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Ausgabe 3 mit diesen zentralen Themen ::

Alles Gute zum Geburtstag, Fridrik Olafsson!


Fridrik Olafsson
Foto: Cathy Rogers

Fridrik Olafsson, der vierte FIDE-Präsident (Amtszeit 1978-1982) nach den beiden Schweden Alexander Rueb (1924-1949) und Folke Rogard (1949-1970) und dem Niederländer Machgielis (genannt Max) Euwe (1970-1978), feierte am 26.Januar seinen 75.Geburtstag.

"Ein Großmeister und Gentleman" titelten wir den Artikel zu Olafssons 70. Geburtstag (Ausgabe 3/2005), dessen Inhalt nun nicht wiederholt werden soll. Mehr von Interesse dürfte ein kurzer Rückblick auf die letzten fünf Jahre sein, in denen Olafsson zwar den beruflichen Ruhestand genoss, aber dennoch vielerorts weiterhin aktiv war. Manchmal eher hinter den Kulissen, etwa bei dem "Fall Bobby Fischer", als der frühere Weltmeister in japanischer Untersuchungshaft saß und die Auslieferung an die USA be-fürchtete (wir berichteten).

Isländer halfen dem exzentrischen Schachgenie - das 1972 das vielleicht meistbeachtete Match der Schachgeschichte gerade in Island austrug - aus der Bredouille und nahmen ihn bei sich auf; Olafsson - der früher Sprecher des isländischen Parlaments Althing war und über viele Verbindungen verfügt - half da geräuschlos, aber wirkungsvoll mit. Von der Welt-Schachpolitik hatte er sich aber schon 1982 verabschiedet. Damals unterlag er - ungeachtet einer makellosen Bilanz seiner Amtszeit als Weltschachbund-Präsident - dem Gegenkandidaten Florencio Campomanes aus Philippinen, der mit seiner Parole "Time for change" - nach vier europäischen Schachpräsidenten (Alexander Rueb/ Niederlande, Folke Rogard/Schweden, Max Euwe/Niederlande und eben Fridrik Olafsson) sei es an der Zeit für einen aus der Dritten Welt - auf Stimmenfang ging und damit Erfolg hatte.

Seine Passion für das Schachspiel hat Olafsson aber keineswegs eingebüßt, wenn er auch in den letzten Jahren weit weniger Turnierpartien spielte als in den 50er bis 70er Jahren, wo er zu den 20 besten Spielern der Welt zählte. Heutzutage sieht man ihn eher bei originellen Anlässen am Brett, etwa bei dem Vergleichsmatch "Berühmte Veteranen gegen Spitzenspielerinnen" in Marienbad 2008 oder ein Jahr zuvor beim "Euwe Stimulans"-Turnier in Amsterdam, das zusammen mit einer großen Ausstellung mit Gemälden, in denen das Schachspiel thematisiert wurde, ein schachkulturelles Event bildete. Eines dieser Gemälde sehen wir auf dem beigefügten Olafsson-Porträt, aufgenommen von Cathy Rogers, im Hintergrund: es handelt sich um das Werk von Arif Telaku "The next move".

Bei diesem Turnier gelang Olafsson der folgende schöne Sieg in einer Partie mit "verrückter" Eröffnung.

Königsfianchetto B 06
V. Rothuis (NED, 2441)
F. Olafsson (ISL, 2452)
1. e4 g6 2. h4
Wenn Sie auf dem Internet-Server schach.de spielen, werden Sie dort diese Eröffnung - oder genauer den frühen Vorstoß h2-h4 oft sehen. 2. h4 ist vor allem deshalb in Mode, weil viele Spieler im Blitz keine Zeit haben, zu entscheiden, was am besten ist: h4-h5 zulassen (das ist gefährlich), dies mit …h5 zu stoppen (wird am häufigsten gespielt) oder wie Olafsson zu spielen 2. …h6 wonach Schwarz auf 3. h5 einfach …g5 spielen will. Nahe liegend ist nun 3. d4, in der vorliegenden Partie geschah 3. f4 Die Absicht ist klar: h4-h5, und falls die Antwort …g5 lautet, soll auf g5 geschlagen werden. Olafsson reagierte interessant: 3. …Sf6 4. e5 Sh5!?

Stellung nach 4...Sh5!?

Falls nun 5. d4, so …Sg3 6. Th3 Sxf1 7. Kxf1 d5, und nach dem folgenden …h5 und …Lf5 steht Schwarz positionell sehr gut. 5. f5 Der heißblütige Holländer denkt an Turmopfer - 5. f5 Sg3 6. fxg6 Sxh1 7. gxf7+ Kxf7 8. Df3+ Kg8 9. g3. Gut, danach ist es nur ein Qualitätsopfer, dazu noch ein sehr unklares, aber nach einem Chaos war Olafsson nicht zumute. Er spielte gediegener 5. …d6 und plante wohl, auf 6. fxg6 fxg6 7. Ld3 mit …Sf4 fortzufahren. 6. e6 fxe6 7. fxg6 7. Dg4 Tg8! 7. …Sg3 8. Th3 Sxf1 9. Df3 Kd7 Der schwarze König versteckt sich inmitten seiner Getreuen. 10. Df7 Spielbar war nun …De8, aber jetzt geriet Olafsson in Opferlaune 10. …Sc6!? 11. g7 Lxg7 12. Dxg7 Tg8 13. Dc3 Txg2 14. Kxf1 Dg8 15. Se2 Tg4 16. d3 b6 17. Lxh6 Lb7

Stellung nach 17...Lb7

Schwarz hat seine Entwicklung abgeschlossen und kann nun - bei gut gesichertem König - dem gegnerischen Monarchen auf den Pelz rücken, etwa mit …Df7+ und …Tag8. Für Weiß war es wohl an der Zeit, mit Ke1 seinen König aus der Schusslinie zu bringen. Er spielte jedoch 18. Sd2 und Schwarz konterte mächtig 18. …Sd4! droht …Lg2+ 19. Se4 Sxe2 20. Kxe2 Lxe4 21. dxe4 Txe4+ 22. Kd3 Dg2! 23. Dd2 Auch nach 23. Te3 Txh4 steht Schwarz überlegen. 23. …Dxh3+ 24. Kxe4 d5+ 25. Kf4 Dxh4+ Falls jetzt 26. Kf3, so 26. …Tg8 27. Le3 De4+ 28. Kf2 Tg2+ usw. 26. Ke5 Ende mit Schrecken … 26. …Df6 matt – 0:1

 
Auszug aus
"Alles Gute, Fridrik Olafsson |Zum 75. Geburtstag
des isländischen Großmeisters und Gentlemans"

erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, März 2010

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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