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London


London Chess Classic 2009
Foto: Cathy Rogers

Die Teilnehmer (v.l.): Magnus Carlsen, Wladimir Kramnik, Hikaru Nakamura, Ni Hua, Nigel Short, Michael Adams, David Howell, Luke MacShane

Nach einer Durststrecke von gut einem Vierteljahrhundert war die englische Hauptstadt endlich einmal wieder Schauplatz eines Weltklasseturniers: vier der besten Spieler des Gastgebers - Short, Adams, McShane und Howell - trafen auf vier Spieler aus der Top Hundert - Carlsen, Kramnik, Nakamura und Ni. Einer der Renommiertesten überhaupt, Wladimir Kramnik, sah sich dabei unerwartet Problemen gegenüber: Die englischen Behörden weigerten sich, dem Exweltmeister ein Sportvisum auszustellen, Schach sei kein Sport, so die Begründung. Malcolm Pein, Organisator der Veranstaltung, wandte sich daraufhin an den Parlamentarier Evan Davis, der sich mit Erfolg einsetzte. Bei seiner Eröffnungsrede hatte Davis die Lacher auf seiner Seite, als er mit typisch englischem Humor zum Besten gab: "Im Schach habe ich das Schwindeln gelernt, was mich gut auf meine politische Karriere vorbereitete."

Magnus Carlsen kommentiert


Englisch A 29
M. Carlsen - W. Kramnik
Chess Classic (1), London 2009
1. c4 Die Wahl der Eröffnung war nicht als Tribut anlässlich meines ersten Turniers in England gedacht, dieser Gedanke huschte mir nur während der Partie kurz durch den Kopf. Garry [Kasparow], der mir auch psychologisch geholfen hat, meinte, Kramnik würde sich in diesem Stellungstyp nicht so wohl fühlen. 1. …Sf6 2. Sc3 e5 3. Sf3 Sc6 4. g3 d5 5. cxd5 Sxd5 6. Lg2 Sb6 7. 0-0 Le7 8. a3 0-0 9. b4 Le6 10. Tb1 f6 11. d3 a5 Dies ist eine an Möglichkeiten reiche Stellung mit vielen denkbaren Plänen. So etwas strebte ich an, als ich mit 1. c4 eröffnete. Neuerdings ist 11. …Sd4 populärer. 12. b5 Sd4 13. Sd2 Dc8 Ich wusste, dass 13. …Sd5? nach 14. Lxd5! Lxd5 15. e3 eine Figur verliert, konnte mich aber nicht konkret an die Theorievariante erinnern, und so spielte ich einfach logische Züge. 14. e3 Sf5 15. Dc2 Td8 16. Lb2 a4 Ein gesunder Zug, er muss ja irgendein Gegenspiel kreieren. 17. Tfc1 Sd6 18. Sde4 Se8 Erneut das Beste; c7 muss gedeckt werden. 19. De2! Mit dieser Fortsetzung war ich zufrieden. Ich hätte auch gerne 19. Se2 gespielt, aber dann ist …Lb3 ziemlich störend. Jetzt kann ich auf 19. …Lg4 mit 20. Df1 antworten und später h3 ziehen. Und wenn 19. …Lh3 geschieht, antworte ich einfach 20. Lf3. 19. …Lf8 20. f4 exf4?! Das Schlagen auf f4 ist riskant, aber auch konsequent. Meine Königsstellung wird geschwächt und wenn ich kein Spiel im Zentrum erhalte, kann dies für mich unangenehm werden. Auf 20. …Dd7! hätte ich 21. fxe5 gezogen, aber Schwarz steht nach …Dxd3 nicht schlecht. 21. gxf4 Dd7 22. d4 c6 Damit hatte ich hauptsächlich gerechnet. Nach 22. …Sc4 gewinnt 23. d5! und nach 22. …Lc4 23. Df2 Ld3 hätte ich mich sehr gefreut, weil ich 24. Sc5!! spielen kann: 24. …Lxc5 25. dxc5 Lxb1 26. Txb1 mit toller Kompensation für die Qualität. 23. Sc5 Lxc5 24. dxc5 Sc4 25. Td1 Dc7 26. Lc1 Ich war mir überhaupt nicht sicher, ob ich eigentlich noch gut stehe. Wenn es mir gelingt, die Stellung zu konsolidieren, dann wird mein Läuferpaar nützlich sein, aber jetzt habe ich erst einmal viele Bauernschwächen. 26. …Sa5 Es fällt schwer, für Schwarz einen anderen Zug vorzuschlagen, falls 26. …f5, so ist 27. bxc6 bxc6 28. Td4 gut für Weiß. 27. bxc6 bxc6 28. Sxa4

Stellung nach 28.Sxa4

Zunächst war ich mir gar nicht sicher, ob das Zusammenwirken meiner Figuren Schaden nehmen würde, wenn ich den Bauern schlage. Aber sein Springer e8 steht nicht gut und deshalb blieb ich einigermaßen zuversichtlich. 28. …Txd1+?! Das gefällt mir überhaupt nicht. Ich rechnete mit 28. …Sb3 29. Sb6 Sxc1 30. Tbxc1 Txd1+ 31. Dxd1 Txa3 32. Dd4! Die Dame steht auf d4 sehr gut, ich kann Ta1 spielen und bald den Bauern c6 gewinnen. 29. Dxd1 Td8 30. Dc2 Df7 31. Sc3 Dh5?! Das war kein großartiger Zug, er hatte wohl etwas übersehen. 32. Se2! Lf5 33. e4 Lg4 Ich rechnete mit 33. …Lh3 und wollte dann 34. Lxh3 Dxh3 35. Ld2 spielen. 34. Sg3 Ich schätze, dass er bei seinem 31. …Dh5 hier 34. Sg3 Td1+ plante, aber dann kommt 35. Lf1! (35. Dxd1? Dxc5+). 34. …Df7 35. Lf1! Jetzt hat mir meine Stellung richtig gefallen. Meine Läufer stehen beide auf ihren Ausgangsfeldern und sie stehen dort gut. 35. …Le6 36. Dc3 Ta8 37. Tb4! Ab hier hielt ich Ausschau nach einem forcierten Gewinn, und seine Körpersprache verriet mir, dass er sich nicht mehr lange wehren würde. 37. …Dd7 38. f5 Lf7 39. Lf4 Dd1 Auf 39. …Sb7 plante ich 40. e5! fxe5 41. Lxe5, gefolgt von Tg4 mit starkem Angriff. 40. Kf2! Sb3 Mir schien 40. …Dd8 notwendig, aber ich denke nun, er wollte es schon hinter sich bringen. 41. Le2 Db1 42. Lc4 Txa3 43. Se2 Er bekommt Matt oder verliert Material. - 1:0
 


Auszug aus
"Solo für zwei - Superturnier in London: Carlsen und Kramnik beherrschten das Feld"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, Januar 2010

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Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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