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Ausgabe 2 mit diesen zentralen Themen ::

Interview mit Espen Agdestein, Manager von Magnus Carlsen


Espen Agdestein (m.)
Foto: T. Bae, sjakkhuset.no

Kasparow (r.) im Gespräch mit dem Präsidenten der norwegischen Schachföderation, Joran Aulin-Jansson (l.) und Espen Agdestein

Im Jahre 2000 errang Magnus Carlsen den norwegischen Titel in der jüngsten Altersklasse, den sogenannten "Miniputts". "Er spielt nicht schlecht", lautete damals oft die Bewertung über das Spiel des Neunjährigen. Zehn Jahr später ist er der jüngste Weltranglistenerste aller Zeiten, und allgemein bleibt die Behauptung unwidersprochen, dass er früher oder später Weltmeister wird. Schach hat endlich den lange vermissten Superstar, der weit über die Szene hinaus Aufmerksamkeit weckt. Zu lange fehlte ein Spieler, der die märchenhafte Komponente des Helden verkörpert: sein Aufstieg ist eine Spur spektakulärer vollzogen, seine Schachtaten sind eine Spur unnachgiebiger errungen, sein Schachstreben ist eine Spur konsequenter auf das nächste Level getrieben, sein Erfolge kommen eine Spur leichtfüßiger ins Rampenlicht, ohne dass darüber die Achtung für den mühsamen Energie- und Arbeitseinsatz verloren geht. Die Zuschauer stehen vor einem Phänomen; eine Aura des Unwirklichen entsteht - und doch gibt es einen Aktiven aus Fleisch und Blut zu erleben.
Doch während die Züge auf dem Schachbrett und die Ergebnisse in der Turniertabelle sichtbaren Ausdruck bieten, bleiben die günstigen Rahmenbedingungen und Konzepte für diese Entwicklung oftmals im Hintergrund. Harald Fietz stellte deshalb dem 44-jährigen FIDE-Meister Espen Agdestein, dem relativ neuen Mitglied im Managementstab von Magnus Carlsen, Fragen über die Konditionen, die jüngst und in Zukunft die Karriere des neuen Hoffungsträgers auf einen stabilen Kurs bringen sollen.

Schach-Magazin 64: Seit wann sind Sie im Umfeld der Karriere von Magnus Carlsen beteiligt und wie kam es dazu?
Agdestein: Mein Bruder Simen [Vor Carlsens Aufstieg der klar beste Spieler Norwegens, Anm. d. Red.] entdeckte sein Talent bereits sehr früh und begann schon damals mit mir Sponsorenoptionen zu diskutieren [Anm.: 2002, im Alter von 12 Jahren, fand man einen ersten Sponsor, ein IT-Unternehmen]. Zu jener Zeit wollte ich einfach ein Unterstützer sein und war erfolgreich, für Magnus überregionale Firmen zu akquirieren. Dies waren Microsoft und FAST, ein anderes Software-Unternehmen, welches inzwischen Microsoft gehört.
Magnus' Vater Henrik, der sich um die meisten Geschäftsbelange kümmert, rief mich Anfang 2009 an, um Wege auszuloten, wie die Trainingseinheiten mit Garry Kasparow finanziert werden können. Damals rangierte Magnus bereits auf Platz vier der Weltrangliste, und als unverbesserlicher Schachfan konnte ich der Offerte nicht widerstehen, Teil des Teams zu werden. So vereinbarten wir vertraglich, dass ich seine Sponsorenangelegenheiten in die Hand nehme und gleichfalls bei Medienkontakten und PR behilflich bin.

[…]

SM64: Was für eine Art von Image erwarten Sponsoren von Magnus?
Agdestein: Ich denke, die Leute bewundern die Fähigkeit, sich zu einem Weltklasseschachspieler zu entwickeln. Schach wird gemeinhin mit Intelligenz und Bildungskapital in Verbindung gebracht. Spitzenspieler besitzen ein umfassendes Wissen und die Fähigkeit, sich darauf zu fokussieren. Dies sind erstrebenswerte Eigenschaften sowohl für Wirtschaftsunternehmen als auch für deren Angestellte. Die Sponsoren wertschätzen die Perfektion der Auftritte von Magnus. Es gefällt ihnen, wahrzunehmen, dass Misserfolg keine Option ist.

[…]

SM64: Was zeichnet Ihrer Ansicht nach einen Sporthelden aus und welche speziellen Eigenschaften sind es im Fall von Magnus?
Agdestein: Ein Held im Sport ist eine Person, die die Massen in Erstaunen und Bewunderung versetzt. Man fühlt, dass hier etwas Hervorragendes, etwas Herausragendes geschieht, und man kann nachvollziehen, welche Arbeit und Anstrengung dahinterstehen, um diese Resultate zu erreichen. Um der beste Schachspieler zu sein, muss man mit äußerst innovativen Fertigkeiten und umfassendem Denkvermögen ausgestattet sein. Und natürlich ist ein breitgefächertes intellektuelles Verständnis zunehmend wichtiger in der heutigen Welt. Der Stellenwert von Schach kann aus diesem Blickwinkel weltweit noch gewichtiger werden.

 
Auszug aus
"Misserfolg ist keine Option"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, Februar 2010

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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