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Ausgabe 7 mit diesen zentralen Themen ::

Ein ganz besonderer Ort


Lebendschach in Ströbeck
Foto: Otto Borik

Mit großem Eifer und viel Begeisterung engagiert sich Groß und Klein sowohl bei der Vorbereitung als auch bei der Aufführung der Lebendschachgruppe.



Eigentlich müsste man als Schachspieler einmal im Leben dorthin reisen. Nicht von einem Pilgerort ist die Rede, sondern von einer knapp 1200 Einwohner zählende Ortschaft im Landkreis Harz, die weltweit ihres Gleichen sucht: Schachdorf Ströbeck.

Am Anfang war die Legende. Anno 1011 soll ein gefangener Adliger den Ströbeckern das königliche Spiel beigebracht haben. Die Zahl und die Geschichte beruht auf einer Überlieferung, aber Ähnliches kann sich schon zugetragen haben. Auf jeden Fall kann Ströbeck auf eine jahrhundertlange Schachtradition zurückblicken. Die ersten schriftlichen Erwähnungen beginnen mit 1515, seit 1689 sind öffentliche Lebendschach-Aufführungen belegt und werden seit 1883 von dem damals gegründeten Schachverein fortgeführt - bis heute. Im Dorfzentrum gibt es den Platz am Schachspiel, einen Schachturm, ein "Gasthof zum Schachspiel", und ein Schachmuseum. Seit 1991 heißt der Ort auch offiziell Schachdorf Ströbeck.

Das alles findet sich auch in einem Lexikon. Wir wollten uns aber selbst ein Bild machen. Das Ströbecker Schachfest, mit einer Lebendschach-Aufführung und einem großen Schnellschachturnier, das in diesem Jahr am letzten Maiwochende stattfand, bot eine gute Gelegenheit. Dort sprachen wir mit einem sympathischen Mann, der wie kaum ein anderer Ströbecker Interna kennt: Rudi Krosch (67), seit der Wende bis zum Februar dieses Jahres - als er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr kandidierte - 20 Jahre lang Bürgermeister der Gemeinde sowie Dreh- und Angelpunkt des Ströbecker Schachlebens. Nicht zuletzt, weil er in diesen 20 Jahren mit viel Geschick über zehn Millionen Euro an Fördermitteln nach Ströbeck geholt hat. Davon wurde manche Straße erneuert und auch die "gute Stube", der Platz zum Schachspiel, weitgehend ausgebaut. "In den ersten zehn Jahre wurde mehr für die Infrastruktur gemacht - die sah ja böse aus, das muss man ehrlich sagen -, in den nächsten zehn Jahren für die Kulturgeschichte, der wir uns verschrieben haben", berichtet Krosch.

[…]

Die Legende von der Partei der Schachspieler

Seinerzeit machte eine Nachricht die Runde durch die Medien, in Ströbeck habe eine Partei der Schachspieler bei der Gemeindewahl die etablierten politischen Parteien klar in die Schranken gewiesen. War es so? Rudi Krosch erzählt die Vorgeschichte: "Im Januar 1990 hatten wir Besuch von einem Schachspieler namens Beutelhoff. Und der sagte uns: wenn ihr nicht aufpasst und eure Dinge hier nicht schützt, dann kommen andere und vermarkten das. Und ihr steht dann außen vor. Und da haben wir einen Verein zur Wahrung und Pflege der Schachtradition gegründet. In der Wendezeit gab es noch nicht die Parteienvielfalt, und so ließ das Land auch eingetragene Vereine zur Wahl zu. Unser Verein trat dann an und so kamen acht oder neun Schachspieler ins Rathaus. Dazu muss man fairerweise sagen, dass die Ströbecker nicht so sehr nach Vereinsnamen schauten, sondern Leute wählten, die sie kannten."

Um es auf den Punkt zu bringen: eine Partei der Schachspieler gibt es nicht, aber im Ströbecker Rathaus haben die Freunde des königlichen Spiels einiges zu sagen, und das ist auch gut so.

[…]

Ausblick

Wenn auch das eingangs erwähnte große Ziel "Weltkulturerbe" noch in weiter Ferne liegt, international wurde schon etwas erreicht. 2006 wurde Ströbeck zum "Europäischen Kulturdorf" ernannt. Im Ausland sind noch elf andere solche Dörfer, und mit denen pflegt Ströbeck einen regen Kontakt, der sich auch in gegenseitigen Besuchen widerspiegelt. So traten die Ströbecker vor zehn Jahren mit ihrer Lebendschachgruppe in dem großen Zelt in Wijk aan Zee auf, wo das berühmte Schachfestival ausgetragen wird. Diese Dörfer werden im nächsten Jahr zur großen Feier "1000 Jahre Schach in Ströbeck" eingeladen. Das Datum für das große Fest steht noch nicht fest, wir werden es zu gegebener Zeit veröffentlichen. Vielleicht wird sich der eine oder andere Leser auf den Weg aufmachen, in das Dorf, das nicht nur Schach spielt, sondern auch intensiv lebt.

 
Auszug aus
"Ein ganz besonderer Ort | Zu Besuch im Schachdorf Ströbeck"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, Juli 2010

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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