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Archiv 2009 ::

Zürich


Zürich
Foto: G.Kradolfer

Beim Champions Simultan traten am Samstag, 22. August 2009, 200 Amateure in einem Simultanwettkampf gegen acht Prominente an. Lediglich vier Amateure konnten gewinnen, 35 erreichten ein Remis. Das beste Ergebnis der Simultanspieler erzielte Ruslan Ponomarjow, der alle Partien gewann. Wladimir Kramnik folgte mit 23,5 Punkten (+22, =3, -0), Viswanathan Anand und Garry Kasparow erzielten einvernehmlich 23 Punkte (jeweils +21, =4, -0), Viktor Kortschnoi 22,5 (+ 21, =3, -1), Veselin Topalov 21,5 (+20, =3, -2), Anatoli Karpow 20,5 (+17, =7, -1) und Boris Spasski 19,5 Punkte (+14, =11, -0).

… folgte der Höhepunkt und Abschluss der Jubiläumsfeierlichkeiten: acht der besten Schachspieler der letzten 50 Jahre waren im Hauptbahnhof Zürich bei einer Simultan- und einer Schnellschachveranstaltung zu sehen.

Das Jubiläums-Open wurde in zwei Gruppen ausgetragen. Für das Amateur-Turnier (bis 2050 Elopunkte der Schweizer Liste) mit 265 Teilnehmer/innen stellte die gemeinnützige Stiftung Accentus einen Preisfonds von 25 000 Franken zur Verfügung, dreimal so viel kam von der Alois Nagler Stiftung für das Meisterturnier, der sportlich gesehen bedeutendsten Veranstaltung. Alois Nagler war eine große Persönlichkeit des schweizerischen Schachs (vergleichbar mit dem vor vier Jahren verstorbenen DSB-Präsidenten Egon Ditt oder dem amtierenden österreichischen Schachbund-Präsidenten Kurt Jungwirt), und er war auch mit Zürich (wo er geboren wurde) und der Schachgesellschaft (der er jahrzehntelang angehörte und sie auch als Präsident leitete) eng verbunden. Bei dem zu seinen Ehren benannten Jubiläumsturnier sorgten 44 Großmeister und 46 Internationale Meister in einem Feld von 283 Teilnehmern für eine selten vorkommende Leistungsdichte.

„In einer spannenden Schlussrunde, die beste Werbung für das Schachspiel war, verpasste Top-Favorit Alexander Morosewitsch um Haaresbreite den Sieg in seiner Partie und damit im Turnier“, berichtet der Organisator Dr. Christian Rohrer. Den spannenden Ausgang des Rennens genossen alle Beobachter und wohl die meisten Spieler, bis auf einige Unglücksraben, vor allem einen Unglücksraben.

[…]

Damengambit D 47
J. Kusubow (Ukraine)
A. Areshchenko (Ukraine)
1. d4 d5 2. c4 c6 3. Sf3 Sf6 4. Sc3 e6 5. e3 Sbd7 6. Ld3 dxc4 7. Lxc4 b5 8. Ld3 Ld6 9. Dc2 Lb7 10. Ld2 Tc8 11. a3 c5 12. Sxb5 Lb8 13. Da4 In einer Vorläuferpartie zog sich die weiße Dame bescheiden nach d1 zurück. In der vorliegenden Begegnung räubert der Anziehende weiter. 13. …0–0 14. Sxa7 Lxa7 15. Dxa7 Lxf3 16. gxf3 Ta8 17. Db7 cxd4 18. Lb4 Te8 Der schwarze Entwicklungsvorsprung ist groß. So manch nahe liegender Zug führt bereits zu Problemen für den Anziehenden, so z. B. die kurze Rochade, wonach Schwarz blitzschnell attackiert: 19. 0–0 Se5 20. Lb5 Tb8 21. Da6 Sxf3+ 22. Kh1 Tb6 23. Da4 Db8!, und auf h2 brennt es. Diese Variante erklärt den nächsten Zug von Weiß: 19. Ld6 Se5 20. Lxe5 Da5+ 21. Ke2 Dxe5 22. f4 Dd6 23. Db4 Dd5

