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Foto: O.Borik

Wladimir Kramnik: zum neunten Mal in Dortmund siegreich

…Die Turnierkategorie ist stets hoch, schließlich nehmen in der Regel Topten-Spieler teil (in diesem Jahr vier aus den ersten Sieben der Weltrangliste), aber die Ausbeute an spannenden Partien lässt manchmal zu wünschen übrig. Dies liegt teils an der kleinen Teilnehmerzahl; früher war es acht, nun nur sechs Spieler, die bei der doppelrundigen Veranstaltung lediglich 30 Partien spielen (bei dem vergleichbar starken Corus-Turnier in Wijk aan Zee werden allein in der ersten Gruppe 81 Partien ausgetragen), aber auch an den Teilnehmern selbst. So schimpften Zuschauer laut vernehmlich im Foyer des Schauspielhauses in der Runde neun, als in einer Partie (Bacrot-Leko) nach 17 gespielten Zügen gerade ein Bauer abgetauscht und schon die Friedenspfeife geraucht wurde. Wenn in einem Drittel aller in Dortmund 2009 gespielten Partien nach durchschnittlich 20,9 Zügen der Punkt geteilt wird, dann sollte der Ausrichter Handlungsbedarf sehen.

Selbst der Turniersieger Kramnik hat sich nicht gerade überarbeitet (fünf Remisen unter 25 Zügen), aber immerhin auch einige Klasseleistungen abgeliefert, ebenso wie der Jungstar Magnus Carlsen. Dieser wurde vor dem Turnier in einer Internet-Umfrage mit über 50% der Stimmen als der kommende Sieger apostrophiert (Kramnik trauten dies rund 30% zu), und er war auch der erste Spieler, der bei diesem Turnier einen vollen Punkt verbuchte. Zwar konnte er mit Weiß aus der Eröffnung nichts herausholen, das kommt ja vor, doch ans Remis dachte er nicht. Er versuchte dies und jenes, und nachdem sein Gegner nicht immer die besten Züge fand, setzte sich der Norweger durch.

[…]

Kramnik begann das Turnier nach „Art des Hauses“ mit drei Remisen, in der vierten aber konnte er überzeugen. Mit seinem Gegner hatte er noch ein Hühnchen zu rupfen; im Vorjahr erwischte ihn Naiditsch in der Eröffnung, diesmal war es umgekehrt.

Russisch C 42
A. Naiditsch – W. Kramnik
4. Runde
1. e4 e5 2. Sf3 Sf6 3. Sxe5 d6 4. Sf3 Sxe4 5. d4 d5 6. Ld3 Im Vorjahr spielte Kramnik gegen Naiditsch …Sc6. 6. …Ld6 7. 0–0 0–0 8. c4 c6 9. Te1 Lf5 Viel gespielt wird an dieser Stelle Sc3, der Partiezug kommt seltener vor. 10. c5 Lc7 11. Sc3 Sd7 Dieses Bauernopfer nimmt Weiß besser nicht an, die Stellung nach 11. …Sd7 12. Sxe4 dxe4 13. Lxe4 Lxe4 14. Txe4 Sxc5! 15. Th4 Se6 ist offensichtlich gut für Schwarz 12. Dc2 Te8

Schachzug

Der Bauer e4 schmeckt immer noch nicht: 13. Sxe4 dxe4 14. Lxe4 De7! 15. Sg5 Sf6 16. f3:

a) In der Partie B. Socko – Skatchkov, Cappelle la Grande 2004, spielte Schwarz 16. …h6?, und nach 17. Ld2!, drohend Lxf5, konnte sich der Weiße aus der Affäre ziehen: 17. …Sxe4 18. Sxe4 Dh4 19. g3 Lxg3 20. hxg3 Lxe4, und die Gegner einigten sich auf remis.

In dieser Partie wurde der Schwachpunkt des weißen Aufbaus nicht offenbar, nach dem richtigen

b) 16. …Sxe4! 17. fxe4 (17. Sxe4? verliert nach 17. …Lxh2+ nebst …Dh4.) 17. …h6 18. Ld2 Lg6! 19. Sf3 Lxe4 behält Schwarz einen gesunden Mehrbauern.

