le4 De7 11. f3 (11. De2? Sxd3+!) 11. …0-0-0 mit gutem Spiel für Schwarz. 9. a3 Sd3+ 10. Kf1 c4!

Stellung nach 10.c4!

Die Idee …Db6 mit Angriff auf f2 ist offensichtlich, doch kann Weiß mit Da4+ und Dxc4 nicht einen Bauern gewinnen? In der Partie folgte Rogule diesem Weg: 11. Da4+? Relativ besser ist 11. De2+ Le7 12. b3 0-0 13. bxc4 Lc5 14. Dxd3 Df6 15. Lf3 Dxa1 16. Dc3 von einer gelungenen weißen Partieanlage kann dennoch keine Rede sein. 11. …Ld7 12. Dxc4 Db6 Ach so, der Springer d3 ist wegen …Lb5 tabu. 13. De4+ 13. Sh3 deckt ebenfalls f2, verliert aber nach 13. …Tc8 den Damenläufer. 13. …Kd8 14. De3 Lc5 15. Dg5+ f6 16. Dxg7 Lf8 mit Damengewinn oder Matt auf f2. 0:1

 
Auszug aus
"Ein Gigant unter den Schachfestivals | Anton Korobow ist Sieger des A-Turniers bei der 21. Auflage des Czech Open"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, September 2010

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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