Schachzug

Sehr in Betracht kam 24. Db5!? wonach Weiß entweder die gegnerische Dame abdrängt, oder aber in ein total remisliches Endspiel überleitet: 24. …Teb8 25. Dxd5 Txb2+ 26. Kf3 Sxd5 27. Le4 dxe3 28. fxe3 Tb3 29. Lxd5 exd5 30. Thb1 Tc3 31. Tc1 remis. Aber Kusubow, der sich im Falle eines Sieges selbst Hoffnungen auf den Turniersieg hätte machen können, wich ab. 24. Dxd4 Dh5+ 25. f3? Ein fast unmerklicher Fehler mit großen Folgen. 25. Ke1 war angezeigt, wonach Schwarz immer noch viel Spiel für die beiden Bauern hat, aber der Anziehende kann sich mit der Option Le2 möglicherweise aus der Affäre ziehen. Auf jeden Fall wäre der Angriff wie in der Partie nicht mehr wirksam gewesen. 25. …e5 26. fxe5 Tad8 folgt 27. Le2 Dg6 28. Df4 Sd7 29. e6 Dxe6 (…Txe6? verliert sogar noch nach 30. Td1) 30. Td1 Se5 31. Txd8 Txd8 32. Tg1, und es steht in den Sternen, ob sich die Aktivität des Nachziehden oder die beiden Mehrbauern des Anziehenden durchgesetzt hätten. Wie auch immer, der Partieausgang wäre dann offen gewesen. Nach dem verfehlten Partiezug, der den Punkt e3 entscheidend schwächt, kollabiert die weiße Stellung innerhalb kurzer Zeit. 25. …e5 26. fxe5 Tad8 27. Dc4 Dxe5 28. Dc1 Dh5 29. Lc4 Tc8 30. b3 Sd5 0:1

Damit stand am Ende der 23-jährige (geb. am 15. Juni 1986) Alexander Areshchenko als Wertungssieger fest. Die inoffizielle Nationen-Wertung ging klar an Israel (vier Spieler unter den ersten 10), den Frauen-Preis wie auch die U16-Sonderwertung gewann die 15-jährige Chinesin Hou Yifan, der Seniorenpreis ging an die ungarische Legende Lajos Portisch und der erste Jugendpreis U20 an den so knapp gescheiterten Juri Kusubow.

Spitzenstand:
1. A. Areschenko (UKR, Elo 2651) 7,5
2. B. Avrukh (ISR, 2641) 7,5
3. A. Drejew (RUS, 2660) 7,0
4. V. Mikhalevski (ISR, 2631) 7,0
5. A. Morosewitch (RUS, 2751) 6,5
6. J. Kusubow (UKR, 2635) 6,5
7. E. Sutovsky (ISR, 2675) 6,5
8. V. Golod (ISR, 2599) 6,5
9. G. Meier (GER, 2658) 6,5
10. Y. Pelletier (SWZ, 2574) 6,5
11. R. Hess (USA, 2560) 6,5
12. C. Sandipan (IND, 2585) 6,5
13. G. Gopal (IND, 2575) 6,5
14. M. Bosiocic (CRO, 2551) 6,5
15. T. Gharamian (FRA, 2615) 6,5
16. D. Fridman (GER, 2665) 6,5
17. J. Miroschnischenko (UKR, 2696) 6,5
18. Hou Yifan (CHN, 2584) 6,5
19. K. Bischoff (GER, 2551) 6,5
20. C. Bauer (FRA, 2602) 6,5
21. S. Bromberger (GER, 2510) 6,5
22. T. Hirneise (GER, 2429) 6,5
23. I. Ivanisevic (SRB, 2629) 6,5
vor weiteren 260 Teilnehmer/innen mit 6 oder weniger Punkten.
 
Auszug aus
"Eine großartige "Geburtstagsparty" –
Jubiläums-Open der Schachgesellschaft Zürich

mit fast 600 Teilnehmern",
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, 9/2009

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Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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