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Ausgabe 4 mit diesen zentralen Themen ::

Topalovs Alleingang in Linares


Bühne des Teatro Cervantes
Foto: Cathy Rogers

Dank riesiger Monitore können die Zuschauer im Teatro Cervantes das Geschehen auf den Brettern gut verfolgen.

Der Weltranglistenerste Carlsen, der amtierende Weltmeister Anand sowie sein Vorgänger Kramnik waren bei dem einstigen "Wimbledon des Schachspiels" - dem starken Turnier im spanischen Linares - allesamt nicht am Start. Also galt Exweltmeister Topalov als klarer Favorit, und er gewann das Turnier tatsächlich im Alleingang, er führte von der ersten bis zur letzten Runde das Feld an. Bei genauer Betrachtung seiner Partien wird aber deutlich, wie riskant er spielte und wie "kooperativ" sich der eine oder andere Gegner zeigte. Dennoch äußerte sich der Turnierzweite, Grischuk, anerkennend: "Veselin spielte gut, aggressiv und schnell, das ist eine explosive Mischung!"

Topalov selbst relativierte seinen Erfolg: "Ich bin mit der Qualität meines Spiels nicht sehr zufrieden, von meinen vier Gewinnpartien war nur eine [gegen Gashimov, siehe Partieteil] klar, die anderen nicht. Aber ich spielte interessant und hatte Freude an den Partien. Für mich hat das [bevorstehende] Match gegen Anand die absolute Priorität, hier habe ich etwas experimentiert und manche Eröffnungen zum ersten Mal gespielt."

[…]

Englisch A 29
V. Topalov - F. Vallejo

6. Runde
1. c4 Sf6 2. Sc3 e5 3. Sf3 Sc6 4. g3 d5 5. cxd5 Sxd5 6. Lg2 Sb6 7. a3 g5 8. d3 g4 9. Sd2 h5 10. b4 h4 11. Lb2 Th6 12. Sb3 Sd4 13. Sc5 c6 14. e3 Se6 Topalov war die Eröffnung nicht gelungen, aber nach dem Abtausch auf e6 hätte sich der Schaden in Grenzen gehalten. Er opferte stattdessen einen Bauern, und in der Folge noch zwei weitere, aber auch dann konnte er eigentlich nur noch auf die gegnerische Zeitnot hoffen, eine ausreichende Kompensation erlangte er nie. 15. 0-0 hxg3 16. fxg3 Sxc5 17. bxc5 Lxc5 18. De2 Le7 19. Tad1 f5 20. Df2 Le6 21. e4 Th5 22. Se2 Dc7 23. exf5 Txf5 24. De3 Sa4 25. Dh6 Kd7 26. Txf5 Sxb2 27. Tdf1 Lxf5 28. Txf5 Sxd3 29. h4 Dd6 30. Dg7 Dxa3 31. Kh2

Stellung nach 31.Kh2

Topalov hatte hier einfach drei Bauern weniger, aber Vallejos Blättchen war kurz vor dem Fallen. In einer einfachen Stellung hätte der Spanier sicherlich den Rest in Sekunden herunter gespult und gewonnen, aber solange es noch taktische Tricks gibt (und keine Zeit verbleibt, diese zu prüfen), ist die Messe noch nicht gelesen. Mit mehr Zeit hätte Schwarz sicherlich 31. …Db4! gefunden, was einerseits den Bauern g4 deckt, andererseits Manöver wie Tf7 nebst Le4-f5+ verhindert, aber mit seinen paar Sekunden schickte er reflexartig den Freibauern auf die Reise: 31. …a5? 32. Tf7 a4 33. h5 Se1 34. Dxg4+ Kc7 35. De6 Te8 36. Dxe5+ Kb6 37. Tf5 Db4 Vallejo hatte nur noch vier Sekunden auf dem "Wecker", als er diesen Zug ausführte. Und es kam, wie es kommen musste: 38. De3+ Lc5?? Notwendig war 38. …Kc7. 39. Dxe8 Ein ganzer Turm ist weg … 39. …Sxg2 40. Kxg2 a3 und gleichzeitig Zeitüberschreitung, allerdings in einer für Vallejo schon verlorenen Stellung. 1:0

 


Auszug aus
Topalovs Alleingang in Linares |Bulgarischer Exweltmeister feiert mit sehr risikoreichem Spiel einen Start-Ziel-Sieg"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, April 2010

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Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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