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Ausgabe 11 mit diesen zentralen Themen ::

Nanjing


Nanjing
Foto: C.Rogers

Anmut, Seide und Lichteffekte bei einer der unzähligen tänzerischen Darbietungen bei der verschwenderisch gestalteten Eröffnungsfeier

…In prachtvolles Tuch gewandet, eine rote Jacke aus chinesischem Wolkenbrokat tragend, führte der 18-jährige Norweger von Beginn an dank überzeugender Siege über Peter Leko und den Weltranglistenersten Veselin Topalov das Turnier an, und seine Führungsposition war niemals gefährdet. Im Gegenteil, noch drei Runden vor Schluss war es keinem der Teilnehmer außer Carlsen gelungen, überhaupt über die 50 Prozent der möglichen Punkte zu kommen. Carlsens Auftritt in Nanjing war einfach unglaublich:
  • Carlsen gewann doppelt so viele Partien wie der Rest des Feldes zusammengenommen.
  • Seine Turnierleistungszahl überschritt die 3000 Elogrenze und hievte seine Elozahl auf über 2800.
  • Seit Garry Kasparows Sieg in Linares 2001 hat kein Spieler mit solch einem Vorsprung vor den Konkurrenten gewonnen.
  • Carlsen besiegte alle seine fünf Rivalen, und den Weltranglisten-11., Dmitry Jakowenko, gleich zweimal.
  • Carlsen besiegte alle seine fünf Rivalen, und den Weltranglisten-11., Dmitry Jakowenko, gleich zweimal.
  • Mit Weiß holte er 5 aus 5 und nur in zwei Partien war er in ernsthaften Schwierigkeiten: gegen Jakowenko in Runde 4 und gegen Wang Yue in Runde 8. Beide Stellungen konnte er schließlich sogar noch gewinnen.
Regelmäßig, wenn auch aus der Ferne erteilte ihm sein neuer Coach Kasparow Ratschläge und Carlsens Spiel in der Eröffnung war scharf und variantenreich, seine Zielstrebigkeit und Konzentration, schon immer eine seiner Stärken, waren präsent wie immer. Carlsens Turnierleistung war eine der besten jemals bei Turnieren auf höchstem Niveau erreichten – und das von einem Teenager.

Carlsen freute sich sichtlich, Kasparows Anteil an dem großen Erfolg herauszustreichen: „Es war kein Geheimnis, dass ich ohne Sekundant angereist bin. Kasparow hat mich trainiert und hat mir über Skype einige Kommentare und Ratschläge übermittelt. Das hat einiges ausgemacht. Er hat mir sowohl mit den Eröffnungen als auch psychologisch geholfen. Ich vermute, schon allein das Wissen um unsere Zusammenarbeit hat sich bei den anderen Spielern ausgewirkt, der eine kam damit besser zurecht als der andere.“

„Kasparow und ich haben im Jahr 2009 zusammen trainiert und wir sind beide zufrieden mit den Ergebnissen. Ich weiß nicht, ob diese Zusammenarbeit im nächsten Jahr fortgesetzt werden wird. Jeder weiß, dass das Geld eine Rolle spielt, aber es kostet auch jeden von uns Kraft. Ob die Zusammenarbeit eine Fortsetzung findet hängt auch davon ab, ob Zeit und die notwendige Energie aufgebracht werden können. In diesem Jahr hat das ganz gut geklappt und wir sind beide motiviert.“
[…]

