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Biel



Biel
Foto: C.Rogers

Auf der Bühne des Congresshauses in Biel, aber mit Blickkontakt zum gemeinen Schachvolk, kreuzten die Teilnehmer des Großmeisterturniers Adie Klingen (zu sehen sind hier Maxime Vachier Lagrave, Fabiano Caruana und Wassili Iwantschuk)

…in dem als Herz der Veranstaltung angesehenen Großmeisterturnier setzte sich der 18-jährige Franzose Maxime Vachier-Lagrave (meist nur kurz „Max“ genannt) durch.

Für den jungen Franzosen war dies sein erster Start bei einem Turnier dieser Kategorie. Und da er erst kürzlich beim Turnier in San Sebastian (vgl. den Bericht in der letzten Ausgabe, Seite 9) nicht unbedingt seine beste Form zeigte, er belegte den siebten Platz, steckte man ihn in Biel von vornherein in die Schublade „zweite Tabellenhälfte“. Als wahrscheinlicher Sieger wurde eher einer aus dem renommierten Trio Gelfand, Iwantschuk und – bzw. vor allem – Morosewitsch gehandelt. Für Letzteren scheint Biel so etwas wie Dortmund für Kramnik zu sein, sozusagen sein „Revier“. Bei seinen drei letzten Starts in Biel (2003, 2004 und 2007) siegte Morosewitsch jedes Mal und in allen Fällen mit einer, für Turniere dieser Kategorie ungewöhnlich hohen Punkausbeute von 75%!

Jede noch so großartige Serie geht einmal zu Ende, wie kürzlich Anand in Mainz erfahren musste. Morosewitsch war diesmal nicht so souverän wie sonst. Nur der Start verlief wie gewohnt (2,5 aus 3), dann überzog er eine gute Stellung gegen Caruana, der sich allerdings brillant verteidigte und mit einem tollen Gegenangriff das Ruder herumreißen konnte; diese Partie wird in der Serie „Raus aus dem Schlamassel“ in dieser Ausgabe präsentiert. Dann lief es durchwachsen für den Moskauer, bis „Moro“ in der achten Runde im großen Showdown gegen „Max“ den Kürzeren zog. In dieser besten Partie des ganzen Festivals, nein, des ganzen Jahres, manche meinen sogar der ganzen Dekade, war einfach alles drin: eine glänzende, verblüffende Eröffnungsneuerung, Attacken und Paraden am laufenden Band und zum Schluss ein Endspiel wie aus einem Kuriositätenkabinett.

[…]

Nach dieser Partie war das Rennen gelaufen, Vachier-Lagrave trudelte mit zwei Remisen aus, Morosewitsch konnte immerhin mit einem Schwarzsieg gegen Iwantschuk auf den zweiten Platz nach Wertung vorrücken. Über diese Partie gibt es auch etwas zu berichten:

Damengambit D 24
W. Iwantschuk – A. Morosewitsch
GM-Turnier (9), Biel 2009
1. Sf3 d5 2. d4 Sf6 3. c4 e6 4. Sc3 dxc4 5. e3 a6 6. a4 b6 7. Lxc4 Lb7 8. 0–0 Lb4 9. Db3 Sc6 10. Td1 Ld6 11. Dc2 Sb4 12. De2 Se4 13. Sxe4 Lxe4 14. Ld2 Lxf3 15. Dxf3 0–0 16. a5 c6!? 17. axb6 Dxb6 18. h4 a5 19. h5 Le7 20. Tdc1 Tfc8 21. b3 h6 22. Ta4!? Sd5 Weiß steht sicherlich gut, aber es fällt ihm nicht leicht etwas Konkretes zu erreichen. Seine Partiefortsetzung hätte nur zu einem Unentschieden führen sollen. 23. e4?! Lb4! 24. exd5 Lxd2 25. dxe6 25. Tc2 führt zu einem remislichen Endspiel nach 25. …cxd5 26. Txd2 dxc4 27. bxc4 Tab8 28. c5 Dc7 29. g3 (29. Tda2?? Tb1+) 29. …e5. 25. …Lxc1

Schachzug

Das Opfer war insofern korrekt, als Iwantschuk damit auf Wunsch eine Punktteilung hätte herbeiführen können, und zwar mit 26. e7! Lg5 (26. …Kh8? 27. Ld3, drohend Df5) 27. Dxf7+ Kh8 28. Dg6 Lxe7 29. Ld3 Kg8 30. De6+ Kh8 31. Dg6 usw. Zu seinem Schaden, jagt der Ukrainer einem Trugbild nach. 26. Dxf7+? Kh8 27. Ld3 06.45 Hier ist es für 27. e7 schon zu spät, Schwarz spielt 27. …Dxd4! 27. …Dd8! Diese Verteidigung (…Dg8 soll folgen) ließ Iwantschuk völlig außer Acht. 28. Dg6 3.25 28. …Dg8 29. Tc4 La3 30. g3 Le7 31. d5!? cxd5 32. Tf4

Schachzug

„Hier hat mir Wassili remis angeboten. Er hat einen Turm weniger, keine Drohungen, keine Zeit und er bietet mir remis an“, mokierte sich der Russe und fügte hinzu: „Ich sagte ihm, ich wolle darüber nachdenken … Ich erinnerte mich an diejenigen Spieler auf ICC (eines der Foren, wo im Internet unter anderem Blitzpartien gespielt werden können), die wenn sie auf Verlust stehen, den Knopf ,Remisangebot‘ drücken und wenn man gleich antwortet, geben sie auf.“ 32. …Ld6 33. Tf7 Tc7 34. Td7 Le5 35. Df5 Txd7 36. exd7 Lc7 37. Lb5 Tf8 38. Dg6 Df7 und praktisch zeitgleich mit der Zeitüberschreitung gab Weiß auf. 0:1

„Ich weiß schon lange, dass die Qualität des Spiels nicht dem Endergebnis entsprechen muss, ein Fehler kann alles verderben“, sinnierte Morosewitsch nach dem Turnier und vergaß auch nicht, auf den unterschiedlichen Kampfgeist der Teilnehmer einzugehen. „Fabiano [Caruana] und ich waren an allen entschiedenen Partien des Turniers beteiligt, die anderen machten 18 Remisen untereinander. Man kann uns die Helden des Turniers nennen. Mein zweiter Platz ist nicht schlecht, aber ich hätte dieses Turnier mit einem Vorsprung gewinnen müssen, um die Organisatoren auf mich aufmerksam zu machen, damit sie mich zu Superturnieren einladen. Ich habe in den letzten 12 Monaten keine Einladung [zu Superturnieren] bekommen. Es reicht nicht aus, aufregendes Schach zu spielen, die Ausrichter schauen auf deine Elozahl. Wijk aan Zee ist eine Ausnahme, aber ich glaube nicht, dass sie mich – nach meiner schlechten Leistung in diesem Jahr – wieder einladen. Ich muss in die ersten fünf oder gar die ersten drei [der Weltrangliste] vorrücken, um ganz sicher Einladungen zu bekommen. In diesem Jahr wurde ich nicht zum Tal-Memorial in Moskau eingeladen, dabei lebe ich dort!“
 
Auszug aus
"Max siegt in Biel – Französischer Teenager gewinnt überraschend das zentrale Turnier des Schweizer Schachfestivals",
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, 9/2009

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  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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