13. Le3 h6 14. b4?! Schachprogramme plädieren zu Recht hier und in den beiden nächsten Zügen für Sd2 mit Generalabtausch im Zentrum. 14. …Sdf6 Schwarz steht bereits besser. Die folgenden Ereignisse bestätigen die Erfahrung, „in schlechteren Stellungen kommen die Fehler von alleine“. 15. h3 Dd7 16. Se2? Lxh3!

Schachzug

Nach der Annahme des Figurenopfers 16. …Lxh3 17. gxh3 entwickelt sich der schwarze Angriff schnell: 17. …Dxh3 18. Sg3 Sxg3 19. fxg3 Lxg3 20. Dg2 (20. Lf1 Dg4; 20. Te2 Sg4 21. Dd2 Te7 und …Tae8) 20. …Dxg2+ 21. Kxg2 Lxe1 22. Txe1 Sg4, und gegen die drei verbundenen Freibauern am Königsflügel ist auf Dauer nichts zu machen. 17. Se5 Lxe5 18. dxe5 Txe5 19. f3 Tae8! Mit der Idee 20. fxe4 dxe4 21. Lc4 Lxg2! 22. Kxg2 Th5 23. Sg3 (23. Th1? Dg4+ 24. Sg3 Df3+) 23. …Dh3+ 24. Kg1 Dxg3+ 25. Dg2 Dxg2+ 26. Kxg2 Sd5, mit vier Bauern für die Figur. Spielt man mit der Figur gegen die Bauern lässt man sich auf solche Endspiele nicht gerne ein, in der Partie kommt es jedoch für den Anziehenden gleich ganz schlimm: 20. Lf4 Th5 21. fxe4? Die letzte Chance war 21. Sd4! Nach …Sg5 steht Schwarz zweifellos besser, aber die Messe ist noch nicht gelesen. 21. …dxe4 22. Lc4 Lxg2! Mit der Absicht 22. …Lxg2 23. Kxg2 Dh3+ 24. Kg1 Dh1+ 25. Kf2 Sg4+ 26. Kg3 Df3 matt. 23. Sg3 Lf3 24. Db3 Th4 Noch schneller gewann 24. …Dh3! 25. Ld6 Dh3 26. Lxf7+ Kh7 27. Db2 Sg4 Das führt zum Matt, das mit 27. …Dxg3+! 28. Lxg3 Th1+ 29. Kf2 Sg4 noch schneller zu bewerkstelligen war. 0:1

Das nennt man eine Revanche für eine Vorjahresniederlage!

Spitzenstand:
    Elo TPR 1 2 3 4 5 6 Pkt
1 Kramnik RUS 2759 2848 * * ½ 1 ½ ½ ½ ½ ½ ½ 1 1 6,5
2 Carlsen NOR 2772 2773 ½ 0 * * 1 ½ ½ ½ ½ ½ 1 ½ 5,5
3 Jakowenko RUS 2760 2775 ½ ½ 0 ½ * * ½ ½ ½ 1 1 ½ 5,5
4 Leko UNG 2756 2776 ½ ½ ½ ½ ½ ½ * * 1 ½ ½ ½ 5,5
5 Bacrot FRA 2721 2679 ½ ½ ½ ½ ½ 0 0 ½ * * ½ ½ 4,0
6 Naiditsch DEU 2697 2607 0 0 0 ½ 0 ½ ½ ½ ½ ½ * * 3,0
 
Auszug aus
"Der Exweltmeister überzeugt in seinem Revier – Wladimir Kramnik siegt zum neunten Mal in Dortmund * Viele Kurzremisen überschatten vereinzelte Klasseleistungen"
erschienen in

SCHACH MAGAZIN 64, 8/2009

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Designelement SM64-Kaleidoskop Designelement
  Remisschluss einmal anders

Zu der nachstehend abgebildeten Stellung kam es am im Januar beim Open in Gibraltar zwischen zwei Spielern der Weltklasse. Weiß hat einen Bauern mehr, kann aber die Punkteteilung – zu der es mehrere Wege gibt – nicht verhindern:

 

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