Nanjing
Magnus Carlsen gegen Veselin Topalov
Foto: C.Rogers

Königsindisch E 90
M.Carlsen – V.Topalov
2. Runde
1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sc3 Lg7 „Königsindisch kam für mich überraschend“, bekannte Carlsen. 4. e4 d6 5. Sf3 0–0 6. h3 Also kein Klassiker mit 6. Le2, sondern eine relativ seltene Variante. 6. …Sa6 7. Le3 e5 8. d5 c6 9. g4 Sc5 10. Sd2 a5 Das alles wurde bereits in knapp einhundert Partien gespielt, weiter folgte jedoch fast ausschließlich Le2, was h4-h5 vorbereitet. Carlsen zieht es vor, am Damenflügel vorzugehen. 11. a3!? Weiß will b2-b4 spielen. Der typische königsindische Zug …a5 kostet hier nach Lxc5 nebst Sxa4 einen Bauern. Deshalb spielte Topalov 11. …Sfd7 12. Tg1! Das chinesische Kommentatoren-Team zeigte sich von diesem Zug überrascht, ja schockiert. Schließlich wird jedem Königsindisch-Anhänger eingetrichtert, bloß nicht …a4 mit dem Loch auf b3 zuzulassen. Nach der Partie erklärte Carlsen seine Sichtweise: „Wenn ich 12. b4 spiele, hat er …axb4 13. axb4 Txa1 14. Dxa1 Sa6. Ich muss meinen b-Bauern mit Db2 oder so verteidigen, dann spielt er 15. …c5! und sein Springer gelangt entweder nach b4, oder nach c5. Also hatte ich keine Eile mit b4. Der Zug 12. Tg1 ist nützlich, wenn er beispielsweise …Lf6 spielt, kann ich mit g5 vorrücken.“ 12. …a4 Das scheinaktive 12. …f5?! bringt Schwarz in Schwierigkeiten wegen 13. gxf5 gxf5 14. exf5, und …Txf5? verliert bereits nach 15. Txg7+! Kxg7 16. Dg4+. 13. Dc2 Sb6 14. 0–0–0 Ld7 Königsindisch-Experte Radjabov übte harsche Kritik an dem Weltranglistenersten. „Topalov spielte ziemlich schlecht, er hat zwei Pläne unvorteilhaft vermischt. Das kann freilich in jeder Eröffnung passieren.“ 15. Kb1 cxd5 16. cxd5 Tc8 17. Lb5!? Lxb5 18. Sxb5

Schachzug

  1. Der Bauerngewinn 19. Lxb6?! Dxb6 20. Dxa4 überlässt dem Schwarzen viel Aktivität: 20. …Sd4! (Nach der verlockenden, aber schlechteren Abwicklung 20. …Sc5 21. Db4 Sd3 22. Sc4! Dxf2 23. Dc3 Txc4 24. Dxd3 Dc5 25. Tc1! behält Weiß etwas Vorteil.) 21. Sxd4 exd4 22. Sb3 d3! 23. Td2 Tc2! mit sehr aktivem Spiel.
  2. 19. Dd3 ist besser, aber Schwarz kann immerhin mit …Sf4 seinen Springer aktiv aufstellen.
Hier lag der Hauptfehler in dieser Partie, weniger im 21. Zug, in dem Topalov zwar einen Bauern verlor, aber (wie Carlsen betonte) bereits deutlich schlechter stand.

19. Sc3 Lf6 20. g5 Ld8 21. h4 Wenn Schwarz nichts unternimmt, wird er nach Tg3, Th1, h5 und Tgh3 zusammengeschoben. Topalovs Entscheidung, einen Bauern herzugeben, war im Prinzip richtig und notwendig, aber dies hätte besser mit 21. …Sb3 22. Sxb3 axb3 23. Dxb3 Sc4 geschehen. In der Partie wird Schwarz gar keine Kompensation haben. 21. …Sa8? 22. Lxc5 Txc5 23. Dxa4 Dc8 24. Tc1 Sb6 25. Dd1 Dh3 26. Df3! Dd7 Natürlich nicht 26. …Dxh4? 27. Tg4 Dh2 28. Th1 mit Damenfang. 27. Dd3 Kg7 28. Tc2 f6 29. gxf6+ Txf6 30. h5 Txf2 31. hxg6 „Vielleicht hätte auch 31. Sb3 gewonnen, aber ich sah 31. …Txc2 32. Sxc5 Txc3 33. Dxc3 dxc5 34. Dxe5+ Lf6 35. h6+ Kf7 und konnte keinen klaren Gewinnweg finden“, Carlsen. 31. …h6 Die Antwort …hxg6 verliert nach 32. Txg6+! Kxg6 33. Dg3+. 32. Sd1! Txc2 33. Sxf2 Tc8 34. Sg4 Lg5 35. Sf3 Sc4 36. Sxg5 hxg5 37. Se3 „Topalov meinte nach der Partie, ich hätte 37. Dh3 spielen können. Dies droht Dh7+, er muss also 37. …Th8 spielen, danach kommt der nette Trick 38. Dxh8+!! Kxh8 39. Th1+. Wenn der König nach g8 zieht, so habe ich die Gabel Sf6+, und falls 39. …Kg7, so gewinne ich mit 40. Th7+ die Dame zurück. Aber 37. Se3 gewinnt auch leicht“, Carlsen. 37. …Sxe3 38. Dxe3 Da4 39. Dxg5! Dxe4+ 40. Ka1 Te8 41. Tc1! 1:0
 
Auszug aus
"Carlsen erstürmt Nanjing"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, 11/2009

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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