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Ausgabe 4 mit diesen zentralen Themen ::

Glamour und Grips


Arianne Caoili
Foto: Hartmut Metz

Arianne Caoili bei den Chess Classic Mainz, wo sie auch gegen Elisabeth Pähtz antrat

Sie wurde in Philippinen geboren und im australischen Fernsehen gefeiert, spricht sechs Sprachen und vertrat zwei Länder bei Schacholympiaden. Wenn sie nicht gerade mit ihrem prominenten Freund Levon Aronian unterwegs ist, sitzt die attraktive 23-Jährige in Uni-Hörsälen, neuerdings in Frankfurt am Main. Ein guter Anlass für die Vorstellung dieser exotischen Schachattraktion, der sie mit etwas Glück hierzulande am Brett gegenübersitzen könnten. Caoilis Landsmann, Großmeister Ian Rogers, übernahm dankenswerterweise diese Aufgabe.

Arianne Bo Caoili wurde in der philippinischen Stadt Manila geboren, zehn Monate nach der "People Power"-Revolution im Jahr 1986, die Ferdinand Marcos aus dem Präsidentenamt jagte. Als Tochter eines Philippiners und einer Australierin, erhielt Arianne schon bei Geburt die doppelte Staatsbürgerschaft, was sich bald als sehr nützlich erwies. "Mein Vater, ein Ingenieur, war in Marcos' Regierung als Minister für Natural Resources (zuständig für Rohstoffquellen und andere Naturschätze) tätig", erzählt sie, "und so verließ meine Familie Philippinen, als ich noch sehr jung war." Sie wuchs im sonnigen Queensland auf und besuchte dort die Privatschule Somerset College, wo Schach - für damalige Verhältnisse in Australien unüblich - kräftig gefördert wurde. Der Lehrer für Schach (und Hockey) Graeme Gardiner baute dort ein Schachzentrum auf, das zu den weltbesten zählt.

Caoili erlernte das Schachspiel schnell, indem sie älteren Kindern beim Spielen in der Mittagspause zuschaute. Bald forderte sie mit Erfolg ältere Jungen auf und qualifizierte sich für das Schulteam. "Ich liebe Schach. Was bin ich froh, dass ich es gelernt habe", so ihr leidenschaftliches Bekenntnis. Mit acht Lebensjahren wurde das Mädchen erneut entwurzelt, ihre Familie kehrt nach Philippinen zurück. Dort erkannte der Schiedsrichter Ernie Baltazar als Erster, welches Potenzial in dem Kind steckt. Arianne wurde zu einer öffentlichen Uhrenhandicap-Vorstellung des Internationalen Meisters Ricardo De Guzman eingeladen. Wie berichtet, amüsierten sich die Zuschauer köstlich beim Anblick des kleinen Mädchens, das - um das Brett überblicken zu können - auf vier aufeinandergestapelten Stühlen thronte.

[…]

Die folgende ansprechende Partie gewann Caoili bei der Schacholympiade Turin 2006.

Barcza-System A 07
I. Chelushkina (SRB, 2320)
A. Caoili (AUS, 2169)
1. g3 Sf6 2. Lg2 d5 3. Sf3 Lf5 4. d3 h6 5. Sbd2 e6 6. 0-0 Le7 7. De1 0-0 8. e4 Lh7 9. De2 c5 10. e5 Sfd7 11. Te1 Sc6 12. a3?!
Besser war Sf1.12. …Dc7 13. h4 b5 14. Sf1 Tab8 15. Lf4 b4 16. axb4 Sxb4 17. b3 c4! 18. bxc4 dxc4 19. Tec1 Sb6 20. Se3 cxd3 21. cxd3 Dd7 22. d4 Tfc8 23. h5 Sa4 24. d5 Txc1+ 25. Txc1 Sd3! 26. Tc4 Tb2 27. Sd2 Lb4 28. Sd1 Sxf4 29. Txf4

Stellung nach 29.Txf4

Nun nicht 29. …Lxd2?! wegen 30. Txa4! Dxa4 31. Sxb2, und schon gar nicht 29. …Txd2? wegen 30. Txb4!, drohend Tb8 matt. 29. …Sc3! 30. Dg4? Weiß verwarf 30. Sxc3 Lxc3, weil der Sd2 verloren zu gehen scheint. Seltsamerweise war aber gerade dies der einzig spielbare Zug: 31. dxe6 Dxe6 (…Dxd2 32. Dc4!) 32. Dc4 Lxd2 (…Dxc4 33. Txc4!) 33. Dd4 Tb1+ 34. Kh2 Kh8! (…Lb4? 35. Ld5) 35. Dd8+ Lg8 36. Dxd2 Dxe5, und Schwarz behält nur einen Mehrbauern (in der Partie wird's eine ganze Figur): 30. …Lf5! 31. Txf5 exf5 32. e6 fxe6 33. Dg6 Txd2 34. Sxc3 Lxc3 35. dxe6 De7 36. Dxf5 Df6 37. e7 Dxf5 38. e8D+ Df8 39. De6+ Kh8 40. Kh2 Txf2 41. De3 Lb4 42. Dxa7 Lc5 43. Db7 Tf5 44. g4 Dd6+ – 0:1

 
Auszug aus
"Glamour und Grips | Arianne Caoili – Frankfurts exotische Schachattraktion"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, April 2010

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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